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Blatters Bundesverdienstkreuz: Gauck sieht kaum Chancen für Aberkennung

Blatters Bundesverdienstkreuz  

Gauck sieht kaum Chancen für Aberkennung

31.05.2015, 12:14 Uhr | sid, AFP, je

Blatters Bundesverdienstkreuz: Gauck sieht kaum Chancen für Aberkennung. FIFA-Boss Sepp Blatter, Bundespräsident Joachim Gauck. (Quelle: dpa)

FIFA-Boss Sepp Blatter, Bundespräsident Joachim Gauck. (Quelle: dpa)

Bundespräsident Joachim Gauck sieht kaum eine realistische Chance, FIFA-Boss Sepp Blatter das Bundesverdienstkreuz wieder abzuerkennen. Das hatte unter anderem Linken-Chef Bernd Riexinger wegen der aktuellen Korruptionsaffäre beim Weltfußballverband gefordert. Blatter hatte den Verdienstorden erhalten, weil die FIFA die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland vergeben und damit das "Sommermärchen 2006" ermöglicht hatte.

"Die überwiegende Meinung in Deutschland ist skeptisch, aber das reicht nicht für einen solchen Schritt", sagte das 75 Jahre alte Staatsoberhaupt am Rande des DFB-Pokalfinales zwischen dem VfL Wolfsburg und Borussia Dortmund (3:1) in Berlin dem Pay-TV-Sender Sky. Es gebe "zu hohe Hürden". Der Bundespräsident sagte weiter: "Das ist ganz schwierig, es müssen schon schwerwiegende Vorgänge passiert sein. Diese gehen in die Persönlichkeitsrechte, und dies kommentiere ich nicht."

Der 79-jährige FIFA-Boss war ungeachtet der Korruptionsaffäre, in die sein Verband verstrickt ist, am Freitag als Verbandspräsident wiedergewählt worden. Im Zuge von US-Ermittlungen waren am Mittwoch sieben ranghohe FIFA-Funktionäre von der Schweizer Polizei festgenommen worden. Die Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt zudem wegen Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben an Russland für das Jahr 2018 und Katar für 2022.

"Mafiöse Vereinigung"

Linken-Parteichef Riexinger hatte deshalb gefordert, Blatter das Bundesverdienstkreuz wieder abzuerkennen. "Blatters einziger Verdienst besteht doch darin, aus dem Fußball, der Millionen Menschen begeistert und zusammen bringt, eine korrupte und maßlose Werbemaschine zu machen", hatte Riexinger der "Bild"-Zeitung gesagt. Die FIFA bezeichnete Riexinger als eine "mafiöse Vereinigung".

Konsequenzen gegen Blatter hatte auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, gefordert. "Sobald sich zeigt, dass Blatter mit im FIFA-Sumpf steckt, muss ihm das Verdienstkreuz aberkannt werden", sagte er ebenfalls zu "Bild". Blatter habe sich für diese Auszeichnung "als unwürdig erwiesen".

Ärger seit 2006

Die Idee, dem FIFA-Boss die höchste deutsche Auszeichnung abzuerkennen, ist nicht neu. Im Sommer 2012 tauchten Schmiergeld-Vorwürfe im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 nach Deutschland auf. Schon damals forderten deutsche Politiker wie der damalige Grünen-Sprecher Reinhard Bütikofer die Aberkennung des Verdienstordens (t-online.de-Artikel von 2012).

Schon damals war die Verleihung - noch während der Weltmeisterschaft - ein Politikum in Deutschland. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich dafür eingesetzt - obwohl Blatter gar kein Freund der Austragung in Deutschland war, dies dem Vernehmen nach sogar bekämpft hatte. Gleichwohl und trotz Protesten von Merkels Koalitionspartner SPD bekam der Schweizer Fußball-Funktionär zwei Tage vor Anpfiff des Finales, da war die deutsche Mannschaft gegen Italien längst ausgeschieden, das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Deutlich jünger: Sepp Blatter und Angela Merkel am 7. Juli 2006 bei der Verleihung. Bundespräsident war damals übrigens Horst Köhler. (Quelle: dpa/Archiv)Deutlich jünger: Sepp Blatter (damals 70) und Angela Merkel am 7. Juli 2006 bei der Verleihung. Bundespräsident war damals übrigens Horst Köhler. (Quelle: dpa/Archiv)

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