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Übergriffe in Köln: "Das ist dunkle Seite der Arabellion"

Köln und die Hintergründe  

"Das ist die dunkle Seite der Arabellion"

14.01.2016, 08:37 Uhr | Von Christian Kreutzer, t-online.de

Übergriffe in Köln: "Das ist dunkle Seite der Arabellion". Silvester am Kölner Hauptbahnhof: Polizisten versuchen, mit enthemmten Jugendlichen fertig zu werden. (Quelle: dpa)

Silvester am Kölner Hauptbahnhof: Polizisten versuchen, mit enthemmten Jugendlichen fertig zu werden. (Quelle: dpa)

Köln, Domplatz an Silvester: Ein junger Araber hat einen anderen zusammengeschlagen, vermutlich auch Frauen belästigt. Die Polizei muss ihn dennoch laufen lassen, denn alle Gefängnistransporter sind voll.

Als die Beamten ihm den Kabelbinder durchschneiden, stellt er sich vor den Polizeiwagen. Er streckt den Beamten seine ausgestreckten Mittelfinger entgegen, spuckt auf die Windschutzscheibe des Polizeiwagens und schreit: "Fuck the police!". 

So hat es der Türsteher Ivan Jurcevic beobachtet, der vor dem Hotel Excelsior aufpasste. Jurcevic hat die ganze Nacht hautnah miterlebt, hat die Respektlosigkeit und Gewalt gesehen, mit der mutmaßliche Nordafrikaner, aufgeputscht von Drogen und Alkohol, vor allem viele Dutzend Frauen attackierten. Aber auch Männer, die Polizei, und selbst den nahezu zwei Meter großen Kickbox-Weltmeister Jurcevic.

Keine Angst mehr vor den alten Autoritäten 

Benno Köpfer, Analyst beim Landesamt für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, sagt: "Das ist die dunkle Seite der Arabellion." Bei den Straßenaufständen des Arabischen Frühlings hätten diese Jugendlichen erlebt, dass man vor der Polizei und vor den alten Autoritäten keine Angst haben müsse - vorausgesetzt, man trete entsprechend aggressiv auf. 

Wissenschaftler sehen das Silvester-Phänomen keineswegs bei allen Muslimen aus dem Nahen Osten. Wohl aber bei einer bestimmten Gruppe von asozialen Jugendlichen vor allem aus Nordafrika, namentlich in Ländern wie Marokko und Ägypten. 

Alltägliche Szene in Kairo: Eine Frau wird auf offener Straße sexuell belästigt. (Quelle: AP/dpa)Alltägliche Szene in Kairo: Eine Frau wird auf offener Straße sexuell belästigt. (Quelle: AP/dpa)

Im Westen wurde die Arabellion zu Recht als großer Befreiungsschlag - mithin eine Französische Revolution auf Arabisch - wahrgenommen. Wie die Französische Revolution zeigt allerdings auch die Arabellion brutale Schattenseiten. Eine davon ist der Verfall dessen, was früher die Gesellschaften zusammen hielt.

"Ich muss mal eine Lanze für die Salafisten brechen" 

Seien westliche oder arabische Frauen früher am Strand von Agadir übel angemacht worden, habe der arabische Ruf "Aib!" ("Schande!") ausgereicht, um ältere Männer auf den Plan zu rufen. Die hätten die Jungen dann erfolgreich zurecht gewiesen, sagt Köpfer.

Heute dagegen gelte bei der nordafrikanischen Unterschicht-Jugend das Motto: "Ich lasse mir von niemandem was sagen."

"Ich muss hier sogar mal eine Lanze für die Salafisten brechen", sagt Geheimdienst-Analyst Köpfer, der im Verfassungsschutz zur Fachgruppe "Islamismus" gehört: Alkohol, Drogen und vor allem die unsittliche Berührung fremder Frauen, lehnten die total ab.

Kairos öffentliche Schande 

Ausgerechnet aber die Kids aus den Armenvierteln von Casablanca, Tanger oder Algier hätten zugleich die "Straßencleverness" um die verunsicherte Staatsmacht - in Marokko, Algerien, aber auch in Deutschland - brutal herauszufordern. 

Ein Ort der Schande ist in diesem Zusammenhang Ägyptens Hauptstadt Kairo: Bei den Demonstrationen auf dem Tahrir-Platz wurden immer wieder Frauen angegriffen. Hooligans rissen ihnen die Kleider vom Leib. Von den Umstehenden versuchten manche zu helfen. Andere gafften nur oder machten mit. 

Ein bekanntes Youtube-Video zeigt, wie ein Pulk von Männern über eine Frau herfällt. Ein mutiger Aktivist im weiß-roten T-Shirt der Frauenorganisation "Nazra" versucht verzweifelt, ihr zu helfen: Mit einem Gaskocher schickt er riesige Flammen in die Menge, die die Vergewaltiger immer wieder zurücktreiben. Irgendwann helfen ihm andere Männer, das Opfer in Sicherheit zu bringen (siehe Video). 

Ägypten gilt bei Kennern Nordafrikas als schlimmstes Pflaster für Frauen überhaupt. Über 90 Prozent von ihnen sollen bereits sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen sein - oft in Bussen oder U-Bahnen, so "Nazra". 

Der Nahostexperte Günter Meyer von der Universität Mainz sagt über die Ausschreitungen: "Die Regime sind erschüttert." Zuvor hätten sie mit äußerster Brutalität jeden Widerstand erstickt. 

"Mit der Arabellion ist die Mauer der Angst zusammengebrochen." Dies gelte leider nicht nur für die Demokratie- und Menschenrechtsaktivisten, sondern auch für die Asozialen.

Experte: Köln war sicherheitstechnisch ein "Ausrutscher" 

Doch auch die westlich von Ägypten gelegenen nordafrikanischen Länder haben in Sachen Übergriffe traurige Berühmtheit erlangt. Jetzt nach den Silvester-Attacken ist vor allem der Ruf der ansonsten für ihren Modernismus bekannten Marokkaner fürs Erste ruiniert. 

Meyer sieht Köln indes eher als sicherheitstechnischen "Ausrutscher". Jetzt seien die Behörden für die Zukunft gewarnt. "Das größere Problem", so der Experte, "sind künftig die Flüchtlingslager."

Dort seien alle zusammengepfercht, die zu Hause verfeindet seien: sunnitische Araber und schiitische Araber, sunnitische Paschtunen mit schiitischen Hasara aus Afghanistan. Christen aus dem Nahen Osten würden von radikalen Muslimen bedroht. 

Die Verwerfungen der Arabellion und der muslimischen Krisenzentren könnten also auch in Deutschland noch weitere Kreise ziehen. 

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