Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Gesellschaft >

UN-Experte: Gewalt wird Flüchtlinge nicht aufhalten

UN-Experten warnen  

Gewalt wird Flüchtlinge nicht aufhalten

25.10.2015, 08:35 Uhr | AP, rtr, dpa

UN-Experte: Gewalt wird Flüchtlinge nicht aufhalten. Ein Boot der italienischen Marine rettet Flüchtlinge vor der Küste von Libyen. (Quelle: Reuters)

Ein Boot der italienischen Marine rettet Flüchtlinge vor der Küste von Libyen. (Quelle: Reuters)

Den Einsatz von Gewalt zur Abwehr der Flüchtlingskrise halten Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen für völlig verkehrt. Die Schutzsuchenden würde man damit nicht aufhalten. 

"Die Menschheit ist auf Migration gepolt", erklärte der UN-Sondergesandte für Migrantenrechte, François Crépeau in New York. Die Schmuggler werde man nur los, wenn den Flüchtlingen und Migranten Mobilität angeboten werde. Die Staaten hätten die Kontrolle über die Grenzen verloren. Sie hätten keine Ahnung, wer hineinkomme, weil Schmuggler den Markt beherrschten.

Crèpeau und der Leiter des UN-Komitees zum Schutz von Migrantenarbeitern, Francisco Carrión, wandten sich insbesondere gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats. Diese berechtigt die Europäische Union zur Inspektion und zur Gewaltanwendung gegen Boote berechtigt, auf denen auf hoher See Migranten aus Libyen geschmuggelt werden. Damit würden skrupellose Schlepper in ihrem Tun nur bestärkt.

Umsiedlungsprogramme auflegen

Stattdessen schlägt Crèpeau Europa vor, für syrische, eritreische und vielleicht afghanische Flüchtlinge das zu tun, was die USA und andere Länder vor fast 40 Jahren für Asylsuchende aus Vietnam und Indochina getan hätten: Über Transitländer über viele Jahre hinweg massive Umsiedlungsprogramme aufzulegen.

"Wenn Kanada, die USA, Australien und Neuseeland sich mit Europa zusammentun und sagen ... lasst uns all die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten aufteilen und zwar über fünf, sechs, sieben Jahre, ... dann werden wir letztlich auf sehr niedrige Zahlen kommen." Wenn es zudem gelinge, in kurzer Zeit Frieden in Syrien zu schaffen, würden viele Menschen auch wieder dorthin zurückkehren, so Crepeau.

Kein vorübergehendes Problem

"Machen wir uns nichts vor", mahnte der UN-Sondergesandte: "Europa und der Rest der Welt sind nicht nur in diesem oder nächsten Jahr mit Massenmigration konfrontiert, sondern zumindest für das nächste Jahrzehnt, wenn nicht sogar für die kommenden Jahrzehnte." Zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten sollten über fünf Jahre hinweg in Europa verteilt werden, forderte er. Das wären 400.000 Menschen pro Jahr, aufgeteilt unter den 28 EU-Staaten oder den 32 Ländern des Globalen Nordens.

"Das ist total machbar", ist Crépeau überzeugt. "Das haben wir in der Vergangenheit getan. Das können wir wieder tun. Wir sind reicher, einwohnerstärker als wir es vor 40 Jahren waren."

Migranten, die in ihrer Heimat kein Essen auf den Tisch bekämen und monatelang versuchten, nach Europa zu gelangen, würden auch weiterhin kommen, weil es für Niedriglohn-Jobs auf den Schwarzmärkten gebe: Im Bauwesen, in der Landwirtschaft, dem Gastgewerbe, Fischfang und im Mineralabbau. Daher müssten die Schwarzmarktarbeit eingedämmt und etwas gegen skrupellose Arbeitgeber unternommen werden.

Carrión sagte, nur 48 Staaten - allesamt Entwicklungsländer - hätten das Abkommen zum Schutz der Menschenrechte von Migranten ratifiziert. Er drängte Europa und andere Zielländer von Flüchtlingen, sich dem Abkommen anzuschließen.


Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: