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Marietta Slomka nervt Sigmar Gabriel: SPD-Chef streitet im ZDF

Gabriels Kampf ums Mitgliedervoting  

Dünnhäutiger SPD-Chef: "Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden"

29.11.2013, 16:50 Uhr | je, t-online.de, dpa

Marietta Slomka nervt Sigmar Gabriel: SPD-Chef streitet im ZDF. Sigmar Gabriel und Marietta Slomka im ZDF-"heute journal" (Quelle: ZDF / Screenshot)

Dünnhäutig und genervt: Gabriel und Slomka im Gespräch im "heute journal" (Quelle: ZDF / Screenshot)

Der erste öffentliche Werbeauftritt von Sigmar Gabriel, um seine Parteimitglieder von der Großen Koalition mit der Union zu überzeugen, ging ziemlich in die Hose. Aus einem Interview im "heute journal" mit ZDF-Moderatorin Marietta Slomka machte der genervte SPD-Chef ein verbales Gezänk; die Frage nach rechtlichen Bedenken zum SPD-Mitgliederentscheid bezeichnete er als "Quatsch".

Dabei war die Frage berechtigt; diese Bedenken gibt es unter Verfassungsrechtlern durchaus. Unter anderem hatte der Leipziger Staatsrechtler Christoph Degenhart im "Handelsblatt" bezweifelt, dass es legitim ist, wenn 475.000 Parteimitglieder über eine Koalition entscheiden, die aufgrund eines millionenstarken Wahlergebnisses am Entstehen ist.

Im "heute journal" griff Slomka diese Zweifel auf und fragte Gabriel, ob er sich vorab verfassungsrechtliche Gedanken über den Basis-Entscheid gemacht habe, sagte Gabriel: "Nee, weil es ja auch Blödsinn ist." Das war der Höhepunkt des heftigen Wortgefechts - die komplette Sendung können Sie hier sehen.

Von Beginn an zeigte sich Gabriel bei dem Live-Interview sehr dünnhäutig. Gerade hatte er am Abend die erste der SPD-Regionalkonferenzen, auf denen er die Basis vom schwarz-roten Koalitionsvertrag überzeugen will, hinter sich gebracht - nämlich die in Hessen, da reagierte er von Beginn an auf die Fragen aggressiv.

Eine "fröhliche Veranstaltung"

Slomkas Frage nach der fehlenden Zustimmung in der SPD zur Großen Koalition begegnete Gabriel offensiv: "Dann müssen Sie hier eben nicht zugehört haben, wenn Sie diese Meinung haben. Das hat man vielleicht in Mainz nicht hören können." Die Debatte mit den Mitgliedern in Hessen sei eine "fröhliche Veranstaltung" gewesen.

Beide fielen sich danach gegenseitig ins Wort, ein sachliches Gespräch wurde zunehmend unmöglich. "Wieso soll eigentlich direkte Demokratie in einer Partei verboten sein?", fragte Gabriel. "Den Verfassungsrechtler, der sowas behauptet, den würde ich gerne mal kennenlernen." In der CDU entscheide nur der Vorstand, führte der SPD-Chef an: "Dann entscheiden ja noch weniger Menschen über das Schicksal der deutschen Demokratie. Seien Sie mir nicht böse, Frau Slomka, aber ich kann die Argumente nicht wirklich ernst nehmen."

Auch die Frage, ob die SPD-Basis ihren Abgeordneten jetzt vorschreibe, wie sie abzustimmen haben, und ihnen damit die Wahlfreiheit nehme, bügelte Gabriel ab: "Das ist völlig falsch, was Sie sagen." Nachdem sie sich gegenseitig mehrmals ins Wort gefallen waren, sagte Gabriel zu Slomka: "Tun Sie mir einen Gefallen: Lassen Sie uns den Quatsch beenden."

"Besondere Form der Argumentation"

Slomka, die ebenfalls zunehmend gereizt wirkte bezeichnete schließlich den Begriff "Quatsch" als "eine besondere Form der Argumentation". Gabriel seinerseits kritisierte nun offen Slomkas Interviewführung: "Das wird ja nicht besser, Frau Slomka, wenn wir uns gegenseitig so behandeln." Dann legte er nach: "Es ist nicht das erste Mal, dass Sie in Interviews mit Sozialdemokraten nichts anderes versuchen, als uns das Wort im Mund umzudrehen."

Da musste sogar Marietta Slomka einmal kurz durchatmen: "Herr Gabriel, Sie werden mir jetzt bitte nichts unterstellen!" Nachdem der SPD-Chef noch süffisant verkündete, man müsse ja nicht immer einer Meinung sein, beendet Slomka den Schlagabtausch: "Herr Gabriel, danke für das Gespräch." Der lächelte gequält. Als er schon aus dem Bild ist, ertönte ein spitzes "Bitte!"

Dass ihm dieser Fernsehauftritt geschadet haben könnte, wird der SPD-Chef nicht glauben: Durch den SPD-Basisentscheid werde etwas ganz anderes passieren, glaubt Gabriel: "Was die SPD jetzt macht, das wird nicht nur gut gehen, sondern es wird Schule machen."


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