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Schleswig-Holstein: Neuer Kopftuch-Streit vorprogrammiert

Referendarin in Schleswig-Holstein  

Neuer Kopftuch-Streit vorprogrammiert

05.02.2006, 14:00 Uhr | Wolfgang Schmidt, dpa, t-online.de

Der jahrelange Streit um das Tragen von Kopftüchern in der Schule könnte in eine neue Runde gehen. Nachdem in Baden-Württemberg die muslimische Lehrerin Fereshta Ludin scheiterte, gibt es nun einen neuen Fall in Schleswig-Holstein. Dort will eine Referendarin mit Kopftuch vor die Schüler treten, obwohl sie vom drohenden Verbot weiß. Sie nimmt am Montag in der Realschule von Schacht-Audorf bei Rendsburg den Dienst auf.

Deutsch auf dem Schulhof Mehrheit dafür

In Bundesländern unterschiedlich geregelt
Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) erarbeitet derzeit ein Gesetz, das ab dem nächsten Jahr Lehrern das Tragen religiöser Symbole an Schulen untersagt. Die meisten Bundesländer regeln dies bereits so oder planen es. "Nur Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen sehen keinen Handlungsbedarf", sagt Erdsiek-Rave, die zurzeit auch Vorsitzende der Kultusministerkonferenz ist.


Politiker ungewohnt einig
Erdsiek-Rave kann mit der Rückendeckung des Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) sowie der Regierungsfraktionen von CDU und SPD rechnen. Sie will ihre Pläne vor allem mit der Neutralitätspflicht der Schulen begründen. Ansonsten ist das Meinungsbild bunt schillernd: Die Nordelbische Evangelische Kirche ist uneins, die Lehrergewerkschaft GEW pflichtet der Ministerin bei. Die Türkische Gemeinde rät der Referendarin überraschend eindeutig, das Kopftuch nicht zu tragen. Der Ausländerbeauftragte Wulf Jöhnk ist dezidiert gegen ein Verbot.

Freie Berufswahl in Gefahr?
Der einstige Gerichtspräsident Jöhnk sieht in einem Kopftuchverbot die Gefahr des Eingriffs in das Grundrecht auf freie Berufswahl. Das Verbieten islamischer Symbole im Gegensatz zum erlaubten Tragen christlicher Symbole könne viele Muslime empfinden lassen, sie seien in Deutschland nicht erwünscht und sollten zumindest im Blick auf den Lehrerberuf ausgegrenzt werden. Nach Ansicht des Ausländerbeauftragten ist eine religiöse Neutralität ohnehin nicht gegeben: In den Schulen würden auch außerhalb des Religionsunterrichts einseitig religiöse - christliche - Feste vorbereitet und thematisiert. So werde auch der Schulraum entsprechend ausgeschmückt.

"Wir haben hier kein Problem"
Unterdessen ist in Schacht-Audorf Rektor Dieter Backhaus spürbar genervt vom Medienrummel um seine neue Referendarin, mit der er bisher nur ein kurzes Kennenlerngespräch geführt hat. Erst in einigen Wochen mag er sich ein Urteil bilden über die angehende Lehrerin und die Reaktion der Schüler. "Etwas sehr aufgeregt" gehe die Presse mit dem Thema um, findet Backhaus und betont: "Wir haben hier kein Problem." Zunächst einmal wird die Referendarin, die Französisch und Mathematik unterrichten soll, hospitieren. In welcher Klasse sie dann unterrichten wird, steht noch nicht fest. "Bevor die junge Referendarin in eine Klasse hineingeht, wird die Klasse darauf vorbereitet", sagt der Rektor.

Ministerin warnt vor Ausgrenzung
Die Bildungsministerin in Kiel sorgt sich indes um mögliche Negativ-Folgen, die aus dem ganzen aktuellen Themen-Komplex Islam - vom Anti-Terror-Kampf über Geiselnahmen und Deutsch-Pflicht an Schulen bis hin zur Kopftuch-Kontroverse - resultieren könnten. Erdsiek-Rave warnt vor anti-muslimischen Haltungen: Es gehe um Integration; Menschen dürften nicht diskriminiert und ausgegrenzt werden. "Diese Gefahr sehe ich Moment", sagt die SPD-Politikerin. "Deshalb bin ich auch nicht sehr glücklich, dass unsere gesetzliche Regelung mit einem Einzelfall verknüpft und eingereiht wird in eine gefährliche Debatte."

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