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Sarrazin fliegt aus türkischem Restaurant

Sarrazins Kreuzberg-Besuch wird zum Spießrutenlauf

21.07.2011, 15:08 Uhr | t-online.de

Sarrazin fliegt aus türkischem Restaurant. Besuch in Berlin- Kreuzberg: Der SPD-Politiker Thilo Sarrazin war nicht erwünscht (Foto: Reuters)  (Quelle: Reuters)

Besuch in Berlin- Kreuzberg: Der SPD-Politiker Thilo Sarrazin war nicht erwünscht (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)

Thilo Sarrazin wollte mit einem ZDF-Kamerateam einen Spaziergang durch Kreuzberg machen - doch der Besuch in dem Berliner Stadtteil mit 30 Prozent Migrantenanteil geriet offenbar zum Spießrutenlauf. Sarrazin wurde auf offener Straße als Rassist und Nazi beschimpft und aus einem türkischen Restaurant geworfen. Sarrazin: "Ich schlich wie ein geprügelter Hund davon."

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Knapp ein Jahr nach dem Erscheinen seines Buchs "Deutschland schafft sich ab" mit umstrittenen Thesen zum Thema Migranten hat der ehemalige Senator Sarrazin Kreuzberg besucht - für einen Beitrag des ZDF-Magazins "Aspekte". Der Kiez hat 145.000 Einwohner, ein Drittel sind Migranten, davon 22.000 Türken. Sarrazin schreibt in der "Berliner Morgenpost", er habe bisher keine besonderen Anfeindungen auf der Straße erlebt. Doch dieses Mal ist es anders. Er schildert, wie er von einem türkischen Markthändler angebrüllt wird und sich eine Menschentraube bildet.

"Sarrazin raus aus Kreuzberg!"

Daraufhin verlässt er den Markt, wird aber auf seinem Weg von einem Pärchen "offenbar türkischer Herkunft" erkannt, das nach seinen Worten "Sarrazin raus aus Kreuzberg!" brüllt und ihn immer wieder als Rassisten beschimpft. Das Pärchen verfolgt ihn weiter zu einem Treffen mit dem türkischen Geschäftsmann und Self-Made-Millionär Hikmet Kundakci in dessen Restaurant. "Wir begannen ein höfliches Gespräch", schildert Sarrazin, das allerdings durch das Gebrüll des Pärchens durch das offene Fenster gestört worden sei. Um sie herum habe sich eine Menschenmenge gesammelt, die die beiden lautstark unterstützt habe. Ihr Zorn richtet sich inzwischen offenbar auch gegen den Restaurantbesitzer.

Schließlich fragte die Journalistin Güner Balci, die Sarrazin begleitete, ob der 66-Jährige in dem Lokal willkommen sei. Kundakci antwortete nach Sarrazins Worten: "Eigentlich sind Türken sehr gastfreundlich, aber ich glaube, ich kann Sie nicht bedienen." Zur "Bild"-Zeitung sagte der Oberkellner des Restaurants: "Mir wurde die ganze Sache zu heiß, ich bat Herrn Sarrazin, das Lokal zu verlassen." Die Menge applaudierte.

Balci spricht in der "Berliner Morgenpost" von einer grölenden Gruppe, durch die der SPD-Politiker seinen Besuch abbrechen muss, der zuvor gute Gespräche mit Migranten ergeben hätte. Sie kritisiert den "Chor der Empörten", der an keinem Gespräch interessiert sei, für den es nur schwarz und weiß gebe.

"Ich wurde förmlich herausgemobbt"

Auch auf seiner letzten Station, einem Treffen alevitischen Gemeindezentrum, war der Skandal-Autor nicht willkommen. In der "Berliner Morgenpost" zieht Sarrazin sein Fazit: „Ein verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analysen zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt.“

Am Freitag um 23.15 Uhr kann sich jeder seine eigene Meinung machen - dann zeigt das ZDF den Beitrag.

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