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Flüchtlingskrise: Österreicher bricht Lanze für Angela Merkel

Experte zur Flüchtlingskrise  

"In zehn Jahren wird man Merkel dankbar sein"

28.10.2015, 14:20 Uhr | t-online.de

Flüchtlingskrise: Österreicher bricht Lanze für Angela Merkel. Bundeskanzlerin Angela Merkel: Heute Buh-Frau - morgen Retterin? (Quelle: AP/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel: Heute Buh-Frau - morgen Retterin? (Quelle: AP/dpa)

Über Bundeskanzlerin Angela Merkel bricht wegen der Flüchtlingskrise massive Kritik herein. Zu Unrecht, glaubt der österreichische Migrationsforscher Rainer Bauböck. "In zehn Jahren wird man einer Kanzlerin Merkel wahrscheinlich dankbar sein", sagt der Politikwissenschaftler voraus.

"Nicht nur, weil sie humanitär richtig gehandelt hat, sondern weil sie etwas getan hat, was zum Vorteil des Wirtschaftsstandorts Deutschland war", erklärte Bauböck, der am Europäischen Hochschulinstut in Florenz forscht, dem Wiener "Standard".

Zwar spielten die Ängste vor einer Überforderung des Sozialstaates durchaus eine Rolle. Diese Herausforderung sei überall in Europa groß. Der Sozialstaat brauche aber Einwanderung "wie die Butter auf dem Brot". Langfristig könnten europäische Staaten ihr Überalterungsproblem nur lösen, indem sie auf Zuwanderung setzten.

Schlecht Qualifizierte haben schlechte Karten

Das gelte allerdings vor allem dann, wenn die Einwanderung langsam und stetig verlaufe - also ganz anders als jetzt, wo täglich bis zu 10.000 Menschen über die Grenzen kommen. Kurzfristig gebe es daher Probleme, weil die Sozialstaaten auf eine kleinere Zahl von Ankömmlingen ausgerichtet seien. Langfristig werde die Einwanderung aber zum Vorteil werden.

Bauböck sieht durchaus die Gefahr eines Verdrängungswettbewerbs im Niedriglohnsektor: "Es gibt ein generelles Problem für schlecht qualifizierte Gruppen der Einheimischen und zuvor Zugewanderten." Das sei aber ein Phänomen, das nicht durch Zuwanderung ausgelöst werde. Vielmehr sei es eine Folge der technologischen Innovation und Auslagerung von Arbeitsplätzen im Zuge der Globalisierung. Eine kluge Politik müsse hier vor allem auf Bildung setzen.

Einwanderung im Bewusstsein der Deutschen angekommen

Bauböck äußerte sich auch zur Frage, warum sich mittelosteuropäische Staaten wie Ungarn, Polen und die Slowakei, aber auch ein westeuropäisches Land wie Dänemark mit der Einwanderung derart schwer tun - im Gegensatz zur Mehrheit der Deutschen oder Franzosen: "Derzeit zeigen sich vor allem Länder wenig aufnahmebereit, in denen die Vorstellung vorherrscht dass sie kulturell homogene Nationalstaaten sind und dies auch bleiben wollen."

Dagegen hätten die Deutschen seit der Jahrtausenwende mehrheitlich eingesehen, dass ihr Land ein Einwanderungsland ist - obwohl es das entsprechende Gesetz noch immer nicht gibt. 

Situation in Passau jetzt "etwas geordneter"

Derweil hielt der Andrang von Flüchtlingen an der österreichisch-deutschen Grenze unvermindert an: Am Dienstag kamen bis in die Abendstunden etwa 5500 Menschen im Raum Passau an, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwochmorgen sagte. Am Montag hatten etwa 8000 Flüchtlinge in Bussen die Grenze zu Niederbayern erreicht.

"Insgesamt ist die Ankunft am Dienstag etwas geordneter abgelaufen", sagte der Sprecher. Gerade am Abend sei es wichtig gewesen, die Ankommenden schnell aus der Kälte zu holen.

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