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"Die enthemmte Mitte": Rechtsextreme greifen immer öfter zu Gewalt

Studie zu rechtsextremen Einstellungen  

Gesellschaft zunehmend polarisiert - Hemmschwelle zur Gewalt sinkt ab

15.06.2016, 19:01 Uhr | t-online.de , AFP

"Die enthemmte Mitte": Rechtsextreme greifen immer öfter zu Gewalt. "Rechtsextrem und islamfeindlich": Pegida-Demonstration in Dresden. (Quelle: dpa)

"Rechtsextrem und islamfeindlich": Pegida-Demonstration in Dresden. (Quelle: dpa)

Die Universität Leipzig führt alle zwei Jahre eine repräsentative Erhebung zu rechtsextremen Einstellungen in Deutschland durch. Ihre jüngste Studie heißt "Die enthemmte Mitte". Demnach ist unsere Gesellschaft zunehmend polarisiert. Bei Personen mit rechtsextremen Einstellungen stellt die Erhebung zudem eine wachsende Gewaltbereitschaft fest.

Insgesamt gebe es zwar keine Zunahme rechtsextremer Einstellungen, sagt Oliver Decker vom Kompetenzzentrum für Rechtsextremismus- und der Demokratieforschung der Universität Leipzig. Im Vergleich zur Vorgänger-Studie befürworteten aber "Gruppen, die rechtsextrem eingestellt sind, stärker Gewalt als Mittel der Interessendurchsetzung". Nachgelassen habe bei diesen Personen zudem das Vertrauen in Einrichtungen wie Polizei oder politische Parteien.

Die Tendenz zur gestiegenen Gewaltbereitschaft spiegelt sich auch in Angaben des Verfassungsschutzes wider. So stellte der neueste Verfassungsschutzbericht bereits im letzten Quartal 2014 eine Zunahme der Straftaten gegen Asylunterkünfte fest und attestierte eine zunehmende Gefahr, die auch wegen ihrer Waffen-Affinität von dieser Szene ausgeht. Laut des im April veröffentlichten Berichts des sächsischen Verfassungsschutzes hat sich im Freistaat die Zahl rechtsextremer motivierter Straftaten von 2014 auf 2015 etwa verdreifacht. Dazu zählen Pöbeleien gegen Flüchtlinge, aber auch Körperverletzungen und Brandstiftungen.

Deutliche Polarisierung

Nach Erkenntnissen der "Mitte-Studie" der Uni Leipzig steht den Gruppen mit rechtsextremen Einstellungen eine deutliche Mehrheit gegenüber, die Gewalt deutlich stärker ablehnt, als das noch 2014 der Fall war. "Beides steht in Deutschland nebeneinander: Wir haben Menschen, die sich aktiv um Flüchtlinge bemühen, und es gibt Menschen, die Flüchtlinge aktiv ablehnen", sagt Studienleiter Decker. Damit habe eine deutliche Polarisierung und Radikalisierung stattgefunden.

Einher mit der Radikalisierung gehe auch eine wachsende Ablehnung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen wie Muslime, Sinti und Roma oder Homosexuelle. Beispielsweise erklärten mehr als 40 Prozent der Befragten, sie fänden es ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssten. 2011 sagten das nur rund 25 Prozent. Jeder Zweite gab an, er fühle sich durch die vielen Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land. 2014 empfanden das nach der Studie zufolge nur 43 Prozent der Befragten.

Besonders sichtbar werden die Einstellungen laut Decker bei Anhängern von Pegida. "Wer Pegida befürwortet, ist zumeist rechtsextrem und islamfeindlich eingestellt und sieht sich umgeben von verschwörerischen, dunklen Mächten", so der Forscher. Alter, Bildung oder Haushaltseinkommen spielten dagegen keine Rolle.

AfD-Anhänger haben politische Heimat gefunden

Auch die Anhänger der Alternative für Deutschland (AfD) haben sich die Wissenschaftler in der Studie näher angeschaut. Ein Großteil der AfD-Wähler teilt der Studie zufolge "eine menschenfeindliche Einstellung". Demnach seien sie nicht etwa von der Partei "verführt" worden, sondern fänden mit ihren vorhandenen Einstellungen nun eine politische Heimat.

Darüberhinaus seien die Vorurteile der AfD-Wähler auch bei der Gruppe der Nichtwähler sehr verbreitet. "Das Potenzial für rechtsextreme oder rechtspopulistiche Parteien ist noch größer als es die Wahlergebnisse bislang zeigen", lautet somit ein weiteres Fazit der Studie.

Für ihre Untersuchung befragten die Wissenschaftler der Universität Leipzig bundesweit 2420 Personen zu den Themen Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus, Sozialdarwinismus, Chauvinismus und Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die "Mitte-Studien" werden seit 2002 alle zwei Jahre durchgeführt.


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