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Pegida-Demos: Zentralrat der Juden nimmt Islam in Schutz

"Verunglimpfung ist inakzeptabel"  

Zentralrat der Juden nimmt Islam in Schutz

20.12.2014, 08:31 Uhr | dpa, t-online.de, AFP

Pegida-Demos: Zentralrat der Juden nimmt Islam in Schutz. Der Zentralrat der Juden hält Pegida-Demos wie diese in Dresden für "brandgefährlich" (Quelle: Reuters)

Der Zentralrat der Juden hält Pegida-Demos wie diese in Dresden für "brandgefährlich" (Quelle: Reuters)

Vor dem Hintergrund der islamfeindlichen Proteste hat der Zentralrat der Juden die Muslime in Deutschland in Schutz genommen. Der neue Vorsitzende Josef Schuster sagte der Zeitung "Die Welt", die Angst vor islamistischem Terror werde "instrumentalisiert", um eine ganze Religion zu verunglimpfen. Das sei "absolut inakzeptabel".

Dabei wolle er islamistischen Terror in keinster Weise kleinreden."Sicherlich ist der islamistische Extremismus ebenso ernst zu nehmen wie andere extremistische Strömungen. Aber die Sicherheitsbehörden sind ja längst alarmiert", stellte Schuster fest.

Schuster warnt: Pegida "brandgefährlich"

Dennoch dürften einige wenige Extreme nicht die Angst in den Köpfen der Menschen schüren. Zu denken, Deutschland drohe eine Islamisierung bis hinein in den Staatsapparat, sei "so absurd, als wenn wir aus der Existenz von Rechtsextremisten schlössen, morgen werde die NS-Diktatur wieder errichtet".

Schuster kritisierte die Pegida-Proteste vor diesem Hintergrund scharf. Die Demonstranten dürften "auf keinen Fall" unterschätzt werden. "Die Bewegung ist brandgefährlich. Hier mischen sich Neonazis, Parteien vom ganz rechten Rand und Bürger, die meinen, ihren Rassismus und Ausländerhass endlich frei ausleben zu dürfen", sagte Schuster.

Seehofer: "Nicht alles Nazis"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) warnte hingegen im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" davor, die Demonstranten über einen Kamm zu scheren. "Das sind weiß Gott nicht alles Nazis", sagte er. Zwar könnten die Pegida-Rädelsführer "dem rechtsradikalen Spektrum" zugeordnet werden. Wenn jedoch tausende Menschen auf die Straße gingen, müsse man sich um "das, was diese Menschen an Ängsten im Herzen tragen, kümmern".

Nötig seien daher eine "gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf die europäischen Länder", mehr Personal in den zuständigen Bundesbehörden sowie ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen, sagte Seehofer. Bayern werde das "mit allem Nachdruck" angehen, "sonst nimmt der Unmut in der Bevölkerung zu".

Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig fordert eine differenzierte Betrachtung von Pegida. "Wir müssen uns sehr ernsthaft ansehen, was dort passiert", sagte der SPD-Politiker. "Wenn in Dresden 15 000 Menschen auf die Straße gehen, wäre es abwegig, so zu tun, als seien das alles Faschisten." Natürlich bereite es ihm Sorge, dass Faschisten und Rassisten dabei seien. "Aber da ist auch viel verängstigtes Bürgertum dabei", sagte Albig. "Diesen Menschen müssen wir ihre Angst nehmen und dürfen sie nicht pauschal verurteilen."

Albig: Es ist schwer, den Islam zu erklären

Für viele sei es schwer einzuschätzen, was derzeit im Zusammenhang mit dem Islam alles passiere. "Für sie steht das Wort Islam zugleich für diejenigen, die aus Syrien zu uns fliehen und für die Mörder, vor denen diese Menschen fliehen", sagte Albig. "Es ist wahnsinnig schwer, dies aufzulösen und den Menschen zu erklären."

In den vergangenen Wochen waren regelmäßig zehntausende Menschen in Dresden einem Aufruf der islamfeindlichen Bewegung Pegida gefolgt und hatten gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes protestiert und eine schärfere Asylpolitik gefordert. Pegida hat mittlerweile Ableger in mehreren Städten.

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