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AfD fordert Rücktritt von Pegida-Chef Lutz Bachmann

Wirbel um Hitler-Bild  

AfD-Vize: "Herr Bachmann muss weg"

21.01.2015, 17:48 Uhr | t-online.de, dpa

AfD fordert Rücktritt von Pegida-Chef Lutz Bachmann. Erkennen Sie die Ähnlichkeit? Medien zeigen das Hitler-Bild von Pegida-Chef Lutz Bachmann. (Quelle: dpa)

Erkennen Sie die Ähnlichkeit? Medien zeigen das Hitler-Bild von Pegida-Chef Lutz Bachmann. (Quelle: dpa)

Nach dem Wirbel um Hitler-Bild und ausländerfeindlichen Facebook-Einträgen, die angeblich von Lutz Bachmann stammen, nimmt die Kritik am Pegida-Chef zu. Die bisher eher freundlich gesinnte AfD fordert gar den Rücktritt des Kopfes der Bewegung.

"Herr Bachmann muss weg. Mit so einem Bild oder Facebook-Eintrag kann man diese demokratische Organisation nicht führen", sagte der stellvertretende Vorsitzende der AfD, Alexander Gauland, dem ZDF.

"Ich hoffe, dass Pegida zu dem Ergebnis kommt, dass ein anderer Frontmann her muss. Das ist das Ende von Bachmann in der Pegida, sonst würde ich nie wieder ein gutes Wort über Pegida sagen. Ich kann doch nicht 20.000 Leute, die auf die Straße gehen, wegen der Dämlichkeit dieses einen Menschen ins Aus stellen", so Gauland.

"Das ist geschmacklos"

"Es ist eine Schande, dass er selber nicht gesehen hat, was er den Demonstranten damit antut." Parteivize Alexander Gauland hatte wiederholt geäußert, die Pegida-Demonstranten seien "natürliche Verbündete" der AfD.

Auch AfD-Sprecher Christian Lüth wählte deutliche Worte: "Das ist geschmacklos." Bachmann sei mittlerweile eine Person des öffentlichen Interesses und müsse wissen, "dass so etwas kein Scherz mehr sein kann".

AfD vermeldet Bachmann-Rückzug verfrüht

Für Verwirrung sorgte eine Pressemitteilung, die die AfD am späten Nachmittag versandte. Darin kommentierte Frauke Petry den Rückzug von Lutz Bachmann und griff ihn scharf an. Bachmann habe "den mühsam erreichten Diskurs zwischen Pegida-Teilnehmern und Politik beschädigt." Politische Glaubwürdigkeit sei "ohne persönliche Integrität nicht möglich".

Einziges Problem: Bachmann ist nicht zurückgetreten. Wenig später wurde die Mail zurückgezogen. Auf Nachfrage von "Spiegel Online", warum man dennoch eine Nachricht zu seinem Rückzug veröffentliche, antwortete AfD-Pressereferent Lars Klate, dass er die Nachricht "auf Vorrat" geschrieben habe.

Kritik vom SPD-Chef

"Der Wolf hat seinen Schafspelz abgelegt. Wer jetzt noch bei Pegida mitläuft, darf sich nicht herausreden, er habe über die rassistischen Hintergründe dieser Aufmärsche nichts gewusst", erklärte die Bundestagsabgeordnete der Linken, Ulla Jelpke.

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sagte der "Bild"-Zeitung: "Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi. Jeder sollte sich überlegen, ob er solchen Rattenfängern hinterher läuft."

Pegida-Vorstandsmitglied fordert Konsequenzen

Ähnlich äußerte sich der Fraktionschef der sächsischen Grünen, Volkmar Zschocke: "Es liegen seit Wochen Aussagen von den Leuten aus dem Pegida-Organisationsteam vor, die menschenverachtend, rassistisch, fremdenfeindlich und anschlussfähig nach rechtsaußen sind." Politiker demokratischer Parteien sollten der Gruppe nicht länger auf den Leim gehen.

Kritik hagelt es mittlerweile jedoch auch aus den eigenen Reihen: Der Vorfall müsse Konsequenzen haben, sagte Pegida-Vorstandsmitglied Rene Jahn der "Bild"-Zeitung. "Mit so etwas will ich nichts zu tun haben." Es gehe um die gesamte Bewegung und nicht nur um eine Person.

Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel sagte, dass man mit Bachmann auch über angeblich von dem 41-Jährigen stammende Facebook-Postings sprechen wolle, die ausländerfeindliche Beleidigungen enthalten.

Nur ein "Scherz"?

Bachmann selbst hatte in der "Bild"-Zeitung die Echtheit des Fotos bestätigt und als Scherz eingestuft. "Ich hatte das Foto zur Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs von 'Er ist wieder da' beim Friseur geknipst und Christoph Maria Herbst auf die Pinnwand gepostet", sagte der 41-jährige Pegida-Gründer und Cheforganisator. "Man muss sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen."

Dem widerspricht der Anwalt von Herbst. Er lässt mitteilen, dass Herbst weder eine eigene Facebook-Seite, noch das genannte Bild mit einem "like" versehen habe.

Nach Morddrohungen von Islamisten befindet sich Bachmann unter Polizeischutz. Wegen der Terrorgefahr hatte die Dresdner Polizei die für vergangenen Montag geplante Pegida-Kundgebung und alle weiteren öffentlichen Versammlungen in der Stadt untersagt. Bachmann hatte die Anhänger des Bündnisses deshalb zur Teilnahme an der Kundgebung des Leipziger Pegida-Ablegers aufgerufen.

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