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Plagiat-Affären: Professor prüft systematisch Doktorarbeiten von Politikern

Professor prüft systematisch Doktorarbeiten von Politikern

07.08.2011, 09:47 Uhr | Von Fabian Wahl, dapd

Mehrere hundert Politiker hat Uwe Kamenz angeschrieben. Höflich hat der Professor aus Münster sie um ihre Doktorarbeit gebeten, um den Plagiatsaffären ein Ende zu bereiten, wie er sagt. Geantwortet haben die wenigsten. Lediglich 70 der 460 angeschriebenen Abgeordneten und Spitzenpolitiker schrieben zurück, allein sechs schickten dem Wissenschaftler ihre Dissertation.

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Von 1000 deutschen Politikern will der Wissenschaftler die Doktorarbeiten überprüfen, unter anderem von amtierenden Ministern, Bundes-, Landes- und Europapolitiker sowie Politikern außer Dienst. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel steht auf der Liste. Seine Aktion soll wachrütteln, damit die Richtlinien verschärft und auf lange Sicht eine zentrale Prüfstelle für Plagiate errichtet wird. Kamenz' erklärtes Ziel: "Wir wollen Plagiate abschaffen."

Ausweichende Antworten

"Westerwelle hat mir geschrieben, dass ich seine Arbeit im Buchhandel kaufen könne", sagt Kamenz, der an der Fachhochschule Dortmund BWL lehrt und mit seinem Institut für Internet-Marketing in Münster bereits seit Jahren nach Plagiaten sucht. Ein anderer habe ihm direkt einen Kaufpreis von 50 Euro unterbreitet. Wiederum andere hätten verlagsrechtliche Gründe genannt oder ihre Ausarbeitung einfach nicht mehr zur Hand gehabt. "Ausreden", meint Kamenz.

Doch der Boykott schreckt den 54-jährigen Münsteraner und sein kleines Team nicht ab. "Jeder, der plagiiert, wird irgendwann entdeckt", warnt er, spätestens wenn die Arbeiten im Internet stünden. Die ersten 50 Bücher hat sich Kamenz nun über andere Wege besorgt, per Fernleihe aus Deutschlands Bibliotheken. "Selbstverständlich wollen wir alle Toppolitiker haben", sagt Kamenz. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zählt ebenso dazu wie Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Alt-Kanzler Helmut Kohl (beide CDU).

Software entdeckt kritische Stellen

Ganze Bücher lässt Kamenz nun durch einen gesponserten Scanner laufen. Eine Software überfliegt anschließend den Text und schlägt bei verdächtigen Passagen an. "Nach wissenschaftlichen Standards", betont Kamenz. Danach schaue sich ein Fachmann die Stellen genauer an. Fördermittel bekommt er für die akribische Ausdauerleistung nicht.

"Wir gehen davon aus, dass 90 Prozent nicht gemogelt haben", sagt Kamenz. Er fordert, dass die Politik endlich offensiv mit dem Thema umgeht. Ihren Ruf und den der Hochschulen hält er durch die Affären um Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis (beide FDP) unlängst für ruiniert. Kopf einziehen und Abwarten sei keine Lösung, sagt er. "Wir hoffen, dass die Politiker irgendwann nachgeben."

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