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Deutsche Burschenschaft steht vor dem Zerfall

Deutsche Burschenschaft steht vor dem Zerfall

02.06.2012, 17:37 Uhr | Von Sebastian Haak, dapd, dapd

Deutsche Burschenschaft steht vor dem Zerfall. Burschenschafter ziehen mit Fackeln auf das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach (Quelle: dpa)

Burschenschafter ziehen mit Fackeln auf das Burschenschaftsdenkmal in Eisenach (Quelle: dpa)

Die Deutsche Burschenschaft in ihrer jetzigen Form steht offenbar endgültig vor dem Aus. Nach übereinstimmenden Berichten vom Burschentag im thüringischen Eisenach droht dem Verband in den kommenden Monaten entweder die Spaltung oder die Auflösung. Hintergrund ist eine seit Jahren andauernde Debatte innerhalb der Studentenverbindungen über den Umgang mit rechten Strömungen.

Die Deutsche Burschenschaft hat nach eigenen Angaben derzeit etwa 115 Mitgliedsvereinigungen. Sie gilt als der größte Zusammenschluss von Burschenschaften in Deutschland und Österreich.

Außerordentlicher Burschentag wird einberufen

Um das weitere Vorgehen zu beschließen, haben sich die Burschen auf die Einberufung eines außerordentlichen Burschentages verständigt. "Dort wird es um die Zukunft unseres Verbandes gehen", sagte der Sprecher der Deutschen Burschenschaft (DB), Christoph Basedow. Er glaube nicht, dass der Verband in seiner aktuellen Gestalt weiter bestehen werde.

Das Treffen solle innerhalb der kommenden neun Monate stattfinden, sagte er. Das Sprecheramt entspricht innerhalb der DB dem eines Verbandsvorsitzenden.

Große Gegensätze

Auch der ehemalige Pressereferent der DB, Michael Schmidt, sagte, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Vereinigung nicht mehr lange in ihrer jetzigen Form bestehe. Die Gegensätze zwischen liberalen und konservativen Verbindungen seien zu groß. "Dass sich etwas so massiv ändert, dass man sich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann, halte ich für unwahrscheinlich", sagte er. Schmidt war während des Burschentages von seinem Amt als Pressereferent zurückgetreten.

Er habe nicht länger "den Kopf dafür hinhalten wollen, was mit diesem Verband in Verbindung gebracht wird". Unmittelbarer Auslöser für seinen Schritt sei die Wiederwahl von Norbert Weidner zum sogenannten Schriftleiter der DB-Zeitung "Burschenschaftliche Blätter" gewesen, sagte Schmidt. Weidner war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil er den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet haben soll.

Unklar ist, ob mehrere Burschenschaften den Burschentag aus Protest gegen die Wiederwahl Weidners verlassen haben. Ein Sprecher der Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis" sagte, die Vertreter von etwa 20 liberalen Verbindungen hätten das Treffen bereits am Freitag vorzeitig verlassen. DB-Chef Basedow sagte, ihm seien vorzeitige Abreisen nicht bekannt. Die Initiative hatte schon vor Beginn des diesjährigen Burschentages umfassende Reformen oder die Auflösung der DB gefordert.

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Kritiker sind unbeeindruckt

Nach seinem Rücktritt als Pressereferent will sich Schmidt nun bei der Initiative "Burschenschaftliche Zukunft" engagieren. Seinen Angaben zufolge handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss von 24 liberalen Burschenschaften. Mittelfristig würden sicher mehrere dieser Verbindungen aus der DB austreten, sagte er. Ob damit auch die Gründung eines Konkurrenzverbandes einhergehen werde, ließ er offen. Gleichzeitig sagte er jedoch, es gebe bei liberalen Burschenschaftern innerhalb wie außerhalb der DB den Wunsch nach einer "Größeneinheit, die über den einzelnen Burschenschaften steht".

Kritiker des Burschenschaftswesens zeigten sich unbeeindruckt von den jüngsten Entwicklungen. Ankündigungen von liberalen Burschenschaftern, womöglich mit der DB zu brechen, bezeichnete der Sprecher des "Bündnisses gegen den Burschentag in Eisenach", Phillip Schmidt, als Lippenbekenntnis und Imagekampagne. "Außerdem halten wir eine Trennung nach liberalen und rechtsextremen Burschenschaftern für unangebracht", sagte er. Man solle besser zwischen Ideologen und Pragmatikern trennen. Auch bei einer etwaigen Neugründung eines burschenschaftlichen Dachverbandes werde es keine grundlegenden inhaltlichen Unterschiede zur DB geben.

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