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Russland hetzt gegen Deutschland: Experten sind empört

Moskaus Hetze gegen Deutschland  

Experte fordert: "Bis hierher und nicht weiter!"

27.01.2016, 17:32 Uhr | Von Christian Kreutzer, t-online.de

Russland hetzt gegen Deutschland: Experten sind empört. Einmischung in die deutsche Innenpolitik: Moskaus Außenminister Sergej Lawrow. (Quelle: Imago / ITAR TASS)

Einmischung in die deutsche Innenpolitik: Moskaus Außenminister Sergej Lawrow. (Quelle: Imago / ITAR TASS)

"Ich bin sehr ungehalten darüber, dass der russische Außenminister sich bei uns einmischt", schimpft der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-A. Lamers im Gespräch mit t-online.de. Und der Berliner Russland-Experte Sergej Lagodinsky stellt fest: "Berlin muss sagen: Bis hierher und nicht weiter!"

Gemeint ist Putins Chefdiplomat, Sergej Lawrow. Der hatte am Dienstag die deutschen Behörden massiv angegriffen. Thema war, wie schon seit über einer Woche, die angebliche Vergewaltigung einer 13-jährigen Russlanddeutschen in Berlin-Marzahn - eine Vergewaltigung, die nach Überzeugung von Polizei und Staatsanwaltschaft nie stattgefunden hat. 

Russische Staatsmedien machen jedoch seitdem Stimmung, hetzen Russlanddeutsche auf, die vor allem russisches Fernsehen konsumieren, und behaupten, deutsche Behörden und Pressevertreter vertuschten den Fall.

Gestern drehte Moskau die Konfliktspirale ein gutes Stück weiter: Lawrow, der als Außenminister mit dem Fall eigentlich nichts zu tun haben dürfte, bestätigte indirekt, dass Moskau Berlin der Vertuschung des Verbrechens an "unserer Jelena*" verdächtigt: Er hoffe, dass "diese Migrationsprobleme nicht zum Versuch führen, die Wirklichkeit aus irgendwelchen innenpolitischen Gründen politisch korrekt zu übermalen." 

Moskaus "ungesundes Interesse" an Deutschland

Berlin verfiel zunächst in Schockstarre. Rund 24 Stunden lang reagierte das Auswärtige Amt überhaupt nicht. Erst heute machte ein Sprecher des Außenministeriums klar, langfristig gelte immer noch der Grundsatz "Lügen haben kurze Beine". Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte zahm, es verbiete sich, "diesen Vorfall politisch zu instrumentalisieren". 

Politikern wie Lamers dürfte die Reaktion ein wenig zu spät kommen. Attacken wie die von Lawrow müsse man zurückweisen, so der Verteidigungspolitiker, der jahrelang die parlamentarische Versammlung der Nato führte. "Russland soll sich lieber um seinen eigenen Rechtsstaat kümmern - dabei kann es sich von Deutschland noch einiges abgucken", schäumt Lamers.

Auch der Russland-Experte Sergej Lagodinsky, selbst russischer Einwanderer sowie Jurist und Publizist, erklärt: "Berlin muss klarmachen: Bis hierher und nicht weiter." Allerdings dürfe die Bundesregierung den Gesprächsfaden jetzt auch nicht durchschneiden. Dazu hingen zu viele internationale Projekte von der Zusammenarbeit zwischen Berlin und Moskau ab.

Generell, fordern er und andere Experten, muss Deutschland sich aber wehren. Auch bei früheren Gelegenheiten hätten Moskau und die von ihm gelenkten Medien ein "ungesundes Interesse" an prekären Themen gezeigt, in die Russlanddeutsche verwickelt gewesen seien.

"Enttäuschte Liebe" der Russlanddeutschen 

So bei der Diskussion um den Sozialkundeunterricht in Baden-Württemberg. Da hatte es Proteste von Eltern gegeben, denen das Thema Homosexualität zu offen behandelt wurde. Viele dieser Eltern seien konservativ eingestellte Russlanddeutsche gewesen, sagt Lagodinsky. Auch da hätten die russischen Medien zugeschlagen, wenn auch nicht in dem Umfang wie bei der angeblichen Vergewaltigung des Berliner Mädchens.

Lagodinsky sieht bei dem Problem mit den Russlanddeutschen - rund 10.000 sollen am vergangenen Sonntag in verschiedenen deutschen Städten gegen angebliche Versäumnisse der Behörden demonstriert haben - auch eine Mitschuld des Staates: Vieles sei auf "enttäuschte Liebe" der Russlanddeutschen zurückzuführen.

Schwaches Europa - maskulines Russland 

Die seien in dem Bewusstsein, Deutsche zu sein, hierher gekommen. Man habe sie aber nie wirklich als Landsleute anerkannt. Lagodinsky attestiert ihnen ein "post-sowjetisch geprägtes Nicht-Verstehen der deutschen Flüchtlingspolitik". Im Klartext: Durch Isolation und russisches Fernsehen hingen viele noch in alten Denkmustern fest. 

Doch was will Moskau? Nur die Sanktionen wegen der Ukraine-Einmischung loswerden? Ost-Experten glauben, dass Russland vor allem wegen der wegbrechenden Ölpreise wirtschaftlich das Wasser bis zur Unterlippe steht. Putin versuche nun, die Lage in Russland schönzureden, in dem er ein Bild von einem Europa erzeugen lasse, das überrannt werde und hilflos zusehe, wie sich seine Ordnung auflöst.

"Das passt alles in Putins ideologisches Konzept"; sagt Lagodinsky: "Ein schwaches, im Sittenverfall begriffenes Europa - und demgegenüber ein starkes, maskulines Russland." 

"Klar. Wenn Sie wollen, mache ich es!" 

Derweil dreht sich in Russland die antideutsche Hetz-Spirale immer weiter: So versucht heute der "fünfte Kanal" den Tod einer Studentin in Berlin auszuschlachten, die ein psychisch Kranker vor eine U-Bahn gestoßen hatte. Der Täter sei ein Flüchtling gewesen, lügen die Pressefunktionäre. In Wahrheit wurde der Mann in Hamburg geboren.

Um die Wahrheit geht es den russischen Presseleuten dabei offenbar als Letztes. Süffisant berichtet der Journalist Boris Reitschuster auf seiner Facebook-Seite von einer Enthüllungsgeschichte auf der russischen Seite "Theins", die es sich zur Aufgabe macht, die Lügen ihrer Kollegen offenzulegen: 

Deren Mitarbeiter hatten gehört, dass russische TV-Sender Laiendarsteller für Lügengeschichten in Deutschland suchen. In Wallraff-Manier überführten sie zwei Betroffene: So hatte eine gewisse Viktoria Schmidt mit zitternder Stimme vor laufender Kamera erklärt, in Deutschland sei es so schrecklich, dass sie erwäge, zurück nach Russland zu fliehen.

"Theins" rief "Viktoria" unter dem Vorwand an, man suche einen Laiendarsteller - und führte sie aufs Glatteis: "Kann man jemanden finden, der nach unserem Szenario was erzählt, vor laufender Kamera?" "Viktoria": "Klar. Wenn Sie wollen, mache ich es!" 

*Name von der Redaktion geändert 

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