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Conterganopfer im Hungerstreik: Pharmahersteller Grünenthal soll Millionen zahlen

Eine Million Euro pro Person von Grünenthal gefordert  

Conterganopfer im Hungerstreik

22.09.2008, 20:07 Uhr | Von Elke Silberer, dpa

Bernhard Quiel ist einer der vier Contergan-Opfer im Hungerstreik (Foto: dpa)Bernhard Quiel ist einer der vier Contergan-Opfer im Hungerstreik (Foto: dpa) Seit vier Tagen ist Stephan Nuding im Hungerstreik. Noch quittiert sein Körper den dauerhaften Nahrungsentzug mit kleinen Leiden: Schwäche, leichte Kopfschmerzen, Schwitzen. Der 47-Jährige weiß, dass das erst der Anfang ist. Trotzdem will er so lange weitermachen, bis der Aachener Pharmahersteller Grünenthal und die Bundesregierung einlenken. Mit zwei weiteren Conterganopfern und seiner 79-jährigen Mutter fordert Nuding mit der Aktion deutlich höhere Entschädigungszahlungen.

"Der Hungerstreik ist für uns die letzte Chance, und das ziehen wir durch bis zur letzten Konsequenz", sagt Nuding am Montag. Die Gruppe hat ihr Lager im Gemeindezentrum der evangelischen Andreaskirche in Bergisch Gladbach aufgeschlagen. Das ist jetzt ihr Lebensmittelpunkt, den sie vorerst nicht verlassen werden.

Forderung: Eine Million - pro Opfer

Die vier Aktivisten wollen so lange im Hungerstreik bleiben, bis Grünenthal jedem Opfer eine Million Euro als Entschädigung zahlt. Direkten Kontakt zum Unternehmen nahmen sie allerdings nicht auf. Das Unternehmen erfuhr aus den Medien davon.

Angebot von Grünenthal verärgerte

Unter den 2800 noch lebenden Conterganopfern wurde immer mal wieder ein Hungerstreik diskutiert. Der Anstoß für Nuding kam letztendlich von Grünenthal selbst. Der weltweit agierende Pharmakonzern mit rund 800 Millionen Umsatz hatte im Frühjahr eine freiwillige Zahlung von 50 Millionen Euro insgesamt für die Conterganopfer angekündigt. Anerkennung kam aus der Politik und dem gemäßigten Bundesverband Contergangeschädigter. Doch von Seiten einiger Opfer wurde auch Wut und Enttäuschung laut. Denn zu dem Zeitpunkt hatte die internationale Thalidomid und Contergan Allianz ICTA - ein Opferverband, der für offensiveres Vorgehen bekannt ist - längst eine Million Euro gefordert.

3270 Euro pro Monat und Opfer

"Als mir klar war, dass es Grünenthal mit der lächerlichen Summe bewenden lassen will, war für mich der Punkt erreicht", sagt Nuding. Die Zeit für den Hungerstreik war reif. Auch die Verdoppelung der Opferrenten zum 1. Juli 2008 durch die Bundesregierung waren für ihn eher eine Enttäuschung. Er fordert eine Verdreifachung auf maximal 3270 Euro pro Monat und orientiert sich auch damit an der ICTA. "Von unseren Forderungen werden wir kein Jota abweichen", sagt er.

"Es wird immer einen geben, der sagt, 'es ist nicht genug'"

Die Bundesregierung reagierte bisher nicht unmittelbar auf den Hungerstreik, sondern betonte in einer Erklärung die erreichte Verbesserung der Lebenssituation von Conterganopfern. Grünenthal äußerte sich formal. "Es ist nicht geklärt, wen die Initiative vertritt, in welcher Form sie das tun will und warum sie hierzu von wem legitimiert ist", hieß es in einer schriftlichen Mitteilung. Mit Druck erreichten die vier kein Gespräch. Außerdem könne man den Schaden mit Geld nicht wieder gutmachen, sagte Unternehmenssprecherin Annette Fusenig. "Egal wie hoch die Summe ist: Es wird immer einen Einzelnen geben, der sagt, 'es ist nicht genug' - weil es nicht genug sein kann." Das Unternehmen "nicht in ein Gespräch gehen, das auf Druck zustande kommen soll".


Auf lange Zeit eingestellt

Das alles beirrt die vier Menschen im Gemeindezentrum nicht. Sie haben sich auf eine lange Zeit eingestellt: In zwei Räumen ist ihr Nachtlager aufgeschlagen: Matten, Campingbett, Sofa, Schlafsäcke. Zwei bis dreimal täglich kommt ein Arzt. Ein Bekannter, ebenfalls ein Conterganopfer, ist Pressesprecher - falls sie selbst irgendwann zu schwach sein sollten, um sich mitzuteilen.


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