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Jugendkriminalität: Drei von fünf Jugendlichen begehen Straftaten

Studie zur Kriminalität  

Drei von fünf Jugendlichen begehen Straftaten

11.09.2008, 20:14 Uhr | dpa

Schwere Kriminalität macht nur knapp ein Drittel der Straftaten aus (Quelle: imago images)Schwere Kriminalität macht nur knapp ein Drittel der Straftaten aus (Quelle: imago images) Drei von fünf Jugendlichen begehen einer Langzeitstudie zufolge mindestens eine Straftat vor dem Erwachsenwerden. Der Wert liege um ein Mehrfaches höher als die bisher bekannten Zahlen zu registrierten Straftaten. Wissenschaftler der Universitäten Münster und Bielefeld hatten in der sogenannten Dunkelfeldstudie seit dem Jahr 2002 in Duisburg jährlich wiederkehrend 3400 Jugendliche zu ihrem Kriminalitätsverhalten befragt, teilten die Universitäten am Donnerstag mit.



Ähnlich großangelegte Studien zum Dunkelfeld der Jugendkriminalität gebe es in Deutschland bisher nicht, sagten die Forscher. Die hohe Zahl sei nicht in allen Belangen besorgniserregend. Schwere Kriminalität - etwa Handyraub mit Waffengewalt oder Körperverletzung - mache mit knapp einem Drittel den geringeren Teil der Straftaten aus. Wesentlich häufiger seien kleinere Diebstähle.



Intensivtäter sind das Problem

"In der Jugendphase sind leichte und mittlere Straftaten nicht ungewöhnlich", sagte Jost Reinecke, Professor an der Uni Bielefeld. Bei den meisten Jugendlichen gehe es um das Ausprobieren von Grenzen. Sie lernten dadurch die Geltung von Regeln und Normen. Im Altersverlauf gehe die Kriminalität nach einem steilen Anstieg gegen Ende des Kindesalters auch schon während der Jugend wieder deutlich zurück. Ein Problem seien allerdings Intensivtäter. Die Gruppe sei mit fünf Prozent aller Befragten zwar klein, begehe aber mehr als die Hälfte aller Taten.

Kriminelle Entwicklung lässt sich bremsen

"Rechtzeitig erfolgende und pädagogisch bewährte Maßnahmen durch das soziale Umfeld, die Jugendhilfe und die Justiz haben hier die größte Chance, eine delinquente Entwicklung zu bremsen", sagte Reinecke. Wichtig seien beispielsweise ein Täter-Opfer-Ausgleich, der Aufbau eines Rechtsbewusstseins und soziale Bindungen neu zu gestalten.



Rauschmittel führen zu Gewalt

Alkohol, Drogen und Gewaltverbrechen liegen auch nach der Duisburger Studie eng beieinander. Je mehr Rauschmittel desto häufiger auch Gewalt, fasst der Münsteraner Kriminologe Klaus Boers zusammen. Allerdings werde der Alkoholkonsum mit steigendem Alter besser beherrscht. Schon ab 15 zeige die Kurve Alkohol plus Gewalt nach unten.



Ausländer nicht krimineller

Ausländische Jugendliche fallen in der Studie nicht mehr auf als deutsche. Lediglich bei der Gewaltkriminalität liege die Rate leicht über der deutscher Jugendlicher. Bei anderen Kriminalitätskategorien liegen ausländische Jugendliche dagegen deutlich unter den Vergleichswerten deutscher Altersgenossen. Grund seien das stärkere Festhalten an traditionellen Werten, die Religiosität und der geringere Alkoholkonsum, sagte Boers. Bei allen Tätergruppen blieb schwere Kriminalität häufig unaufgeklärt, wenn Täter und Opfer sich gut kannten. Opfer täten sich dann schwerer, die Täter anzuzeigen.



"Mädchen werden häufiger laufengelassen"

Offizielle Kriminalitätsstatistiken legen nach den Ergebnissen der Studie mitunter falsche Schlussfolgerungen nahe. Beispielsweise würden erwischte Mädchen sechs Mal seltener angezeigt als Jungen, und Ausländer mehr als Deutsche. "Mädchen werden häufiger laufengelassen", sagte Boers. Befragt wurden in den vergangenen Jahren junge Menschen zwischen dem 13. und inzwischen 19. Lebensjahr. Die mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) betriebene Studie soll bis zum 30. Lebensjahr der Befragten fortgesetzt werden.

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