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Jugendkriminalität: Ausländische Jugendliche werden häufiger straffällig

Gewalt unter Jugendlichen  

Zuwanderer werden häufiger straffällig

16.11.2006, 14:30 Uhr | dpa

BKA-Präsident Jörg Ziercke hat sich entschlossen, Klartext zu reden: Ausländische Jugendliche sind vier Mal häufiger in Raubstraftaten verwickelt als ihre deutschen Altersgenossen. Noch dreimal häufiger fallen sie in den Polizeistatistiken mit Gewalttaten auf. Die Polizeiexperten bei der am Donnerstag zu Ende gegangenen BKA-Herbsttagung versuchen die gesellschaftlichen Hintergründe der Statistik zu beleuchten.

Sicherheitsbericht

Junge Türken sind erst Opfer, dann Täter
Kriminologe Christian Pfeiffer aus Hannover grenzt die Problemgruppe auf der Tagung noch stärker ein: "Das Problem sind die jungen Türken." Bei seiner Langzeitstudie zu Jugendgewalt in elf deutschen Großstädten hat er etwa in Stuttgart festgestellt, dass dort die Türken 12,7 Prozent der Befragten, 14,4 Prozent der Opfer, aber 44,3 Prozent der Täter stellten. Häufiger als alle anderen seien sie zuvor Opfer schwerer innerfamiliärer Gewalt geworden: 33,1 Prozent wurden als Kind körperlich gezüchtigt. Und sie akzeptieren Gewalt als Teil von Männlichkeit, identifizieren sich mit einer Macho-Kultur - auch in Abgrenzung zu anderen jungen Einwanderern.

Lebensstil aus dem Ausland importiert
Daran wird sich so schnell nichts ändern, fürchtet die Buchautorin und Sozialwissenschaftlerin türkischer Herkunft, Necla Kelek. Ein wichtiger Grund seien die zahlreichen jungen Mädchen, die von den traditionsverhafteten Familien als Bräute aus der Türkei importiert werden. Den dort erlernten Lebensstil geben sie an ihre Kinder weiter. "Sie können kaum etwas zur Integration ihrer Kinder beitragen, die dann erst in der Schule erstmals mit Deutschen zusammenkommen." Hierbei handele es sich um legale Einwanderung, die dennoch zum Scheitern verurteilt sei.



Pädagoge fordert Teilnahme am Schwimm- und Sexualunterricht
Wie Kelek plädiert der Münchner Pädagoge Ahmet Toprak für eine allgemeine Kindergartenpflicht und eine unnachgiebigere Linie der staatlichen Einrichtungen gegenüber den Muslimen. So müssten die Kinder verbindlich am Schwimm- und Sexualunterricht teilnehmen. "Das muss Pflicht werden, es kann nicht sein, dass besondere Bereiche ausgeklammert werden wegen einer kulturellen Besonderheit." Pfeiffer verlangt bessere Schulen mit sinnvollen Angeboten am Nachmittag, um insbesondere die Jungen von gewalttätigen Medieninhalten fernzuhalten.

Migranten stellen bald die Mehrheit der Jugend
Ein Einwanderungsstopp kann das Problem nicht lösen. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erinnerte daran, dass es derzeit so wenig Einwanderung nach Deutschland gibt wie seit langen Jahren nicht mehr. Hauptaufgabe sei daher die Integration der hier bereits lebenden Einwanderer und nicht die Abwehr einer "gefühlten Migration". Nach jüngsten Erhebungen hat fast jeder fünfte Mensch in Deutschland einen so genannten Migrationshintergrund, bei den unter 20-Jährigen werden diese bald die Mehrheit stellen.

Abschottung fördert Subkulturen
Geringere Bildungs- und Lebenschancen, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung, Gewalt in den Familien: Das alles sind Bedingungen, die nicht nur nach Meinung des BKA-Chefs zu einer weiteren Abschottung der in Deutschland lebenden Ausländer führen könnten. Dauerhaft soziale Benachteiligung führt nach Einschätzung der Experten zu Subkulturen mit eigenen Normen und Wertvorstellungen, deren junge Mitglieder sicher mehr Straftaten und unter Umständen auch terroristische Anschläge verüben könnten.

Zuwanderer tauchen nicht in Opferstatistik auf
Ausländer sind nicht nur Täter. Für das BKA liegt auf der Hand, dass sie auch häufig Opfer von Kriminalität - speziell von Rechtsextremen - werden. Dieser Zusammenhang lässt sich in den Opferstatistiken aber nicht nachweisen. Dort wird nur nach In- und Ausländern, nicht aber nach der auf der Straße viel wichtigeren Haut- und Haarfarbe unterschieden. Ziercke bedauert zusätzlich den Mangel an wissenschaftlichen Studien über Beispiele gelungener Integration.

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