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"Hart aber fair" zu Köln: Angst bewegt die Zuschauer

Plasberg-Runde zu Köln  

Schröder: "Das ist blanke Frauenverachtung"

12.01.2016, 15:16 Uhr | David Heisig, t-online.de

"Hart aber fair" zu Köln: Angst bewegt die Zuschauer. Die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU) beim Plasberg-Talk. (Quelle: ARD / Oliver Ziebe)

Die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU) beim Plasberg-Talk. (Quelle: ARD / Oliver Ziebe)

Frauen diskriminiert, sexuell gedemütigt, bestohlen: Köln lässt 2016 zu einer Fehlgeburt werden. Die Täter? Mutmaßlich Nordafrikaner, Asylsuchende. Wie reagieren Politik und Gesellschaft? Was sagt das Recht? Deutliche Worte fand die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU): "Das ist blanke Frauenverachtung", sagte sie beim Plasberg-Talk.

Es ging gar nicht anders: Frank Plasberg und "Hart aber fair“ mussten in der ersten Sendung 2016 der "Schande von Köln" nachgehen. Zu groß ist das gesellschaftliche Entsetzen. Zu beißend sind die Schuldzuweisungen. Zu hoch die Meinungswelle. Da tut es gut, dass zu Beginn der Sendung eine Betroffene die Diskussion erdet. Die Redaktion nennt sie Anja Meier. "Was an dem Abend passiert ist, verfolgt uns noch eine ganze Zeit", sagt sie. Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit hat sie in der Silvesternacht erlebt. Was genau? Das muss sie gar nicht erzählen. Jeder ahnt es. Entscheidend ist: Sie spricht von Straftätern. "Das hat nichts mit Herkunft zu tun."

NRW-Ministerpräsidentin zeigt sich betroffen

Auf dem Podium findet sie hierfür dankbare Abnehmer. Etwa die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). "Das tut mir richtig weh", sagt sie zu den Ausführungen der Betroffenen. Man glaubt ihr das. So etwas dürfe nicht mehr geschehen. Nur wie? Da ist guter Rat teuer. Kraft kritisiert vermeintliches polizeiliches Fehlverhalten. Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers musste gehen. Krafts Parteifreund und NRW-Innenminister Ralf Jäger darf weiter austeilen. Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung (SZ) sieht das kritisch. Die Aufarbeitung der Silvesternacht habe etwas mit politischer Verantwortung zu tun. Diese trage Jäger. Zudem müsse die Justiz Härte demonstrieren. Strafen müssten auf den Fuß folgen.

Kristina Schröder (CDU) ist die Spielverderberin, als sie die Diskussion mit der Flüchtlingsfrage verknüpft. Man könne nicht wegdefinieren, dass bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit und Gewalt etwas mit dem muslimischen Hintergrund zu tun hätten. "Das ist blanke Frauenverachtung", sagt sie. Wenn man nicht offen darüber spreche, sei das "Wasser auf die Mühlen der Rechtspopulisten".

Polizeivertreter verspielt seine Chance

Einer, der die Vorwürfe gegen die Kölner Polizei kontern könnte, ist der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt. Doch er verspielt diese Chance, kommt kaum zu Wort. So beschränkt sich seine Rolle auf das Wettern gegen die Tatsache, dass die Polizei in die rechte Ecke gestellt werde. Dass man eine politische Erwartungshaltung zu erfüllen habe und ohnehin nicht sagen könne, was gesagt werden müsste. Nämlich im aktuellen Fall, wer die Täter seien.

Renate Künast von den Grünen schießt sich auf Wendt ein, als sie von einem "desaströsen Polizeieinsatz“ spricht. Was sie von der Polizei erwartet habe, fragt Plasberg. Diese habe das Problem nicht ernst genommen. Wendt hat sich hier schon aus der Diskussion verabschiedet. Warum die Polizei am Abend wie gehandelt hat oder auch nicht? Das interessiert auf dem Podium scheinbar keinen.

Angst bewegt die Zuschauer

2016 hat sich nicht geändert, dass Plasberg die Meinung der Zuschauer durch Kollegin Brigitte Büscher spiegeln lässt. Was der Blick auf die Facebook-Seite der Sendung schon am Nachmittag vor der Sendung offenbarte, bringt sie am Abend auf den Punkt: "Die Emotionen gehen durch". Bekenntnisse zur Willkommenskultur, fundierte Kritik an der Asylpolitik oder Äußerungen von Angst und Mitgefühl: Kaum jemand, der nicht seine Meinung zu Köln digital kundtut. Leider auch viel braune Soße. Büscher zitiert eine Dame: "Grenzen dicht, mehr sag‘ ich nicht."

Zum Würzen der Suppe fehlt in der Tat jemand mit einer extremeren Position. Oder jemand, der fundiert die Rolle der Frau im Islam darstellte. So bleibt die Diskussion fade. Beim Thema Integration ist man sich relativ einig. Kraft betont, man müsse "Haltung haben" und "Offenheit bewahren". Prantl meint, man dürfe "die Schuld" nicht auf "hunderttausende Schutzsuchende abladen". Und vor allem dürfe man sich nicht von "der AfD treiben lassen".

Und der Zuschauer? Der bleibt ratlos zurück. Wirklich neue Denkanstöße bringen 75 Minuten Sendung nicht. Da wäre es vielleicht unterhaltsam gewesen, wenn die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker das mit ihrem "Ein-Meter-Armabstand" für Frauen im Studio praktisch demonstriert hätte.

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