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Flüchtlinge könnten bis zu 55 Milliarden Euro im Jahr kosten

IfW: Belastungen tragbar  

Flüchtlinge könnten bis zu 55 Milliarden im Jahr kosten

11.12.2015, 18:11 Uhr | dpa, AFP

Flüchtlinge könnten bis zu 55 Milliarden Euro im Jahr kosten. Eine Flüchtlingsunterkunft am Berliner Flughafen Tempelhof. (Quelle: AP/dpa)

Eine Flüchtlingsunterkunft am Berliner Flughafen Tempelhof. (Quelle: AP/dpa)

Die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland wird voraussichtlich zwischen 25 und 55 Milliarden Euro jährlich kosten. Das schätzt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Diese Zahlen ergab eine Simulation, deren Ergebnisse das IfW nun veröffentlichte. Zugleich betonen die Ökonomen: Das Land könne sich die Zuwanderung in jedem Fall leisten.

Die Schätzungen seien allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Dies gelte besonders mit Blick auf die Zahl der Flüchtlinge und die Geschwindigkeit ihrer Integration in den Arbeitsmarkt, erläuterte der Autor der Studie, Matthias Lücke. 

Selbst im ungünstigsten Fall blieben die Kosten unter zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes - und wären damit für Deutschlands tragbar und kein finanzielles Risiko. Angesichts der ökonomischen Stärke des Landes bliebe die Zuwanderung finanziell "beherrschbar", sagte der IfW-Experte.

Zwei Szenarien durchgespielt

Die Forscher legten für ihre Zahlen zwei Szenarien zugrunde: Im ersten Szenario gingen sie ab 2018 von einer jährlichen Zuwanderung von 360.000 Flüchtlingen aus, wodurch sich die Zusatzbelastungen für die Haushalte auf knapp 25 Milliarden Euro beliefen.

In Anbetracht der Lage in Syrien und anderen Krisengebieten sei eine derartige Verringerung der Zahlen jedoch nicht zu erwarten, sagte Experte Lücke. Ratsam für vorausschauende Haushaltsplanung sei daher, eine dauerhaft hohe Zuwanderung anzunehmen.

Im zweiten Szenario gingen die Forscher daher bis 2020 von einer Million Flüchtlingen pro Jahr aus, wodurch sich die Kosten auf 55 Milliarden Euro belaufen würden.

"Größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung"

Die Finanzpolitik stehe wegen der Zusatzausgaben vor ihrer "größten Herausforderung seit der Wiedervereinigung", sagte Lücke. 

Die IfW-Experten gehen davon aus, dass 30 Prozent der Flüchtlinge das Land wieder verlassen und 70 Prozent dauerhaft in Deutschland bleiben, weil sie politisches Asyl erhielten. Davon könnten sich aber nur 20 Prozent sehr langsam in den Arbeitsmarkt integrieren. 

Je Geflüchtetem setzten die Wissenschaftler Jahreskosten von 13.000 Euro voraus, die sich aus Verwaltungskosten, Investitionen in Infrastruktur und individuellen Ausgaben ergäben. Der Betrag lasse sich jedoch langfristig reduzieren, wenn zunächst zusätzlich pro Kopf 1000 Euro jährlich in die Arbeitsmarktintegration investiert würden. Im günstigeren Szenario sänken die Zusatzkosten dann von jährlich 25 auf 22 Milliarden Euro.

Keine Wohlfahrtseffekte zu erwarten

Insgesamt erwarten die Forscher nicht, dass der Zuzug der Flüchtlinge positive Wohlfahrtseffekte für die heimische Bevölkerung bewirkt. Zwar würden Güternachfrage und Wirtschaftskraft erhöht, zugleich stiegen aber Sozialausgaben und Bevölkerungszahl, hieß es.

 

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