Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Gesellschaft >

Hart aber fair: Herrmann nennt Roberto Blanco "wunderbaren Neger"

Flüchtlingsdebatte bei "Hart aber fair"  

"Die CSU schürt den Hass!"

01.09.2015, 10:08 Uhr | Nico Damm, t-online.de

Hart aber fair: Herrmann nennt Roberto Blanco "wunderbaren Neger". CSU-Innenminister Joachim Herrmann unterlief bei "Hart aber fair" ein sprachlicher Fauxpas. (Quelle: WDR)

CSU-Innenminister Joachim Herrmann unterlief bei "Hart aber fair" ein sprachlicher Fauxpas. (Quelle: WDR)

Was sollen eigentlich "falsche Flüchtlinge" sein? Warum brauchen sie ein Smartphone? Wer genau schürt in Deutschland gerade Hass? Frank Plasberg stellte bei "Hart aber fair" viele richtige Fragen - und bei den Antworten vergriff sich CSU-Innenminister Joachim Herrmann im Vokabular.

"Die CSU schürt den Hass, wenn sie von Asylbetrügern spricht!" Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter rasselte beim Plasberg-Talk am ARD-Themenabend "Flüchtlinge" ordentlich mit Herrmann zusammen. Der verteidigte die Proteste vor Flüchtlingsheimen: "Nicht jeder, der protestiert, ist gleich ein Neonazi."

Von Herrmanns Aussagen blieb jedoch vor allem eine hängen. Als es um Erfolgsgeschichten von Einwanderern in Deutschland ging, unterbrach Herrmann "Focus"-Chefredakteur Ulrich Reitz mit den Worten: "Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat."

Moderator Plasberg reagierte mit einem "Holla" auf Herrmanns sprachliche Entgleisung. Journalist und Moderator Ranga Yogeshwar sagte: "Zu mir hat man auch schon mal Neger gesagt. Wahrscheinlich ist das Mangel an Differenzierung. Der kommt aber mit der Zeit."

Nimmt Deutschland zu viele Flüchtlinge auf?

Die Talkrunde war mit dem Thema "800.000 Flüchtlinge - schafft Deutschland das?" angekündigt. Klar, dass die Aufregung in den Zuschauerkommentaren groß war. Doch auch Herrmann spielte den Wutbürger: "Deutschland hat einen übergroßen Anteil an den Flüchtlingen."

Eine verpasste Chance für Plasberg, mit Fakten gegen Ressentiments zu punkten. Wir holen es nach: Deutschland nimmt zwar in Europa mit Abstand die meisten Flüchtlinge auf. Gemessen an der Einwohnerzahl sind Länder wie Schweden, Österreich, Ungarn und die Schweiz jedoch stärker betroffen - und im Jahr 1992 kamen mit über 400.000 Flüchtlingen aus dem Jugoslawien-Krieg mehr als doppelt so viele als im vergangenen Jahr.

Mehr Hilfe von Bund und Land gewünscht

Immerhin hatten es die Macher der Sendung geschafft, sich die Lage vor Ort anzuschauen. Ein Kamerateam hatte die Sozialdezernentin der Stadt Königswinter, Heike Jüngling, bei der sehr kurzfristigen Einrichtung eines Erstaufnahmelagers begleitet. Ihr Fazit in der Sendung: "Wir bekommen es hin, brauchen aber mehr Hilfe von Bund und Land."

Was macht die teilweise Überforderung der Behörden und Kommunen eigentlich mit den Flüchtlingen selbst? "Ich habe zehn Jahre lang in drei verschiedenen Flüchtlingslagern gelebt", erzählte Nurjana Arslanova aus dem Kaukasus. Sie war 2002 als junges Mädchen von Dagestan nach Deutschland geflohen. Jahrelang habe ihre vierköpfige Familie in einem 20 Quadratmeter großen Raum gelebt. Die Hausaufgaben machte sie auf dem Boden. "Wie eine Kriminelle" habe sie sich behandelt gefühlt. Nun, nach vielen Jahren des Bangens, darf sie endlich bleiben und eine Ausbildung machen.

Von "richtigen" und "falschen" Flüchtlingen

"Wir haben in so vielen Bereichen keine Arbeitskräfte. Warum schaffen wir für solche Menschen keine Perspektiven?", fragte Peter. Diese Frage wollte in der Runde niemand so recht beantworten. Herrmann beschränkte sich auf das CSU-übliche "es können ja nicht alle kommen", Reitz hat den Begriff "falsche Flüchtlinge" zwar auf den Titel seines Magazins gebracht, erklärte aber ebenfalls nicht, was an den Menschen vom Balkan eigentlich verkehrt ist. Zumal er lobend erwähnte, dass 40 Prozent der Flüchtlinge in Deutschland jung sind und deshalb dem Land helfen könnten.

Yogeshwar warb um Verständnis für Menschen vom Balkan: "In meinem Dorf ist eine Mutter mit einem kranken Kind, das in ihrem Land nicht behandelt werden kann. Das kann man jetzt Missbrauch nennen, aber man muss doch den Menschen sehen." Yogeshwar, der sich für Flüchtlinge engagiert, konnte nebenbei erklären, warum ein Smartphone kein Luxus für diese Menschen ist: Sie halten Kontakt zu ihrer Heimat oder lernen neue Sprachen.

"80 Menschen können sich um einen Flüchtling kümmern"

Plasberg bewies bei dem heiklen Thema Fingerspitzengefühl und hatte gute Fragen parat - da hätten zu einer für eine Talkshow halbwegs informativen Sendung nur noch ein paar Fakten gefehlt, etwa Vergleiche zu Aufnahmeländern wie der Türkei oder auch zur Verantwortung des Westens an den tobenden Kriegen.

Zum Glück hatte Yogeshwar einen schönen Vergleich im Gepäck. "Wenn eine Million Menschen kommen, kümmern sich 80 Menschen um einen Flüchtling. Das ist zu schaffen."

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Madeleinetchibo.deOTTOWeltbildbonprix.deLIDLBabistadouglas.deKlingel

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: