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"Gelebte Integration": 26-Meter-Minarette stören in Rendsburg keinen

"Gelebte Integration"  

26-Meter-Minarette stören in Rendsburg keinen

19.02.2008, 11:20 Uhr | Von Georg Ismar, dpa

Ein Bild wie aus Tausendundeiner Nacht: Die Moschee im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf bei Rendsburg.Ein Bild wie aus Tausendundeiner Nacht: Die Moschee im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf bei Rendsburg. Zwei 26 Meter hohe Minarette thronen über dem beschaulichen 30.000 Einwohner-Städtchen Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal - aber niemanden stört das. Während in Köln ein kommunaler Kulturkampf um den Moscheebau im Stadtteil Ehrenfeld tobt und eine rechtsextreme Gruppierung zur Anti-Islam-Front aufruft, laufen beim Rendsburger Bürgermeister Andreas Breitner wegen des Moschee-Neubaus keine Telefone heiß. Keine Anrufer, die den Untergang des Abendlandes kommen sehen. Auch die Diskussion nach der Rede des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln, der eine Assimilierung der Türken in Deutschland als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet hatte, sieht man hier recht gelassen.

"Wir sind gelassen und weltoffen"

"Bei uns herrscht gelebte Integration, wir unterscheiden nicht zwischen Deutschen und Ausländern", sagt Bürgermeister Breitner, der zugleich stellvertretender SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein ist. Aufregung komme, wenn überhaupt, von außen, lediglich ein paar "fundamentalistische Christen" aus Hamburg hätten sich nach Medienberichten über den komplikationslosen Gotteshausbau empört gezeigt. "Wir sind gelassen und weltoffen", sagt der 40-Jährige.

Ein Bau wie aus Tausendundeiner Nacht

Bei herrlichem Wintersonnenschein werkeln Arbeiter an dem Bau mit der prachtvollen Kuppel, die einen Durchmesser von fast neun Metern hat. Der wie aus Tausendundeiner Nacht wirkende Bau aus gelbem und weißem Stein ist noch nicht ganz fertig. 1,2 Millionen Euro wurden hier seit 1998 verbaut. "Wir haben das Geld europaweit erbettelt", sagt Ahmet Yazici, stellvertretender Vorsitzender des Bündnisses islamischer Gemeinden im Norden. Er hat das 3000 Quadratmeter große Grundstück gekauft. Die Arbeiten erledigen Mitglieder des Islamischen Zentrums, Ende 2008 soll die Großmoschee fertig sein. Ein Muezzin wird aber nicht zum Gebet rufen, dafür sind die Minarette ungeeignet - und das wäre wohl auch für die toleranten Rendsburger ein bisschen zu viel des Guten.

Die meisten Moscheen stehen in NRW

Bundesweit können die rund 3,3 Millionen in Deutschland lebenden Muslime nach Angaben des Zentralinstituts Islam-Archiv-Deutschland derzeit rund 160 klassische Moscheen und mehr als 2600 Gebetshäuser besuchen. Das Bundesland mit den meisten islamischen Gotteshäusern ist Nordrhein-Westfalen mit rund 25 Moscheen. Wie in Rendsburg gibt es bundesweit die Tendenz, Behelfsgotteshäuser durch repräsentative Moschee-Bauten zu ersetzen - das löst fast überall heftige Kontroversen und Integrationsdebatten aus.

Keine abgeschotteten Milieus

Wie immer Erdogan auch den Begriff Assimilierung gemeint hat, in Rendsburg tauchen Probleme auf, die Köln, Berlin oder Hamburg gerne hätten. "Kaum einer unserer jungen Leute kann noch türkisch", sagt Yazici, "deshalb müssen wir wieder Türkisch-Kurse anbieten." Wenn der 43-Jährige die Moschee besucht, muss er mit den muslimischen Jugendlichen deutsch sprechen. Hier gebe es keine abgeschotteten Milieus. Die 1978 gegründete islamische Gemeinde ist eine der ältesten in Norddeutschland. "Wir bieten in unserer Gemeinde für die jungen Leute auch Kurse zur Gewalt-, Kriminalitäts- und Rauschgiftprävention an", berichtet Yazici.

"Die Moschee passt gut zu unserer Stadt"

Zur Grundsteinlegung der Moschee kamen auch Vertreter der katholischen und evangelischen Gemeinde. "Hier ist nichts anonym, man begegnet sich beim Einkaufen, im Sportverein oder beim Stadtfest", sagt Yazici. Bürgermeister Breitner hat keine Erklärung, warum seine Stadt so aus dem Rahmen fällt, aber er betont, dass die Moschee seit zehn Jahren gebaut werde. "Dadurch konnten sich die Bürger daran gewöhnen." 2600 Ausländer leben hier, davon 1500 Muslime. Klar gebe es Jugendliche aus Migrantenfamilien, "die keinen Arbeitsplatz haben und Frust schieben". Aber das Zusammenleben klappe. "Die Moschee passt zu unserer Stadt. Ich finde es gut, wenn sich nicht alles im Hinterhof abspielt, sondern offen und transparent ist."

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