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Flüchtlingskrise: "Ängste der Deutschen werden sich verändern"

Folgen der Flüchtlingswelle  

Zukunftsforscher: "Die Ängste der Deutschen wachsen"

05.11.2015, 09:57 Uhr | t-online.de

Flüchtlingskrise: "Ängste der Deutschen werden sich verändern". Zukunftsforscher Horst Opaschowski: "Armut benötigt keinen Pass." (Quelle: Reuters)

Zukunftsforscher Horst Opaschowski: "Armut benötigt keinen Pass." (Quelle: Reuters)

Dem Zukunftsforscher Horst Opaschowski zufolge wird sich Deutschland im Zuge der Flüchtlingswelle spürbar verändern. Auch die Richtung, in die es geht, steht für ihn schon fest: Die Fremdenangst wird schon bald alle anderen Sorgen überflügeln, sagt er im Interview mit dem Deutschlandfunk - und gibt der Politik die Schuld. 

"Wir können jetzt schon nachweisen, dass sehr starke Konflikte zwischen Einheimischen, Ausländern, Christen, Muslimen befürchtet werden", begründet der 74-jährige Gründer des Hamburger Opaschowski Instituts seine These. Als sozialer Zündstoff würden diese bereits jetzt folgenreicher eingeschätzt als die Kluft zwischen Arm und Reich: "Die Angstskala der Deutschen wird sich verändern", so Opaschowski.

"Die Angst wächst"

Zwar sei die Angst vor dem Fremden von vornherein "in uns Menschen angelegt - das war schon immer so". Bei seinen seit 2002 durchgeführten Studien zur Fremdenangst habe er aber festgestellt: "Die Angst wächst, Zukunftssorgen werden einfach größer und Ökonomisches wird sekundärer, genauso wie Ökologisches."

Die Schuld für diese Entwicklung gibt der Forscher der Politik. Diese habe über Jahrzehnte verdrängt, dass "Armut keinen Pass benötigt, um internationale Grenzen zu überwinden". Wenn wir das auch in Zukunft nicht beachten, so Opaschowski, "dann droht eines Tages ein Aufstand der Armen, und die Kluft zwischen Arm und Reich wird explosiv".

Obwohl Politiker diesen Konflikt hätten kommen sehen müssen, reagieren sie auf das Erstarken ausländerfeindlicher Bewegungen seiner Ansicht nach "wie Getriebene". 

Gefragt nach seinem Rezept, um dieser Entwicklung zu begegnen, sagt  Opaschowski: "Ich glaube, wir brauchen eine soziale Vision für die nächsten zehn bis 15 Jahre und können nicht einfach alles auf uns zukommen lassen. Wir brauchen einen Deutschlandplan, einen Perspektivplan, der konkrete Angaben darüber macht, wie wir in Zukunft leben wollen. Eigentlich müsste ich sagen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen."

Dabei müsse sich die Gesellschaft "auf eine Gemeinschaft, auf Gegenseitigkeit einstellen, wo wir voneinander lernen und - gerade im Wirtschaftsbereich - voneinander profitieren können".

"Konservative Werte kommen wieder"

Neben der Veränderung der Ängste prognostiziert Opaschowski noch eine weitere große Umwälzung, und zwar in der Wertehierarchie der Gesellschaft. Nach den emanzipatorischen Umwälzungen der 68er-Generation werde sich die Gesellschaft wieder auf konservative Werte besinnen. 

Anders als bisher stünden dann nicht mehr das Ego oder die Selbstverwirklichung des Einzelnen im Vordergrund, sondern der mitmenschliche Umgang. "Emanzipation wird durch Konvention ersetzt", bringt es der Forscher auf den Punkt. "Das heißt, konservative Werte kommen wieder."

Dabei verändern sich laut Opaschowski auch damit verbundene Arbeitstugenden: "Also alles das, was vielleicht in der Zeit nach 68 nicht mehr so gefragt war, wie Fleiß, Disziplin, Pflichterfüllung, steht wieder obenan."

Schon bei seinen aktuellen Studien zu Kindererziehung habe er verblüfft festgestellt, dass bei Eltern schon heute "Ehrlichkeit, Anstand und richtiges Benehmen" statt Individualität oder Selbstbestimmung ganz oben in der Werteskala stünden. "Das haut einen wirklich vom Hocker", sagt Opaschowski. 

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