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Köln-Übergriffe: So retteten Syrer eine US-Studentin

Silvester-Horror von Köln  

Wie Syrer zu Rettern einer US-Studentin wurden

18.01.2016, 15:33 Uhr | ckr

Köln-Übergriffe: So retteten Syrer eine US-Studentin . Syrische Flüchtlinge in Köln zeigen ihre Solidarität mit den Opfern der Silvester-Angriffe. (Quelle: Reuters)

Syrische Flüchtlinge in Köln zeigen ihre Solidarität mit den Opfern der Silvester-Angriffe. (Quelle: Reuters)

Die Silvester-Geschichte von Caitlin Duncan klingt zunächst so furchterregend wie Dutzende andere. Doch sie nimmt einen glücklichen Ausgang. Den verdankt sie der Ritterlichkeit einer Gruppe von Syrern. Ein Einzelfall? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die "New York Times" hat Duncans Geschichte aufgeschrieben.

Als die Situation an der Kölner Domplatte gefährlich wird, hat die amerikanische Studentin Caitlin Duncan ihren Freund bereits im Gewühl verloren. Mit ihm verschwinden auch ihr Handy und ihr Geldbeutel, den der junge Mann in seiner Tasche trägt. 

"Was habt Ihr denn für ein Problem?" 

Schnell wird sie von Typen umringt und betatscht. Einer reißt ihr die Mütze vom Kopf, ein anderer versucht, sie auf Mund und Hals zu küssen. Ein dritter umklammert sie von hinten und tastet sie ab - "vermutlich um zu gucken, ob ich was in den Taschen habe", glaubt Duncan.

Sie stößt die Männer zurück so gut sie kann und schreit: "Was habt Ihr denn für ein Problem?" Sie habe gedacht, das sei alles schon ein bisschen komisch, aber es sei ja nun mal Silvester und alle seien betrunken, erzählt die 27-Jährige, die seit rund einem Jahr in Tübingen studiert. 

Duncan rennt zu einem Pulk Polizisten und fordert Hilfe ein. Doch die Beamten sind damit beschäftigt, den Platz zu räumen und ignorieren die Studentin der Neurowissenschaften.

Rettung in der dunkelsten Minute 

Stattdessen wird sie beim Vorrücken der Polizei wieder in die Menge hinein geschoben – eine Katastrophe: Acht oder neun Männer fallen über die 1,55 Meter kleine Frau her, befummeln sie, reißen an ihren Haaren.

Da rastet Duncan nach eigenen Angaben aus, schlägt und tritt um sich, bis sie sich aus dem Pulk herausgearbeitet hat. Jetzt bekommt sie wirklich Angst, wie sie später berichtet. Dass es Dutzenden Frauen genauso geht, wie ihr, erfährt sie erst viel später.

In diesem Moment tritt ein Fremder an sie heran und fragt, ob sie Hilfe braucht. Er ruft seinen Freund hinzu, der gut Englisch spricht – der ehemalige Grundschullehrer Hisham Ahmad Mohammad (32). Er und sein Freund gehören zu einer Gruppe von Kriegsflüchtlingen aus Aleppo.

Zu siebt wollten sie sich das Silvester-Treiben in Köln anschauen und sind vor dem Hauptbahnhof gelandet. Als sie sehen, was dort vor sich geht, wird ihnen das Ganze unheimlich und sie treten den Rückzug an. Dann entdecken sie Caitlin Duncan.

In einem Kordon aus Syrern durch die Menge der Angreifer 

Mohammad spricht später von "bösen Jungs", die betrunken, high und völlig außer Rand und Band gewesen seien (nach Recherchen von t-online.de handelt es sich bei den Tätern vor allem um junge Nordafrikaner aus den Armenvierteln Marokkos und Algeriens – viele von ihnen sollen sich bei der Einreise als Syrer ausgeben). 

Duncan erklärt den Syrern ihre Lage. Sofort bieten die Geld an, damit sie ein Taxi nach Hause bezahlen kann. Duncan will erst ihren Freund suchen, weiß aber dessen Handy-Nummer nicht auswendig.

Also bilden die Syrer einen Kordon um sie herum und eskortieren sie durch die Menge. Irgendwann - im Bahnhofsgebäude - taucht der Freund wieder auf. Duncan weint vor Erleichterung.

Heute sind Duncan, ihr Freund und Mohammad befreundet, haben mehrmals die Woche Kontakt miteinander. Der "New York Times" erzählt Mohammad: "Wir hören dauernd Nachrichten über Flüchtlinge und wie gefährlich die seien und dass sie alle nach Hause gehen sollen."

Das mache ihn sehr traurig, sagt Mohammad. Er wisse ja, dass da "böse Leute" gewesen seien, "aber über die Guten spricht keiner." 

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