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Großer Zapfenstreich: Christian Wulff muss viele Absagen hinnehmen

160 Ohrfeigen für Christian Wulff

08.03.2012, 09:49 Uhr | t-online.de , AFP , dpa , dapd

Großer Zapfenstreich: Christian Wulff muss viele Absagen hinnehmen. Christian Wulff kassierte über 160 Absagen für seinen Großen Zapfenstreich (Quelle: dpa)

Christian Wulff kassierte über 160 Absagen für seinen Großen Zapfenstreich (Quelle: dpa)

Wenn Christian Wulff heute Abend um 19 Uhr seinen Großen Zapfenstreich bekommt, fällt dieser deutlich kleiner aus als geplant: 369 Gäste seien eingeladen worden, aber über 160 hätten bereits abgesagt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Besonders schmerzhaft: Auch einige Mitglieder des schwarz-gelben Kabinetts bleiben dem Zapfenstreich fern, genauso sämtliche Ex-Bundespräsidenten und die gesamte Opposition.

Demnach werden aus terminlichen Gründen unter anderem Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) bei der Verabschiedung des zurückgetretenen Bundespräsidenten fehlen. Friedrich weilt beim Treffen der EU-Innenminister in Brüssel, Schäuble zieht eine Diskussion mit der Grünen-Fraktion zum Thema "Mehr Europa für Deutschland?" dem Zapfenstreich vor.

Auch Gauck kommt nicht

Ebenfalls abgesagt haben der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, sowie die Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse (SPD), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Petra Pau (Linke) und Eduard Oswald (CSU).

Bereits vor einigen Tagen war durchgesickert, dass alle Ex-Bundespräsidenten dem Zapfenstreich fern bleiben wollen. Wulffs Abschiedsparty muss also ohne Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Horst Köhler und Walter Scheel auskommen. Auch Wulffs mutmaßlicher Nachfolger, Joachim Gauck, wird fehlen.

Nicht sicher scheint das Kommen von Außenminister Guido Westerwelle (FDP): Nach Informationen der "Bild" hat Wulff von ihm auf seine Einladung bislang keine Antwort erhalten. Kanzlerin Angela Merkel hat dagegen zugesagt. Die Teilnahme der Kanzlerin sei eine "Selbstverständlichkeit", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Darin drückt sich der Respekt vor dem höchsten Amt aus, dass unser demokratischer Staat zu vergeben hat." Allerdings wird Merkel ohne ihren Mann Joachim Sauer erscheinen, von dem Wulff eine Absage kassierte.

Möglicherweise wird die Zeremonie auch noch gestört: Wulff-Kritiker wollen die feierliche Verabschiedung mit dem wenig feierlichen Klang von Vuvuzelas begleiten. Im Internet riefen sie dazu auf, am Donnerstagabend vor Schloss Bellevue zu erscheinen und dann mehr als eine Stunde lang die seit der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika bekannten Lärminstrumente anzustimmen. Eine dazu eingerichtete Facebook-Seite führt ein Programm mit "langsamen Anblasen" und "würdevollem Unterblasen des Fackelzuges" auf.

Wulff wünscht sich vier Lieder

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr. Traditionell werden damit Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Verteidigungsminister und militärische Spitzen verabschiedet. Offizieller Gastgeber des Zeremoniells ist Bundesratspräsident Horst Seehofer als amtierendes Staatsoberhaupt. Wulff hat sich vom Musikkorps der Bundeswehr zum Abschied vier Lieder gewünscht: "Over the Rainbow" von Harold Arlen, eine Serenade aus dem "Alexandermarsch" von Andreas Leonhardt, "Da berühren sich Himmel und Erde" von Christoph Lehmann sowie die "Ode An die Freude" von Ludwig van Beethoven.

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die Wulffs Einladung ebenfalls ausschlug, kritisierte ihn erneut für die Inanspruchnahme von Ehrensold und Zapfenstreich. Mit einem Verzicht hätte Wulff Türen öffnen können, die derzeit verschlossen seien, sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende im ZDF-"Morgenmagazin". Sie betonte, sie könne überhaupt nicht mehr nachvollziehen, was in Wulffs Kopf vorgehe. Kraft sagte, die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bundespräsidenten hätten dem politischen Betrieb insgesamt geschadet.

Währenddessen empfiehlt der frühere SPD-Vorsitzende und ehemalige Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel Wulff, einen großen Teil seines Ehrensolds zu spenden. Zudem sollte Wulff vielleicht selbst gemeinnützige Arbeit leisten, sagte Vogel am Donnerstag im SWR. So könne Wulff nach dem Ansehensverlust während der Kredit- und Medienaffäre den Menschen eine neue, "akzeptable" Botschaft vermitteln.

Türkische Gemeinde bedauert Wulffs Abschied

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, findet es schade, dass Wulff sein Amt aufgeben musste. Wulff habe zwar eindeutige Fehler gemacht, räumte Kolat ein. Er würdigte aber Wulffs Zugehen auf die Migranten in Deutschland. Wulff habe die Messlatte beim Zukunftsthema Migration sehr hoch gelegt und sei aufgrund von Aussagen wie "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland" bei Migrantenverbänden sehr beliebt gewesen. Kolat hofft, dass der designierte Nachfolger Joachim Gauck Wulffs Linie fortsetzt. "Das wäre gut für unser Land", sagte Kolat. Beispielsweise wäre es ein gutes Zeichen, wenn Gauck Menschen mit Migrationshintergrund empfangen würde.

Christian Wulff war am 17. Februar vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Vorteilsannahme. Der Zapfenstreich wird am Abend live in der ARD übertragen.

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