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Clausnitz: Polizei zerrt Asylbewerber brutal aus Bus

Weiteres Video aus Clausnitz  

Polizei zerrte jungen Asylbewerber brutal aus Bus

20.02.2016, 12:28 Uhr | dpa, t-online.de

Clausnitz: Polizei zerrt Asylbewerber brutal aus Bus. Verstörende Szenen aus dem Ort Clausnitz: Ein wütender Mob schimpft gegen Frauen und Kinder. (Quelle: Youtube / Screenshot t-online.de)

Verstörende Szenen aus dem Ort Clausnitz: Ein wütender Mob schimpft gegen Frauen und Kinder. (Quelle: Youtube / Screenshot t-online.de)

Sie suchten Schutz vor dem Krieg und fanden den Terror: Ein Bus voller Asylbewerber wurde im sächsischen Clausnitz von einem tumb-nationalistischem Mob mit fremdenfeindlichen Parolen angegriffen. Nun stellt sich heraus: Auch die sächsische Polizei hat sich offenbar alles andere als korrekt verhalten.

Rund 100 hasserfüllte Fremdenfeinde hatten am Donnerstagabend im osterzgebirgischen Rechenberg-Bienenmühle versucht, die Ankunft der ersten Bewohner in einer neuen Einrichtung zu verhindern. Dabei riefen sie Parolen wie "Wir sind das Volk". Erst nach Stunden konnten die Flüchtlinge, darunter Frauen und Kinder, zu ihrer Unterkunft gebracht werden. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte die Proteste scharf.

Nach Angaben der Polizei hatten die Gegner der Unterkunft die Straße zum Heim mit drei Autos blockiert. Erst nach etwa zwei Stunden seien die Wagen entfernt worden. Im Internet kursierte ein Video, das die tumultartigen Ereignisse am Donnerstagabend im Ortsteil Clausnitz zeigt und auf einer zwischenzeitlich gelöschten fremdenfeindlichen Facebook-Seite veröffentlicht wurde. In dem knapp halbminütigem Film ist zu sehen, wie verängstigt Flüchtlinge in einem Bus sind. Eine Frau und ein Junge weinen. Auf der elektronischen Anzeigetafel des Busses steht "Reisegenuss".

Ministerium kündigt umgehende Prüfung an

Am Abend tauchte eine zweite Videosequenz auf, die der anderen vorauszugehen scheint und den Einsatz der Polizei in ein Zwielicht taucht. Zu sehen ist, wie Polizisten Menschen offensichtlich mit Zwang aus dem Bus holen und in ein Haus bringen. Ein Beamter setzt dazu bei einem wohl halbwüchsigen Jungen einen Klammergriff ein, während draußen der rechte Mob laut johlt. Anschließend ist zu sehen, wie ein anderer Junge freiwillig, aber weinend den Bus in Richtung des Hauses verlässt.

Bei dem Beamten in dem Video handelte es sich um einen Bundespolizisten. Er sei als einer von sechs Bundespolizisten für das Land Sachsen an dem Einsatz beteiligt gewesen, bestätigte ein Sprecher der Bundespolizei.

Dieses Video wurde zuerst bei Twitter und dann Facebook veröffentlicht

Innenminister Ulbig reagierte prompt: "Ich habe mir das Video angesehen. Die Bilder sprechen ihre Sprache." Das Ministerium werde den Einsatz der Polizeidirektion Chemnitz mit allen Beteiligten umgehend auswerten: "Erst dann können wir Konsequenzen ziehen."

Nach Auftauchen des ersten Videos hatte Ulbig betont, es sei "zutiefst beschämend", wie mit den Menschen umgegangen worden sei. "Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern", so der Minister.

Die Polizei war mit 30 Beamten im Einsatz. Sie ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Bürgermeister nimmt Rechte in Schutz

Der Bürgermeister von Rechenberg-Bienenmühle, Michael Funke (parteilos), sagte der "Freien Presse", er schäme sich für das Geschehene. Zugleich nahm er aber die Demonstranten in Schutz. Der Großteil der Menge sei "nicht auf Krawall gebürstet" gewesen. Auch habe der Protest sich nicht gegen die Flüchtlinge gerichtet: "Es ging um die große Politik und nicht um die Menschen an sich."

Es ist nicht das erste Mal, dass in Sachsen ankommende Flüchtlinge mit Protest empfangen wurden. Die bisher schwersten Ausschreitungen gab es im vergangenen August in Heidenau, als Rechtsradikale eine neue Unterkunft in einem Baumarkt belagerten und die Polizei mit Pyrotechnik und Wurfgeschossen attackierten. Zuvor war es bereits bei der Errichtung eines Zeltlagers in Dresden zu Krawallen von Neonazis gekommen. Vorfälle gab es auch in Freiberg und Meerane.

Am Freitag wurde Haftbefehl gegen zwei 16 und 26 Jahre alte Männer erlassen, die am Vorabend einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft im ostsächsischen Löbau verübt haben sollen. Verletzt wurde niemand. Die von den mutmaßlichen Tätern gegen das Heim geworfenen Brandflaschen waren verloschen, ohne großen Schaden anzurichten.

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