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Christian Wulff soll um Sponsorengeld für Eventmanager geworben haben

Wulff soll um Sponsorengeld für Eventmanager geworben haben

03.01.2012, 17:50 Uhr | dapd, dpa

Christian Wulff soll um Sponsorengeld für Eventmanager geworben haben. Christian Wulff und der Eventmanager Manfred Schmidt (l.) (In der Mitte Wulffs Frau Bettina) (Quelle: imago images)

Christian Wulff und der Eventmanager Manfred Schmidt (l.) (In der Mitte Wulffs Frau Bettina) (Quelle: imago images)

Erst der umstrittene Privatkredit, dann die Drohungen gegenüber Journalisten: Die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff nimmt ständig neue Wendungen. So wirft nach Informationen des "Stern" auch Wulffs Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident Fragen auf. Dem Eventmanager Manfred Schmidt soll er als Regierungschef in Hannover Sponsoren beschafft haben.

Dem Bericht zufolge machten Wulff und die Staatskanzlei den Hannoveraner Versicherungskonzern Talanx und den Touristikkonzern TUI auf eine Veranstaltung des Eventmanagers Schmidt aufmerksam. Beide Firmen unterstützten daraufhin dessen "Nord-Süd-Dialog" mit mehreren tausend Euro.

Vorstandschef persönlich angesprochen

Wulff, der Schirmherr der Veranstaltung war, habe persönlich den Talanx-Vorstandschef Herbert Haas auf den "Nord-Süd-Dialog" angesprochen, berichtete das Magazin unter Berufung auf eine Stellungnahme der Versicherung. Wulffs damaliger Sprecher und Vertrauter Olaf Glaeseker habe dann "weitere Informationen" übermittelt. Für das Event seien 2009 schließlich 10.000 Euro geflossen. Der Touristikkonzern TUI bestätigte dem Magazin, nach einem Hinweis der Staatskanzlei insgesamt 50.000 Euro gezahlt zu haben.

Gegen Glaeseker, der vor knapp zwei Wochen überraschend entlassen wurde, prüft die Staatsanwaltschaft Hannover derweil einen Anfangsverdacht auf Vorteilsnahme. Er soll ab 2008 zusammen mit seiner Frau dreimal in Auslandsquartieren des Eventmanagers Schmidt gratis Urlaub gemacht haben. Als Regierungssprecher im Rang eines Staatssekretärs hätte er teure Geschenke wie Gratisurlaub aber möglicherweise nicht annehmen dürfen.

Auch über Wulffs Verbindung mit dem Unternehmer Egon Geerkens will der "Stern" Neues erfahren haben. Geerkens sei Wulff bereits bei einem Immobiliengeschäft vor elf Jahren behilflich gewesen, als der einen Käufer für das Haus seines Vaters bei Osnabrück gesucht habe. Die Immobilie sei an Wiho Pieper gegangen, einen Geschäftspartner Geerkens und CDU-Mitglied. Wulffs Anwälte bezeichneten die Rolle Geerkens bei diesem Geschäft dem Magazin zufolge als rein freundschaftlich.

Schon früher Druck auf Journalisten ausgeübt

Zuvor waren weitere Vorwürfe über Wulffs Umgang mit unliebsamen Journalisten bekannt geworden. Neben seinem Drohanruf bei der "Bild"-Zeitung soll der Bundespräsident schon in einem früheren Fall versucht haben, einen Artikel der "Welt am Sonntag" zu verhindern.

Dabei ging es um einen mehrseitigen Bericht über Wulffs Familie und das zerrüttete Verhältnis zu einer seiner Schwestern. Wie der Chefredakteur der "Welt"-Gruppe bei "Spiegel Online" erklärte, wurde ein Reporter nach mehreren Anrufen aus dem Bundespräsidialamt zu einem Gespräch ins Schloss Bellevue gebeten.

Dort habe Wulff dem Reporter in einem langen Vier-Augen-Gespräch damit gedroht, dass er im Falle einer Veröffentlichung sofort eine Pressekonferenz einberufen und dort erklären würde, dass die "Welt am Sonntag" eine Grenze überschritten habe.

Außerdem habe Wulff angekündigt, jede Zusammenarbeit mit der Zeitung zu beenden, sagte Peters. "Unser Reporter, ein erfahrener Journalist, war sehr überrascht von dem Vorgang und sagte mir, er habe diesen Teil des Gesprächs als eisig und sehr heftig empfunden." Nach dem Gespräch habe Wulff versucht, an höchsten Verlagsstellen - unter anderem beim Vorstandsvorsitzenden - zu intervenieren. "Ich habe trotzdem entschieden, die Geschichte zu veröffentlichen", so der Chefredakteur.

Union: "Lapidare Erklärung reicht nicht"

In der Union wird die Situation für Wulff inzwischen durchaus kritisch eingeschätzt. Spekulationen über bereits laufende Gedankenspiele zu einer Nachfolgereglung bei einem Rücktritt Wulffs wurden aber nicht bestätigt. In Fraktionskreisen hieß es, mit einer "lapidaren Erklärung ist es nicht getan". Wulff müsse sich offiziell zu den Vorgängen um die "Bild"-Zeitung äußern und sich auch Fragen stellen - am besten in einem Format, bei dem auch die breite Bevölkerung zuhöre.

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CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt legte Wulff im Deutschlandfunk indirekt eine Erklärung zur versuchten Beeinflussung der "Bild"-Zeitung nahe. Sie sei sicher, dass der Bundespräsident die gegen ihn erhobenen Vorwürfe überzeugend aufklären könne. "Und das kann auch nur er selbst", sagte Hasselfeldt.

Grundsätzlich geht man in Kreisen der Unionsfraktion davon aus, dass der Bundespräsident die Affäre erstmal durchstehen will. Ein schneller Rücktritt des Staatsoberhaupts käme sehr überraschend - trotz der jüngsten Vorwürfe, wurde betont.

Verschiedene Stimmen wiesen auf ein beachtliches politisches Stehvermögen des Niedersachsen in der Vergangenheit hin. So sei Wulff immerhin dreimal als Spitzenkandidat in Niedersachsen angetreten und dann zum Ministerpräsidenten gewählt worden, hieß es in den Kreisen, die nicht namentlich zitiert werden wollten. Auch in der Partei habe er sich über einen langen Zeitraum hinweg hochgearbeitet.

Das Bundespräsidialamt veröffentlichte unterdessen die offiziellen Termine des Staatsoberhaupts für die nächsten Tage. Am Freitag empfängt Wulff im Schloss Bellevue Sternsinger aus dem Bistum Essen. Am kommenden Dienstag ist der traditionelle Neujahrsempfang für das Diplomatische Korps vorgesehen. Zwei Tage später findet der Empfang für Repräsentanten des öffentlichen Lebens statt. Am Montag war die Seite auf der Homepage des Bundespräsidenten noch leer gewesen.

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