Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Gesellschaft >

"Hart aber fair": AfD-Chefin Petry macht Krawall bei Plasberg-Talk

Frauke Petry sprengt "Hart aber fair"  

Plasberg: "Das ist doch keine AfD-Sendung hier"

01.12.2015, 16:57 Uhr | David Heisig, t-online.de

"Hart aber fair": AfD-Chefin Petry macht Krawall bei Plasberg-Talk. AfD-Chefin Frauke Petry: verbales Dauerfeuer bei "Hart aber fair".  (Quelle: WDR/Oliver Ziebe)

AfD-Chefin Frauke Petry: verbales Dauerfeuer bei "Hart aber fair". (Quelle: WDR/Oliver Ziebe)

65 Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte in 2015. "Woher kommt der rechte Hass?", fragte deshalb die Talkrunde "Hart aber fair". AfD-Chefin Frauke Petry wies jede Mitschuld ihrer Partei zurück - und nahm mit ausufernden Beiträgen einen Großteil der Sendung in Anspruch. "Das ist doch keine AfD-Sendung hier", protestierte Frank Plasberg. 

"Wenn der Neger brennt, dann feiere ich richtig." Das soll ein Verdächtiger eines Brandanschlags in einer WhatsApp-Nachricht nach seiner Tat geschrieben haben. In einer Nacht Ende August im niedersächsischen Salzhemmendorf. "Hart aber fair" beginnt untypisch: mit einer Reportage über diese perfide Tat dreier junger Menschen. Nach Bekunden ihrer Familien sind sie "nicht ausländerfeindlich". Dieser Einstieg hat es in sich: Man wird mit dem Irrsinn der Täter, der Hilflosigkeit von deren Familien und der Angst der Bedrohten konfrontiert. 

Gewalt ist keine Lösung

Im Publikum herrscht betretenes Schweigen. Dass es so etwas in Deutschland gibt, will man nicht wahrhaben. Es gibt hier doch die Willkommenskultur. Auf dem Podium sitzt Dunja Hayali, Journalistin des ZDF. Sie bekommt den Hass persönlich, auf Social-Media-Kanälen zu hören. "Ich muss auch schlucken", sagt sie über das, was sie da lesen muss. Dennoch: Sie bringt Verständnis für die auf, die ihre Meinungen und Ängste äußern. Wie alle ihre Talkpartner am Abend. Unisono heißt es auch: Wer Gewalt propagiert, überschreitet eine Grenze. Das muss selbst Petry unterschreiben.

Das war’s dann aber auch mit ihrem Verständnis. Abweichende Meinungen würden sofort gebrandmarkt, politische Diskussion wäre nicht gewollt. Der Rechtsstaat versage seit Jahren, wenn das Asylrecht aufgeweicht werde. "Ich bringe auch gerne eine Auswahl mit", erklärt sie zu den Hassbotschaften, die sie erhalte. Autsch! Hayali ist amüsiert. 

Täter kommen aus der Mitte der Gesellschaft

Georg Mascolo hat mit seinem Team von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" die Reportage über Salzhemmendorf gemacht. Für "eine rechte Szene" habe man keine Anhaltspunkte gefunden. "In 60 Prozent der Fälle sind es Leute, die den Behörden überhaupt nicht bekannt sind", sagt er. Die kämen aus der Mitte der Gesellschaft. Boris Pistorius, Innenminister in Niedersachsen, bestätigt das. Die Grenzen würden verschwimmen, man könne das oftmals einer rechten Szene nicht zuordnen.

Aber warum? Plasberg versucht, Antworten anzuregen, hat aber vielmehr Mühe, Ordnung in die Diskussion zu bringen. Zu oft wird nicht geredet, sondern geschrien. Ein Beispiel: Die Äußerung von Joachim Lenders von der deutschen Polizeigewerkschaft, auch Linksextremismus sei gefährlich. Petry applaudiert, Mascolo verdreht die Augen und Pistorius echauffiert sich. Das bei dem Thema der Sendung ins Spiel zu bringen, sei "grotesk".

Die Reaktionen des Publikums

Vielleicht können die Publikumsreaktionen Klarheit bringen. "Voller Leidenschaft dabei" seien die Zuschauer, so Plasberg. Von "Besorgte endlich ernst nehmen" über "Angst vor Überfremdung" bis hin zum befürchteten Rechtsruck ist da alles dabei. Eine Zuschauerin fordert von der AfD "konstruktive Vorschläge". Mehr als gebetsmühlenartige Wiederholungen bringt aber Petry nicht. Auch Pistorius macht keine gute Figur, als er auf die These einer Zuschauerin aus "Unwissenheit entstehe Angst" und daraus Gewalt keine Hoffnungsbotschaft verkünden kann.

Eher zu vernehmen ist, dass Petry Krawall kann. Allein das kontinuierliche Wiederholen ihrer Platte mit den Hits "Staatsversagen", "Keiner will mit uns reden" und "Die Presse lügt doch" bereitet ihr eine Plattform. Dass Plasberg betont, das sei "keine AfD-Sendung hier" hilft da wenig. Die könne man ja mal machen, feixt Petry. Zum Glück gibt es Petrys Parteifreund Björn Höcke und seine historischen Bonmots von der "tausendjährigen Geschichte Deutschlands". Diesem Boomerang kann Petry nicht ausweichen. Was sie dem Geschichtslehrer, der so etwas ihren Kinder erzählt, sagen würde, fragt Plasberg. Als Antwort kommt nicht viel. Außer, dass man mit Höcke über dessen Stil gesprochen habe.

Fazit: viel Gekeife, kaum Erhellendes

"Wir müssen viel häufiger über uns lachen", meint Petry am Schluss der Sendung. In der Tat lacht sie viel: über ihr Bonmot, aus der Lügenpresse die "Pinocchio-Presse" gemacht zu haben. Über Plasberg, der für sie eine besonders lange Nase hat. Und über die anderen auf dem Podium. Denen ist indes nicht zum Lachen zumute. Dass die AfD-Chefin fordert, "nun endlich" in eine Diskussion einzutreten, rettet nichts mehr. Der Zuschauer bleibt ratlos zurück.

Zum Glück bleibt die Erkenntnis: So was wie in Salzhemmendorf will niemand, selbst die AfD nicht, sehen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
HUAWEI Mate20 Pro für 9,95 € im Tarif MagentaMobil M
zur Telekom
Anzeige
Erstellen Sie jetzt 250 Visiten- karten schon ab 11,99 €
von vistaprint.de
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal