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Annette Schavan erhält Ehrendoktor der Universität Lübeck

Nach Titel-Entzug  

Schavan verzichtet auf Rechtsmittel und erhält Ehrendoktor

10.04.2014, 18:47 Uhr | dpa, t-online.de

Annette Schavan erhält Ehrendoktor der Universität Lübeck. Mal verliert man, mal gewinnt man: Annette Schavan heißt bald nicht mehr Dr., aber Dr. h.c. (Quelle: dpa)

Mal verliert man, mal gewinnt man: Annette Schavan heißt bald nicht mehr Dr., aber Dr. h.c. (Quelle: dpa)

Es dürfte eine eher peinliche Angelegenheit für alle Beteiligten werden, wenn am Freitag aus der früheren Bundesbildungsministerin Annette Schavan nach ihrem erwiesenen Plagiat Dr. h.c. Annette Schavan wird. Die Universität Lübeck verleiht ihr die bereits 2012 zuerkannte Ehrendoktorwürde und kann nun nicht mehr anders.

Auf diesen Titel will Schavan nicht verzichten. Allerdings sieht sie davon ab, weiter für ihren wissenschaftlich mit Schummelei erworbenen regulären Doktor zu kämpfen.

Es gibt kein Zurück mehr

Achtmal hat die Universität Lübeck in den 50 Jahren ihres Bestehens die Ehrendoktorwürde verliehen. Doch keine ist so kontrovers diskutiert worden wie die, mit der die CDU-Politikerin nun beim traditionellen Jahresempfang der Hochschule ausgezeichnet werden soll. Wie der "Spiegel" berichtet, ließ der Universitäts-Senat bei einer Sitzung am Mittwochabend die letzte Gelegenheit verstreichen, doch noch aus der Nummer herauszukommen.

Den wissenschaftlichen Doktortitel hatte die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ihr im Februar 2013 entzogen. Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht wies die Klage der ehemaligen Bildungsministerin gegen diese Entscheidung vor drei Wochen ab. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Schavan in ihrer vor mehr als 30 Jahren eingereichten Doktorarbeit mit dem Titel "Person und Gewissen" mehr als 60 Mal getäuscht hatte.

"Freue mich auf neue Aufgaben"

Vier Wochen hätte sie noch Zeit gehabt, um Rechtsmittel einzulegen. Doch eine Mitarbeiterin ihres Büros im Bundestag bestätigte einen Bericht der "Rheinischen Post", wonach Schavan die juristische Auseinandersetzung beenden will: "Jetzt bereite ich mich auf neue Aufgaben vor und freue mich darauf", wird die Bundestagsabgeordnete von der Zeitung zitiert.

Das bedeutet gleichzeitig, dass Schavan ihren Doktortitel fristgemäß spätestens am 7. Mai ablegen muss. Doch schon zuvor erwartet die 58-Jährige in Schleswig-Holstein ein nicht ganz adäquater Ausgleich. Die Ehrendoktorwürde war Schavan bereits im Januar 2012 zuerkannt worden, um ihre Verdienste im Kampf um den Erhalt der Universität Lübeck zu würdigen.

Im Sommer 2010 hatten Studenten, Professoren und Lübecker Bürger gegen die Pläne der Landesregierung gekämpft, die Mediziner-Ausbildung zu streichen. Schavan trug zur Rettung der Universität bei, indem sie dem Land aus Bundesmitteln 25 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich für die Forschung zusagte.

Für Verdienste um die Hochschule

Die Universität betont nun, die Ehrendoktorwürde werde nicht für wissenschaftliche Leistungen, sondern für Verdienste um die Hochschule verliehen. Vor allem in Internetforen wurde jedoch viel darüber diskutiert, ob die Ehrung noch angemessen sei.

Der negative Beigeschmack könnte die Uni auch belasten. Zuletzt hatte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni gefordert, die Ehrung noch einmal zu überdenken. Aus dem Hochschulrat der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität war Schavan Anfang der Woche auf Drängen der Fakultätsdekane ausgeschieden.

Einstimmiger Beschluss

Auch in Lübeck wurde hitzig diskutiert: "Nach dem Entzug ihres Titels und ihrem Rücktritt als Bundesministerin hat Frau Schavan uns angeboten, über die Verleihung neu zu beraten", sagte der Präsident der Uni, Peter Dominiak. Der Senat habe damals aber einstimmig beschlossen, ihr den Ehrendoktortitel auf jeden Fall zu verleihen.

Das sollte auch für den Fall gelten, dass Schavans Klage scheitert. "Auch der AStA hat damals zugestimmt", erklärte Dominiak. Die ursprünglich für April 2012 geplante Übergabe der Urkunde an Schavan war bereits zweimal verschoben worden. Zunächst hatte die Universität den Termin wegen der Nähe zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein abgesagt.

2013 bat Schavan wegen der öffentlichen Debatte um ihre Doktorarbeit um eine Verschiebung. Das Timing erscheint jetzt auch nicht passender.

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