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"Hart aber fair": Promis als Beispiele für gelungene Integration

Integrations-Talk bei Plasberg  

Markus Söder warnt vor "No-Go-Areas"

19.04.2016, 11:18 Uhr | Marc L. Merten, t-online.de

"Hart aber fair": Promis als Beispiele für gelungene Integration. Markus Söder spricht bei Plasberg von einer "kulturellen Überforderung" Deutschlands. (Quelle: WDR/Dirk Borm)

Markus Söder spricht bei Plasberg von einer "kulturellen Überforderung" Deutschlands. (Quelle: WDR/Dirk Borm)

Der TV-Talk mit Frank Plasberg am Montagabend drehte sich einmal mehr um Flüchtlinge und Integration. Promis mit Migrationshintergrund dienten als Beispiele für geglückte Eingliederung. Derweil sprach Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) von "kultureller Überforderung" und warnte vor "No-Go-Areas".

Eine Türkin, ein Türke, ein Rumäne, ein Bosnier und Markus Söder treffen sich in einem Fernsehstudio und diskutieren hart, aber fair. Über was? Klar, Integration

"Jede Gesellschaft hat eine Leistungsgrenze"

Unter den Promis war auch der gebürtige Rumäne Maffay, der Flüchtlingen auf seinem Anwesen ein Zuhause gibt. Doch er findet: Irgendwann muss Schluss sein. "Jede Gesellschaft, nicht nur die deutsche, hat eine Leistungsgrenze", so der Rockmusiker. "Wie sehr ist man in der Lage, anderen zu helfen? Ob es aber eine Obergrenze gibt, stelle ich infrage, weil ich nicht weiß, wo die liegen könnte."

Als Beispiel für die Aufnahmekapazität eines Landes bemühte die Talk-Runde immer wieder einen mit Wasser getränkten Schwamm.  Doch wer weiß schon, wie viel Wasser in einen Schwamm geht? Bekannt ist aber, dass "wenn ich einen Schwamm habe und ihn nicht nass mache, zerbröselt er". Dafür muss man nicht einmal Harvard-Absolvent sein, wie Mehmet Daimagüler.

Der Sohn türkischer Gastarbeiter und ehemalige FDP-Politiker weiß es auch so. Weil seine Familie selbst einmal das Wasser und Deutschland einst groß und aufnahmefähig genug war. Was nichts daran ändert, dass Daimagüler bis heute verbittert ist. Zumindest macht er den Eindruck, wenn er über "die kleinen und großen Gemeinheiten im normalen Leben" spricht, die ihn bis heute "wie einen Fremdkörper" in dem Land vorkommen lassen, in dem er nun sein ganzes Leben lang lebt.

Es sind Politiker wie Söder, die in ihm den Groll aufkommen lassen, "weil wir Jahrzehnte verloren haben, in denen Parteien wie Ihre (CSU) gesagt haben, wir seien kein Einwanderungsland". Damals wie heute verstünden die Menschen nicht, dass "Ankommen ein Prozess" sei, nicht von heute auf morgen oder in einem vorgegebenen Zeitraum funktioniere. Auch nicht, wenn Gesetze das so vorgäben.

"Politik muss für Planbarkeit sorgen"

Mit in der Runde war auch Bundesligakicker Neven Subotic. Der Fußball-Star von Borussia Dortmund verdient heute Millionen. Dass er das kann, verdankt er aber einer Familie in einem Vereinsheim, die ihn und seine bosnische Familie einst unter ihrem Dach wohnen ließ. Sein Vater musste damals von Tür zu Tür gehen und um Arbeit bitten. Weil schon damals wie heute galt: Die Politik tut nicht genug, um integrationswillige Menschen zu unterstützen. "Das Angebot muss realisierbar und zugänglich für Zuwanderer werden, die Politik muss dafür sorgen, dass die Menschen Planbarkeit haben."

Mit Planbarkeit meint er, wie auch die TV-Moderatorin Nazan Eckes, die Sicherheit, die Flüchtlinge brauchen, um ihre Angst hinter sich zu lassen und zu wissen: "Wir können bleiben." Zur Erinnerung: Ankommen als Prozess - ein Prozess, der Generationen dauern kann. Vor allem dann, wenn durch neue Flüchtlingswellen alte Diskussionen wieder aufbrechen und sogar dazu führen, dass damalige Flüchtlinge (oder Einwanderer) heute sagen: Mehr Flüchtlinge? Bitte nicht! Das zumindest suggerierte eine Umfrage, die Plasberg einspielte. "Sie hätten ja mal türkische Studenten an Unis fragen können", konterte Eckes die offensichtlich wenig repräsentative Erhebung, die genauso wenig Aussagekraft hatte wie ein Beispiel, dass ein muslimischer Mann im Krankenhaus ein Kruzifix im Zimmer entfernt hatte. Einzelfälle, die zu nichts anderem dienen, als Stimmung zu machen. Das sollte auch ein Frank Plasberg wissen.

"Wer integrationswillig ist, hat Chancen"

 Apropos Stimmung: Dafür war Markus Söder ja auch noch da. Der Scharfmacher der CSU sprach von einer "kulturell überforderten" deutschen Gesellschaft, warnte vor "No-Go-Areas" in Deutschland, vor Blauäugigkeit unbegrenzter Zuwanderung. "Wer integrationswillig ist, hat Chancen. Wer nicht, der nicht", lautet das Credo des Bayern. Es gebe kaum ein Land, in dem man noch so tolerant sei wie in Deutschland, findet Söder. Aber es gehe ja nicht um die "Oberen Zehntausend" (zu denen sich der Politiker selbst zählte), sondern um den kleinen Mann, den Durchschnitts-Bio-Deutschen, um den man sich auch kümmern müsse. Da schließen wir uns Söder doch einfach an und sagen: "Schwamm drüber!"

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