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Pegida-Bewegung stehen am Ende: "Faszinosum ist längst weg"

"Faszinosum ist längst weg"  

Experten sehen Pegida am Ende

28.01.2015, 21:29 Uhr | t-online.de, dpa

Pegida-Bewegung stehen am Ende: "Faszinosum ist längst weg". Die Pegida-Bewegung dürfte nach dem Rücktritt der gemäßigten Führungsköpfe wohl zerfallen (Quelle: Reuters)

Die Pegida-Bewegung dürfte nach dem Rücktritt der gemäßigten Führungsköpfe wohl zerfallen (Quelle: Reuters)

Nach dem Rücktritt von fünf Mitgliedern des Organisationskomites sehen Experten die Pegida-Bewegung weitgehend am Ende. Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht keine Zukunft mehr für das Bündnis. Das Chaos an der Spitze sei der Anfang vom Ende. "Man kann keine Bewegung erhalten, die in sich zerstritten ist und nicht weiß, was sie will", meint er. "Es spricht viel dafür, dass die Bewegung in dieser Form bald zerfallen wird."

Das Aufbauen von Feindbildern - gegen Muslime und Zuwanderer - genüge laut Funke nicht, um die Bewegung zusammenzuhalten. "Das Faszinosum ist längst weg."

Nur noch Rechtsradikale auf der Straße?

Nach Ansicht des Dresdner Politikwissenschaftlers Werner Patzelt ist Pegida an der konkreten politischen Ausrichtung gescheitert. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man sich über die Linie - hart, eher rechtsradikal oder weich, eher AfD-artig - zerstritten habe, sagte Patzelt.

Die nächste Demonstration werde zeigen, ob und wie es mit Pegida weitergeht, ob die Bewegung nun nach rechts rückt und "ob sich nur vielleicht 600 oder 900 Rechtsradikale einfinden statt den Tausenden der letzten Male".

"Stunde der Wahrheit" wird kommen

Wenn sich nun die Nicht-Extremisten aus dem Orga-Team zurückzögen, gebe es für die Vernünftigeren keinen guten Grund mehr, zu Pegida zu gehen. "Damit reduziert sich die Bewegung auf den Kern derer, die tatsächlich rechtsradikal sind", so der Politologe.

Die "Stunde der Wahrheit", wie Patzelt es nennt, verzögert sich aber: Die geplante Demonstration für den kommenden Montag hat Pegida nach dem Personal-Debakel erst einmal abgesagt.

Bewegung wird nicht mehr wachsen

Der Extremismus-Experte Timo Reinfrank schätzt die Situation etwas zurückhaltender ein: "Ich glaube noch nicht, dass dies das Aus ist", sagt er. Pegida hänge nicht an einzelnen Personen, meint er. "Personalfragen haben für die meisten Leute, die da auf die Straße gehen, keine Relevanz." Mehrere Mitglieder, die sich nun aus der Pegida-Spitze zurückgezogen hätten, seien bislang ohnehin so gut wie gar nicht öffentlich in Erscheinung getreten.

Aber auch Reinfrank glaubt nicht, dass die Bewegung noch weiter wachsen wird - in vielen Städten werde sie eher ganz verschwinden, meint er. Bei der jüngsten Demonstration am vergangenen Sonntag in Dresden zeigte sich bereits, dass die Anziehungskraft der Bewegung ihre Grenzen hat. Rund 17.000 Menschen brachte das Bündnis dort auf die Straße. 25.000 waren es eine Woche zuvor gewesen. Die Teilnehmerzahl ging also erstmals zurück.

Gabriel: Zenit ist überschritten

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht angesichts der Führungskrise den Zenit der islamfeindlichen Bewegung überschritten. Die Organisatoren zerlegten sich gerade, "was ja vielleicht auch eine Erlösung für Dresden ist", sagte Gabriel in der ZDF-Sendung "Was nun?". "Ich glaube, dass wahrscheinlich der öffentliche Zenit dieser Demonstrationen überschritten ist", sagte der Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sieht den Rückzug mehrerer Pegida-Führungsleute mit Genugtuung: "Es ist ein gutes Zeichen, dass sich der gefährliche Haufen der Pegida-Organisatoren jetzt offenbar selber zerlegt", sagte Stegner. Es sei richtig, wenn die Dresdner Pegida-Organisatoren von der Bildfläche verschwänden: "Sie sind Rechtsextreme und Spalter, die Unfrieden säen", meinte Stegner.

Immer Ärger mit Bachmann

Es lief schon lange nicht rund bei den selbsternannten "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes". Doch dass gleich die ganze Führungsriege auseinanderbricht, kam völlig überraschend. Grund soll ein Streit über die Rolle Bachmanns und die künftige Ausrichtung des zwölfköpfigen Organisationsteams sein.

Bachmann sorgte von Anfang an für Unruhe und Unmut in der Pegida-Spitze. Schon vor Monaten kam seine zwielichtige Vergangenheit ans Licht - inklusive Vorstrafen wegen Einbruchs- und Drogendelikten. Damals kündigte er schon einmal an, sich aus der ersten Reihe der Bewegung zurückzuziehen. Aber er tat es nicht.

Nachdem wüste Beschimpfungen von ihm gegen Ausländer öffentlich wurden, verkündete er zwar seinen Rückzug. Aber Bachmann verschwand wieder nicht.

Tendenz zum rechten Rand nicht mittragen

Einigen aus der Pegida-Spitze wurde es nun zu viel. Bachmann habe sich nicht in dem Maße zurückgezogen, "wie wir uns das wünschen", sagt einer der Aussteiger, das AfD-Mitglied Achim Exner. "Bislang hat sich Pegida auf die bürgerliche Mitte konzentriert, derzeit gibt es jedoch eine Tendenz zum rechten Rand, die wir nicht mittragen können."

Auch René Jahn, der ebenfalls den Führungszirkel verlassen hat, schimpft, es könne nicht sein, dass sich Pegida in aller Deutlichkeit von Bachmanns Äußerungen distanziere, dieser aber im Organisations-Team bleiben wolle. "Mit diesem Nazi-Zeug und den rechten Äußerungen möchte ich nichts zu tun haben."

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