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Vom IS versklavte Frauen suchen Schutz in Deutschland

Sonderprogramm in Baden-Württemberg  

Land hilft gepeinigten IS-Opfern

04.08.2015, 17:18 Uhr | dpa, je

Vom IS versklavte Frauen suchen Schutz in Deutschland. In den Fängen der IS-Terrormiliz müssen Mädchen und Frauen Dinge erleiden, die man sich überhaupt nicht vorstellen kann. (Quelle: Reuters)

In den Fängen der IS-Terrormiliz müssen Mädchen und Frauen Dinge erleiden, die man sich überhaupt nicht vorstellen kann. (Quelle: Reuters)

Das Land Baden-Württemberg bietet rund 250 Opfern des IS-Terrors Unterschlupf und Hilfe.  Frauen und Kinder aus dem Nordirak und Syrien werden bisher betreut. Doch auch hierzulande sind sie in Gefahr. Weitere Bundesländer folgen der Initiative, andere zögern.

Über ein Sonderkontingent hat Baden-Württemberg bislang 248 traumatisierte Frauen und Kinder aus dem Nordirak und Syrien aufgenommen. Weitere 70 folgen im September, verkündet der Chef der Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski (Grüne), der die furchtbaren Schicksale der Kinder und Frauen zu erzählen weiß.

Die Frauen werden auf Kommunen im ganzen Ländle verteilt. Wo sie genau hinkommen, muss geheim bleiben. Denn die grün-rote Landesregierung schätzt, dass die misshandelten Opfer auch im Schwäbischen und Badischen noch nicht sicher vor ihren fanatischen Peinigern sind. Die Terrormiliz, die sich Islamischer Staat nennt, beobachtet wohl das Projekt.

Geiseln, Sklavinnen, Gewaltopfer

Den Frauen gehe es psychisch wie körperlich "richtig schlecht", sagt Staatskanzleichef Murawski. "Das jüngste Vergewaltigungsopfer, das wir aufgenommen haben, ist acht Jahre alt." Neben dem psychischen Traumata haben viele körperliche Verletzungen, die von Spezialisten behandelt werden müssen.

Tausende Frauen und Kinder vermutet die Menschenrechtsorganisation Amnesty in der Gewalt des selbsternannten IS-Kalifats. Viele dienen als Geiseln, mit denen Zugeständnisse erpresst werden sollen. Besonders ältere Mädchen und jüngere Frauen werden gezwungen, zum Islam überzutreten und die Kämpfer zu heiraten.

Wenn sie sich weigern, werden sie als Sklavinnen verkauft. Sexuelle Gewalt müssen fast alle erdulden. Auch die vergleichsweise wenigen Mädchen und Frauen, die der IS gelockt hat und die freiwillig in den Irak oder nach Syrien gekommen sind.

Hohe Kosten, offene Finanzierung

Das baden-württembergische Projekt, das ihnen helfen soll, geht auf eine Initiative des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zurück, der es nach dem Flüchtlingsgipfel des Landes im vergangenen Oktober angekündigt hatte. Bis Jahresende sollen insgesamt 650 bis 1000 IS-Opfer aufgenommen werden.

Andere Bundesländer, aber längst nicht alle, wollen dem guten Beispiel aus dem Südwesten folgen. "Das Land Niedersachsen will 70 Frauen und Kinder aus unserem Kontingent aufnehmen. Das Land Hessen prüft derzeit noch", berichtet Klaus-Peter Murawski. Mit einem weiteren Bundesland sei Baden-Württemberg in Vorgesprächen.

Das Land beziffert die Kosten für bis zu 1000 Frauen und Kinder auf 42 Millionen Euro, verteilt auf einen Zeitraum von drei Jahren. Hinzu kommen Kosten für die gesundheitliche Behandlung, etwa der Traumata, von maximal 53 Millionen Euro. Das macht zusammen 95 Millionen Euro.

Die Finanzierung für die Zeit nach 2017 ist noch offen. Nach Murawskis Angaben können die Frauen selbst entscheiden, ob sie zurück in ihre Heimat gehen oder in Deutschland bleiben wollen. Hier hätten sie dann ein Bleiberecht.

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