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Köln: Tumulte zum Auftakt von Anti-Islam-Gipfel

Rechten-Kongress in Köln  

Tumulte zum Auftakt von Anti-Islam-Gipfel

23.09.2008, 11:15 Uhr | AFP

Polizisten warten auf ihren Einsatz in Köln (Quelle: Reuters)Polizisten warten auf ihren Einsatz in Köln (Quelle: Reuters) Mit Steinwürfen linker Gegendemonstranten und Rangeleien hat am Freitag in Köln ein Rechtsradikalen-Kongress gegen Moscheebauten und die angebliche Gefahr einer "Islamisierung" begonnen. Vor dem vom Kongressveranstalter "Pro Köln" kurzfristig als Treffpunkt bekanntgegebenen Rathaus im Stadtteil Rodenkirchen wurden Mitglieder der rechten Gruppierung mit Pfiffen und Farbbeutelwürfen empfangen.

Ein Rheinschiff, auf dem "Pro Köln" eine Pressekonferenz abhalten wollte, bewarfen die Demonstranten mit Steinen. Laut Polizei wurden sechs Linke und ein Rechter festgenommen. Politiker demokratischer Parteien verurteilten den Kongress.

Studie Vorbehalte gegen Muslime

Steinwürfe auf Rheinschiff

Die linken Gegendemonstranten vor dem Rodenkirchener Bezirksrathaus trugen Plakate wie "Nazikongress verhindern - Pro Köln stoppen" und "Nazis bekämpfen". Unter Sprechchören "Haut ab, haut ab" wurden "Pro Köln"-Vertreter zeitweise körperlich angegriffen. Polizisten bildeten Absperrungen, um die Kontrahenten zu trennen. Bei den Steinwürfen auf das Rheinschiff "Moby Dick" an der benachbarten Anlegestelle in Rodenkirchen gingen laut Polizei mehrere Scheiben zu Bruch.

"Pro Köln" gegen Moschee in Ehrenfeld

In Köln waren für Freitag insgesamt zwölf Gegenveranstaltungen zu dem so genannten "Anti-Islamisierungskongress" angemeldet, zu dem "Pro Köln" zufolge rechte Politiker aus mehreren europäischen Staaten angereist sind, darunter aus Belgien und Österreich. Vor der alten Moschee der Türkisch-Islamischen Union DITIB im Kölner Stadtteil Ehrenfeld bildeten mehrere hundert Menschen am Mittag eine Menschenkette, in die sich auch Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet von der CDU einreihte. Die DITIB will in Ehrenfeld eine repräsentative neue Moschee bauen, gegen die "Pro Köln" seit Monaten agitiert.

"Werden alles tun, um Gewalt zu verhindern"

Laschet nannte den Widerstand des bürgerlichen Lagers gegen den "Pro Köln"-Kongress "beeindruckend". Die Teilnehmer der Menschenkette, darunter Anwohner, Kölner Kommunalpolitiker und DITIB-Vertreter, machten deutlich, dass Köln "nicht zum Treffpunkt europäischer Rechtsextremisten" werden solle, sagte Laschet. Kölns Polizeipräsident Klaus Steffenhagen sagte mit Blick auf die Zwischenfälle in Rodenkirchen, bei großen Protestveranstaltungen wie während des zweitägigen "Pro-Köln"-Kongresses gebe es erfahrungsgemäß auch "Leute, die Gewalt anwenden". "Wir werden alles tun, um Gewalt zu verhindern", sagte er.

Kundgebung und Demos für Samstag geplant

Für Samstag kündigten die Rechtspopulisten eine Kundgebung mit bis zu 1500 Teilnehmern auf dem zentralen Kölner Heumarkt an. Dagegen wollen zeitgleich mehrere zehntausend Menschen in der City demonstrieren. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot von bis zu 3000 Beamten im Einsatz.

"Kein Platz für Rechtsradikale"

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, kritisierte den Kongress scharf. "In unserem Land ist kein Platz für Rechtsradikale und Gruppierungen, denen es unter dem Deckmäntelchen einer Bürgerbewegung nur darum geht, Minderheiten zu diskriminieren", sagt die CDU-Politikerin. Die Religionsbeauftragte der Unionsfraktion, Ingrid Fischbach, nannte den Kongress "desaströs". Die "rechte Stimmungsmache in Köln" konterkariere den respektvollen Dialog zwischen Religionen und Nationalitäten.

"Pauschale Verdammungen fehl am Platz"

Auch der Religionsbeauftragte der FDP-Fraktion, Hans-Michael Goldmann, erklärte, Veranstaltungen dieser Art seien "ein falscher Weg". "Pauschale Verdammungen einer ganzen Weltreligion, der alleine in der EU fast 16 Millionen Menschen angehören, sind fehl am Platz." Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck kritisierte, der "Anti-Islam-Gipfel" versuche, "Köln um seinen Ruf als weltoffene Stadt zu bringen".


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