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Sachsen: Neonazis ritzen junger Frau Hakenkreuz in die Haut

Sächsische Polizei fahndet nach vier Tätern  

Neonazis ritzen 17-Jähriger Hakenkreuz in die Haut

23.11.2007, 15:53 Uhr | Von Erik Nebel, dpa

Phantombilder von zwei der vier gesuchten Männer (Quelle: ddp) Es war der Samstag vor drei Wochen. Der Supermarkt in der sächsischen Kleinstadt Mittweida war an jenem 3. November schon geschlossen. Doch auf dem Parkplatz davor pöbelten vier Neonazis in den Abendstunden ein sechsjähriges Mädchen aus einer Aussiedlerfamilie an. Als eine junge Frau dem Kind zur Hilfe kommen wollte, gingen die Rechtsextremisten auf sie los: Die Bande ritzte der 17-Jährigen ein Hakenkreuz in die Haut. Schlimmeres konnte die junge Frau nur verhindern, weil sie sich heftig wehrte.

Polizei sucht Zeugen
Dass es solange dauerte, bis die Tat bekannt wurde, hat seine Gründe: Die 17-Jährige zeigte das Geschehen erst mit neun Tagen Verspätung an, nachdem sie sich ihrer Mutter anvertraut hatte. Polizei und Staatsanwaltschaft halten die Angaben der jungen Frau und des Kindes für glaubhaft. Aber die Ermittler warteten bis Freitag, bevor sie an die Öffentlichkeit gingen. Jetzt werden Zeugen gesucht. Anwohnern, die auf Balkonen standen, sollen die Tat - so das Opfer - beobachtet haben. Bislang meldete sich jedoch niemand.


Mädchen konnte Schlimmeres verhindern
Das sechsjährige Mädchen weinte bereits, als die Jugendliche einschritt. Die vier glatzköpfigen Männer ließen dann von dem Kind ab, stürzten sich auf die 17-Jährige und rissen sie zu Boden. Drei hielten sie fest, der vierte Täter ritzte ihr das Nazi-Symbol im Hüftbereich in die Haut. Die Männer versuchten danach noch, der Jugendlichen mit einem "skalpellartigen Gegenstand" eine SS-Rune ins Gesicht zu stechen. Das scheiterte jedoch an der heftigen Gegenwehr der 17-Jährigen.


Verdächtiger auf freiem Fuß
Ein Tatverdächtiger wurde bereits ermittelt. Bei der Durchsuchung seines Zimmers in der Wohnung der Eltern fanden die Beamten unter anderem mit Sand gefüllte Lederhandschuhe und einen Anstecker der verbotenen Neonazi-Kameradschaft "Sturm 34". Der Mann ist jedoch weiter auf freiem Fuß: Nach Ansicht des Amtsgerichts Chemnitz ist der Tatverdacht nicht ausreichend nachgewiesen. Es lehnte den Antrag auf Untersuchungshaft ab.


Neonazi-Kameradschaft verboten
Nun wird mit Phantombildern nach den Tätern gesucht. Sie sollen zwischen 20 und 25 Jahren alt sein. Zwei von ihnen trugen Jacken mit der Aufschrift "NSDAP", einer hatte Runen auf die Finger tätowiert. In der 16.000-Einwohner-Stadt Mittweida sind Übergriffe mit rechtsextremem und ausländerfeindlichem Hintergrund keine Seltenheit. Im April reagierte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo und verbot die Kameradschaft "Sturm 34". Seither war es in der Region relativ ruhig. Viele Mitglieder der Organisation warten noch auf ein Gerichtsverfahren.


"Solche Fehler dürfen nicht passieren"
Mittweidas Bürgermeister Matthias Damm kritisierte angesichts des Vorfalls den schleppenden Fortgang der Verfahren: "Stadt, Landkreis, Polizei und Innenministerium sehen Rechtsextremismus als das große Problem bei uns an - nur die Justiz setzt keine Prioritäten." Dabei hat er das Verfahren gegen den mutmaßlichen Rädelsführer der Kameradschaft im Blick: Zunächst sei die Ladung des Angeklagten im Gefängnis verschlampt worden. Dann habe sich herausgestellt, dass ein Großteil der Taten am falschen Gericht angeklagt worden sei. "Solche Fehler dürfen in einem solchen Fall einfach nicht passieren."


"Es ist eine Schande"
Zudem beklagte der CDU-Politiker mangelnde Zivilcourage der Bürger seiner Stadt: "Es ist eine Schande, wenn Menschen in einem solchen Fall wegschauen." Dafür habe er kein Verständnis. Er ermahnte die mutmaßlichen Zeugen zur gleichen Courage, die die 17-Jährige gezeigt habe.


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