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Fall Uwe Barschel: Mord wegen eines U-Boot-Deals?

Mysteriöser Tod vor 20 Jahren  

Starb Barschel wegen eines U-Boot-Deals?

12.09.2007, 13:22 Uhr

War es doch Mord? Knapp 20 Jahre nach dem mysteriösen Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel häufen sich Publikationen, die der ungeklärten Todesursache nachgehen. Der "Stern" berichtet von "neuen Spuren", die auf einen Mord durch Waffenhändler hinweisen. Auch in einer NDR-Dokumentation wurden Zweifel an der Selbstmordtheorie laut. Barschel war im September 1987 zurückgetreten und wurde am 11. Oktober des Jahres tot in einer Badewanne des Genfer Hotels "Beau Rivage" gefunden.

Verstoß gegen UN-Resolution
Der "Stern" stützt sich in seinem Bericht auf das jetzt erscheinende Buch "Der Fall Barschel. Ein tödliches Doppelspiel", verfasst von zwei ehemaligen Redakteuren des Magazins. Demnach stehe der mysteriöse Tod im Zusammenhang mit einer geplatzten Lieferung von U-Booten der HDW-Werft in Kiel nach Südafrika. Barschel habe das Geschäft befürwortet, um den drohenden Konkurs der Werft abzuwenden. Der Deal verstieß allerdings gegen ein UN-Embargo.

Foto-Serie


Schmiergeld in illegalen CDU-Kassen?
In der Anbahnungsphase dieses U-Boot-Deals sollen hohe Schmiergeldzahlungen auf ausländische CDU-Konten geflossen sein, zitiert das Magazin die beiden Buchautoren Rudolf Lambrecht und Leo Müller. Der damalige Parteichef Helmut Kohl und sein Schatzmeister Walter Leisler Kiep hätten dazu nicht Stellung nehmen wollen. Mit dem Deal vertraute Informanten hätten allerdings erklärt, dass Barschel sich persönlich in das U-Boot-Geschäft eingeschaltet und sich für die korrekte Abwicklung verbürgt habe. Von den Geldzahlungen habe er in seinen Wahlkämpfen profitiert. Als das U-Boot-Geschäft platzte, sei Barschel in Genf dafür zur Verantwortung gezogen worden. "Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn sprach von einer "plausiblen Erklärung dafür, warum Uwe Barschel nach seinem Sturz zu einem 'Sicherheitsrisiko' für hochrangige Waffenhändler wurde und deswegen höchstwahrscheinlich zum Schweigen gebracht werden musste".

Wusste Barschel zu viel?
Das ist allerdings nicht die einzige Waffenhändler-Theorie im Fall Barschel. Der Journalist Wolfram Baentsch zieht in seinem Buch "Der Doppelmord an Uwe Barschel" eine Verbindung zu einem Rüstungsdeal zwischen Israel und dem Iran, der über Schleswig-Holstein abgewickelt worden sein soll. Politiker der Vorgängerregierung unter Gerhard Stoltenberg hätten Barschel darüber nicht informiert, dieser habe aber dennoch davon erfahren und sich am 12. Oktober 1987 im Kieler Untersuchungsausschuss dazu äußern wollen. Das hätten die Hintermänner des Waffengeschäfts durch den Mord einen Tag zuvor verhindert, so die Theorie. Auch die Familie des Toten ist davon überzeugt, dass Barschel sterben musste, weil er zu viel wusste.

Oder war es Sterbehilfe?
Dagegen geht der NDR in seiner Dokumentation "Der Tod des Uwe Barschel - Skandal ohne Ende" einer völlig anderen These nach: Als plausibelste Variante stufen die Autoren Sterbehilfe ein. Der Film, der am 17. September ausgestrahlt wird, widmet sich Fakten, Argumenten und Schlüssigkeitsüberlegungen, die für oder gegen Mord oder Selbstmord sprechen. Nach Autorenansicht sind Aspekte wie Sterbehilfe, Medikamentenmissbrauch aber auch Kontakte zu Waffenhändlern bislang nicht ausreichend recherchiert. Der nach einem Skandal zurückgetretene Barschel war im Oktober 1987 an einer Medikamentenvergiftung gestorben.

Umtriebiger Referent
Barschels Tod vorausgegangen war ein Skandal um schmutzige Aktionen, die der Referent Reiner Pfeiffer aus Barschels Staatskanzlei gegen den damaligen SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm geführt hatte. Dazu gehörten eine anonyme Steueranzeige gegen Engholm, fingierter AIDS-Verdacht und eine Bespitzelung. Als dies aufflog, beteuerte Barschel seine Unschuld, trat unter starkem Druck aber zurück. Damals stand er weithin als Mitwisser und gar Urheber von Pfeiffers Tricks da. Politisch war Barschels Lage damals aussichtslos. So erschien ein Selbstmord vielen schlüssig. In jahrelangen Ermittlungen konnte aber nie bewiesen werden, ob der CDU-Politiker getötet wurde oder sich das Leben nahm.

"Es tut nur leid!"
Pfeiffer sagte jetzt der "Bild"-Zeitung, er bedauere, dass er Barschel damals an SPD und "Spiegel" verraten habe. "Es tut mir leid! Wenn ich gewusst hätte, dass dabei ein Mensch, ein Vater von vier Kindern, zu Tode kommen würde, hätte ich es mit Sicherheit nicht gemacht." Pfeiffer bekräftigte aber seine Angaben aus dem Affärenjahr 1987: "Ich habe alles im Auftrag von Ministerpräsident Uwe Barschel gemacht." #


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