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Der Widerstand gegen Pegida wächst

Anti-Pegida-Demos  

Der Widerstand wächst

24.12.2014, 11:43 Uhr | Von Björn Hengst und Christoph Sydow, Spiegel Online, AFP

Der Widerstand gegen Pegida wächst. Großer Andrang in München: Zur Kundgebung für Solidarität mit Flüchtlingen kamen mehr Menschen, als die Organisatoren erwartet hatten.    (Quelle: Reuters)

Großer Andrang in München: Zur Kundgebung für Solidarität mit Flüchtlingen kamen mehr Menschen, als die Organisatoren erwartet hatten. (Quelle: Reuters)

Pegida bejubelt den Erfolg in Dresden, wieder kamen mehr Menschen zur Anti-Islam-Demo. Doch bundesweit sieht es ganz anders aus: Hier treffen Grüppchen von Islamhassern auf Tausende Gegner.

Bei den Organisatoren der antiislamischen Pegida-Demonstration ist die Euphorie groß: "Unfassbares Dresden! Weit über 20.000 Bürger! Es war der OBERHAMMER", schrieb das Bündnis "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" am Montagabend auf seiner Facebook-Seite.

Die Polizei spricht zwar nicht von 20.000 Demonstranten sondern von 17.500 Pegida-Teilnehmern - trotzdem hat das Bündnis an diesem Montag so viele Menschen auf die Straße gebracht, wie nie zuvor. Es kamen noch einmal 2500 Menschen mehr als in der Vorwoche. Dabei hatten Politiker und Religionsvertreter in den Tagen zuvor angemahnt, die Bürger sollten sich nicht von Rechtspopulisten und Rechtextremisten vereinnahmen lassen.

Doch es gibt eine Gegenströmung, die immer stärker wird. In Dresden kamen etwa 4500 Bürger, um gegen Pegida zu protestieren. Indem sie ihre Außenbeleuchtung abschaltete und einen Anti-Pegida-Slogan auf die Fassade werfen ließ, setzte zudem die Semperoper ein starkes Signal. Allerdings waren die Gegendemonstranten in der Pegida-Hochburg noch klar in der Minderheit.

Das sah in zahlreichen westdeutschen Städten ganz anders aus. Hier wächst der Widerstand gegen das Bündnis, das Stimmung gegen die angebliche Überfremdung Deutschlands und die Asylpolitik der Bundesregierung macht. Bundesweit übertraf die Zahl der Gegendemonstranten die Zahl der Islamfeinde an diesem Montag oft um ein Vielfaches.

Einige Beispiele:

  • In Bonn standen 250 Anhänger der Pegida-Unterstützergruppe Bogida etwa 2500 Gegendemonstranten gegenüber.
  • Auch in Kassel kamen auf 200 Kagida-Anhänger zehnmal so viele Gegner.
  • In Würzburg brachte der lokale Pegida-Ableger 200 Menschen auf die Straße, die Gegner mobilisierten etwa 700 Bürger.

Bislang ist es den Pegida-Initiatoren nur in Dresden im großen Stil gelungen, Bürger für sich zu gewinnen, die nicht per se aus dem rechtsextremen Spektrum kommen. In den westdeutschen Städten versammeln sich dagegen bislang vor allem Demonstranten aus dem Umfeld rechter Splitterparteien wie Pro NRW. Während im Westen die Ausgrenzung der Rechtsextremen funktioniert, scheuen sich in Dresden viele Bürger nicht davor, Seite an Seite mit NPD-Funktionären und Hooligans zu demonstrieren.

In München kamen mehr Pegida-Gegner als erwartet

Das stärkste Signal für Solidarität mit Flüchtlingen kam am Montagabend aus München: Polizeiangaben zufolge waren 12.000 Menschen dem Aufruf des Bündnisses "Bellevue di Monaco" gefolgt, um auf dem Max-Joseph-Platz vor der Staatsoper gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren - es waren weit mehr Teilnehmer, als die Organisatoren erwartet hatten. Schon früh am Abend war der Platz voll, die Polizei musste ihn vorübergehend sperren.

"Platz da! Flüchtlinge sind hier willkommen. Gemeinsam gegen Pegida, Rassismus und Hetze" lautete das Motto der Veranstaltung, bei der unter anderem Liedermacher Konstantin Wecker und die Sportfreunde Stiller auftraten. "Bei uns ist Platz für Menschen verschiedener Hautfarbe, Herkunft oder Muttersprache. Und: Bei uns ist auch Platz für alle Religionen und Gläubige", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Eine Pegida-Veranstaltung hatte dagegen in München keinen nennenswerten Zulauf: Lediglich ein paar Dutzend Demonstranten waren gekommen.

Die verzweifelte Lage von Flüchtlingen war in den vergangenen Wochen in der bayerischen Landeshauptstadt immer wieder zu spüren: So gab es etwa regelmäßig Berichte über katastrophale Zustände in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Bayernkaserne. Oberbürgermeister Reiter warf der bayerischen Staatsregierung damals Versagen bei ihrer Flüchtlingspolitik vor und kündigte an, die Bayernkaserne für neue Flüchtlinge vorübergehend zu schließen. Der SPD-Politiker ließ damals einen Krisenstab einrichten und setzte mit seinem Vorgehen die Regierung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) unter Druck.

Zuletzt war eine Gruppe von Flüchtlingen in der Münchner Innenstadt in einen Hungerstreik getreten - ihr Camp war Ende November von der Polizei geräumt worden.

So standen München und Dresden an diesem Montag sinnbildlich für ein skurriles Phänomen: Dort, wo viele Migranten leben und die Bürger das Leid der Flüchtlinge täglich erleben, ist die Solidarität groß. Dort, wo hingegen kaum Ausländer leben, folgen viele lieber rechten Scharfmachern, die Angst und Vorurteile schüren.

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