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Handgranate auf Flüchtlingsheim: "Das ist Terrorismus"

Anschlag auf Flüchtlingsheim in BaWü  

Polizei: Granate galt womöglich dem Wachpersonal

29.01.2016, 16:46 Uhr | dpa, dpa-AFX, t-online.de

Handgranate auf Flüchtlingsheim: "Das ist Terrorismus". Polizeipressesprecher Thomas Sebold zeigt auf einer Pressekonferenz im Januar in Villingen-Schwenningen den Tatort auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft. (Quelle: dpa)

Polizeipressesprecher Thomas Sebold zeigt auf einer Pressekonferenz im Januar in Villingen-Schwenningen den Tatort auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft. (Quelle: dpa)

Der Handgranaten-Anschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen sorgt für Entsetzen - und wirft zugleich Rätsel auf. Nach den bisherigen Ermittlungen hält es die Polizei für möglich, dass der Anschlag eigentlich dem Wachpersonal der Einrichtung galt.

Unbekannte hatten in der Nacht auf Freitag eine Handgranate über einen Zaun auf den geteerten Innenhof der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle im Schwarzwald-Baar-Kreis geworfen. Die Granate sei daraufhin an einem Sicherheitszaun abgeprallt und neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegengeblieben, erzählte Rolf Straub von der neu gebildeten, 75-köpfigen Soko "Container". In dem Container hielten sich nach Auskunft von Klemens Ficht vom Regierungspräsidium Freiburg zur Tatzeit drei Sicherheitsleute auf.

Sicherheitsleute im Visier?

Der Sicherheitssplint der Handgranate war Polizeiangaben zufolge gezogen. Die Granate explodierte jedoch nicht und so kamen keine Menschen zu Schaden. Es ist aber fraglich, ob der Container die Mitarbeiter bei einer Detonation geschützt hätte, sagte Dietmar Schönherr von der Kriminaldirektion Rottweil. Splitter der Granate hätten beispielsweise durchs Fenster schlagen können. "Das hätte zu schweren Verletzungen oder auch zum Tode der Personen führen können."

Die Ermittler untersuchen derzeit die genauen Hintergründe der Tat. "Es könnte sowohl gegen Flüchtlinge als auch gegen den Wachdienst gewesen sein", sagte ein Polizeisprecher. "Das Motiv wissen wir noch nicht."

Granate von Entschärfern gesprengt

Nachdem ein Sicherheitsmann die Granate gegen 1.30 Uhr auf dem Boden bemerkte und und die Behörden alarmierte, sperrte die Polizei das Gelände weiträumig ab. Die Granate wurde von Entschärfern kontrolliert gesprengt. 

Der Polizei zufolge mussten rund 20 Bewohner der Erstaufnahmestelle kurzzeitig ihre Wohnungen verlassen. Sie seien in freien Wohnungen untergebracht worden und gegen fünf Uhr morgens wieder in ihre Schlafräume zurückgekehrt. 

Unklar, ob Granate scharf war

Ob die Granate tatsächlich scharf war, wird derzeit noch untersucht. Andreas Stenger, Experte des Landeskriminalamtes, erläutert dazu: Von einer scharfen Granate könne nur gesprochen werden, wenn sowohl Sprengstoff als auch Zünder vorhanden seien. Aus Polizeikreisen hatte es zunächst geheißen, die Handgranate sei scharf gewesen.

"Es steht fest, dass sie mit Sprengstoff gefüllt war", sagte Johannes-Georg Roth, Leiter der Staatsanwaltschaft Konstanz, auf einer Pressekonferenz in Villingen-Schwenningen. "Ob ein Zünder verbaut war, ist bisher nicht bekannt. Das ist die entscheidende Weichenstellung."

"Das ist Terrorismus"

Zahlreiche Politiker reagierten geschockt auf den Vorfall. Guido Wolf, CDU-Spitzenkandidat bei der anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg, sprach von einem "Anschlag gegen die Menschlichkeit". Noch deutlicher wurde Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Er schrieb auf Twitter: "Das ist Terrorismus."

"Das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). "Wir müssen einfach alles dafür tun, dass wir Extremismus, der die rote Linie überschreitet und zu Gewalt übergeht, dass wir den gesellschaftlich radikal ächten."

Auch Bundesjustizminister Heiko Maas meldete sich zu Wort und erklärte: "Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde." Die Täter dürften nicht ungestraft davon kommen. "Sie müssen konsequent ermittelt und bestraft werden", forderte der SPD-Politiker.

Herrmann fordert "null Toleranz" gegen ausländerfeindliche Straftäter

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann warnte zudem vor einer Eskalation rechter Kriminalität. "Der Wurf einer Handgranate ist eine neue schreckliche Dimension ausländerfeindlicher Gewalt", sagte der CSU-Politiker der "Augsburger Allgemeinen".

Herrmann betonte, die Sicherheitsbehörden müssten gegenüber ausländerfeindlichen Straftätern "null Toleranz" zeigen. "Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen, die bei uns Asyl suchen, Angst vor Gewalt haben müssen oder Opfer von Gewalt werden."

"Neue Kategorie des Hasses"

"Der Anstieg von Angriffen gegen Flüchtlinge, Helfer oder Polizisten ist insgesamt dramatisch", sagte Maas. Die "neue Qualität der Hetze und Gewalt" müsse allen Demokraten ein Ansporn sein, noch entschiedener für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten. "Sprengkörper auf Flüchtlingsheime fliegen heute schon, wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt", mahnte der Justizminister.

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter sprach von einer "neuen, erschreckenden Kategorie des Hasses, die ein schrillendes Alarmsignal sein muss." Der Kampf gegen rechten Terror müsse von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Chefsache gemacht werden.

Hinweise an die Kripo Rottweil

Nach dem Anschlag richtete die Kripo Rottweil die Sonderkommission "Container" ein. Derzeit führen Kriminaltechniker umfangreiche Spurensicherungs-Maßnahmen durch. Noch lägen aber keine Hinweise zu den Hintergründen der Tat vor, hieß es. 

Die Polizei bittet um Informationen zu fremden oder verdächtigen Fahrzeugen und Personen, die im Umfeld des Anschlagortes wahrgenommen wurden. Hinweise aus der Bevölkerung nimmt die Kripo Rottweil unter der Telefonnummer 07721 / 477-200 entgegen.

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