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Flüchtlings-Arzt berichtet Erlebnisse aus Flüchtlingsunterkunft

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"Elend und Verzweiflung"  

Mainzer Arzt berichtet über schlimme Verfassung ankommender Flüchtlinge

31.01.2016, 13:47 Uhr | t-online.de

Flüchtlings-Arzt berichtet Erlebnisse aus Flüchtlingsunterkunft. Flüchtlinge in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Deutschland (Symbolbild). (Quelle: dpa)

Flüchtlinge in einer Erstaufnahmeeinrichtung in Deutschland (Symbolbild). (Quelle: dpa)

Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland spaltet die Gesellschaft - in Helfer und Kritiker. Oft bekommen nur diejenigen mediale Aufmerksamkeit, die gegen Flüchtlinge wettern oder Asylheime angreifen. Die Helfer dagegen verrichten ihre Arbeit meist im Stillen. Was sie leisten und dabei erleben, erfährt man nur selten.

Ein Arzt aus Mainz hat nun aber seine Erlebnisse in einer Erdinger Flüchtlingseinrichtung auf Facebook niedergeschrieben und erregt damit Aufsehen. Sein Text zeigt, wie viel Leid Flüchtlinge ertragen müssen, bevor sie endlich wieder in Sicherheit sind.

Rund 190.000 Mal wurde das Posting innerhalb weniger Tage geteilt, obwohl Raphaele Lindemann sich wahrlich nicht kurz gefasst hat. Aber seine Erlebnisse sind so aufschlussreich und berührend, dass man sie einfach zu Ende lesen muss.

Lindemann schreibt, dass er seit fast vier Wochen in dem Erstaufnahmelager arbeitet und für die medizinische Erstversorgung der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zuständig ist. Er untersuche die Menschen, noch bevor sie registriert würden, Kleidung bekämen oder duschen könnten.

Flüchtlinge oft in bedauernswertem Zustand

Lindemann: "Dieser Eindruck ist pur und absolut ungefiltert. Ich kann Euch versichern, dass es absolut unmöglich ist, z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500 km in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist und dabei durch eine 'naive rosarote Gutmenschbrille' zu schauen."

Da seien Kleinkinder in nassen Sachen, mit Lungenentzündung, die sich zusammen mit kaum älteren Geschwistern und der Mutter ganz alleine über das Mittelmeer und Griechenland bis hierher durchgeschlagen hätten. Der Vater kam schon in Syrien ums Leben.

Über einen anderen Fall schreibt Lindemann: "Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung. Diese Frau hat Dankbarkeit ausgestrahlt, weil sie endlich in Sicherheit ist und sich jemand um sie kümmert."

"Elend und Verzweiflung auf einem Haufen"

Auch über die Zusammensetzung der Flüchtlingsgruppen hat Lindemann einen anderen Eindruck gewonnen als manch anderer, der nicht so nahe dran ist: "Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsreglung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40% davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen."

Deshalb schreibt Lindemann Asyl- und Flüchtlingskritikern auch deutlich ins Stammbuch: "Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger?"

Lindemanns kompletten Text können Sie hier lesen.


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