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Proteste bei Auftritt von Rechtspopulist Wilders

Proteste bei Auftritt von Rechtspopulist Wilders

04.10.2010, 09:47 Uhr | dpa

Begleitet von Protesten hat der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders in Berlin eine antiislamische Rede gehalten und darin auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angegriffen. Der Gründer der in den Niederlanden erfolgreichen Partei für Freiheit (PVV) warnte vor rund 500 zahlenden Anhängern vor einer "Islamisierung Europas". Deutschlands nationale Identität, seine Demokratie und Prosperität seien bedroht durch die politische Ideologie des Islam.

Merkel und die etablierten Parteien akzeptierten diese Islamisierung Deutschlands, sagte der 47-Jährige. Mit abfälligen Bemerkungen über Muslime oder den Propheten Mohammed hielt er sich dieses Mal zurück. Vor der Tür stimmten etwa 80 Wilders-Gegner Sprechchöre wie "Nazis raus" an.

Trittin warnt

Eingeladen war Wilders vom früheren Berliner CDU-Landespolitiker René Stadtkewitz, der vor kurzem die Gründung einer neuen Partei mit dem Namen Die Freiheit angekündigt hat. Wilders' Partei stützt in den Niederlanden künftig möglicherweise eine konservative Minderheitsregierung. Die letzten Abstimmungen darüber laufen.

Der Chef der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, warf Wilders' einen "Affront gegen die weltoffene Tradition Berlins" vor. Dort lebten und arbeiteten Hunderttausende Muslime. "Wir müssen allen Versuchen von eitlen Rechtspopulisten und islamophoben Eiferern Einhalt gebieten, diese Mitbürger auszugrenzen und zu diffamieren", sagte Trittin der Zeitung "Sonntag Aktuell".

Wilders sagte: "Ich spreche über den Islam, nicht über die Muslime." Es gebe zahlreiche moderate Muslime. Der Islam aber sei nicht moderat, sondern auf die gewaltsame weltweite Einführung des islamischen Rechts ausgerichtet. Dieses benachteilige Frauen und schließe Nicht-Muslime aus.

Sarrazin nicht gelesen

Wilders bemühte mehrmals die deutsche Geschichte. Er sprach von einer Bedrohung durch den Islam und verglich dies mit dem Nationalsozialismus und Kommunismus. Die herrschende Klasse nehme diese Gefahr nicht wahr. "Sind wir dabei, die verhängnisvollen Fehler der Weimarer Republik zu wiederholen?"

Die Deutschen sollten historsich gespeiste Schuldgefühle ablegen und Respekt vor sich selbst haben, so Wilders. "Ein Deutschland voller Moscheen und voller verschleierter Frauen ist nicht mehr das Deutschland Schillers und Heines, Bachs und Mendelssohns."

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Der Niederländer lobte Thilo Sarrazin (SPD), dessen Thesen zur mangelnden Integrationsbereitschaft muslimischer Zuwanderer eine heftige Debatte ausgelöst hatten. Das sei ein Anzeichen dafür, dass Deutschland mit sich ins Reine komme. Gelesen hat er das Buch nach eigenem Bekunden aber nicht.

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