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Allensbach: Bei der Generation Mitte dominieren die Ängste

Lage gut, Stimmung mies  

Bei der Generation Mitte dominieren die Ängste

11.09.2016, 11:15 Uhr | Basil Wegener, dpa

Allensbach: Bei der Generation Mitte dominieren die Ängste. Trotz persönlichem Wohlbefinden: Die Generation Mitte schaut so skeptisch in die Zukunft wie lange nicht mehr. (Quelle: dpa)

Trotz persönlichem Wohlbefinden: Die Generation Mitte schaut so skeptisch in die Zukunft wie lange nicht mehr. (Quelle: dpa)

Gute Lage - schlechte Stimmung: Die Generation Mitte ist in Sorge. Die Kurve der Hoffnungen und Ängste in Deutschland zeigt nach unten wie seit Jahren nicht.

Derzeit blicken nicht mehr als 43 Prozent der mittleren Generation zwischen 30 und 59 Jahren hoffnungsvoll nach vorne. In den vergangenen Jahren dominierten noch bei 52 bis 57 Prozent die Hoffnungen. Wie dramatisch ist der Stimmungseinbruch angesichts von Flüchtlingen, sozialer Ungerechtigkeit, von Fremdenhass und drohendem Terror?

"2016 ist das Jahr der Ängste", sagte der Heidelberger Politologe Manfred Schmidt im Juli. Jetzt zeigt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Versicherungswirtschaft ein gemischtes Bild - und deutliche Widersprüche.

Skepsis trotz persönlichem Wohlbefinden

Es liegt einerseits schon acht Jahre zurück, dass es weniger Optimismus gab. Damals, zur Finanzmarktkrise, blickten nur 34 Prozent mit Hoffnungen in die nächste Zeit. Davor waren es die Anschläge vom 11. September, die Rezession nach dem Einheitsboom und die zwei Ölkrisen, die den Bundesbürgern die Stimmung verhagelten - allerdings auch damals jeweils mit noch schlechteren Werten als derzeit.

Befürchtungen und Skepsis dominieren momentan bei zwei von fünf Vertretern der mittleren Generation - gleichzeitig aber ist das persönliche Empfinden durchaus positiv. Zwei von drei sagen, es lebe sich gut in Deutschland, 15 Prozent sogar sehr gut. 42 Prozent geben zu Protokoll, ihre soziale Stellung sei höher als die ihrer Eltern. Nur jeder Zehnte schätzt sie als schlechter ein.

Bürger reagieren auf Kontrollverlust der Politik

Großteils geht es aufs Konto der etablierten Parteien, dass die Stimmung schlechter ist als die reale Lage vieler Menschen - das meint Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher.

Viele Politiker hätten das Signal ausgesendet, dass man sich keine Sorgen machen müsse, als vor einem Jahr Hunderttausende Flüchtlinge kamen. Gleichzeitig hätten viele Bürger aber den Kontrollverlust der Politik gespürt.

"Alle Parteien unterschätzen den Vertrauensverlust, den sie sich einhandeln", meint Köcher. Das Ergebnis: der Höhenflug der AfD.

Diffuse Abstiegsängste

Dabei brummt die Konjunktur. Die Beschäftigung liegt auf Rekordniveau. Doch 44 Prozent meinen, ihr Einkommen könnte in den kommenden Jahren nicht reichen. Zwei von fünf fürchten einen sinkenden Lebensstandard. Die Ängste vor Wohlstandsverlust bleiben aber doch allgemein - und meist auf die fernere Zukunft gerichtet.

Gar keine oder eine weniger große Angst, selbst sozial abzusteigen, haben 75 Prozent - eine wachsende generelle Gefahr für sozialen Abstieg sehen aber 62 Prozent. 60 Prozent fürchten, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können.

Besitz nicht gerecht verteilt?

Und nicht alle Ängste haben einen aktuellen realen Hintergrund: So ist der Anteil derer, die einen Wertverlust des Geldes und somit der eigenen Ersparnisse fürchten, von 35 auf 40 Prozent gestiegen - in Zeiten von Nullinflation. Auf der anderen Seite sieht jeder Dritte die niedrigen Zinsen als Gefahr.

Es geht zwar 39 Prozent selbst besser als noch wenige Jahre zuvor, wie die Befragten selbst sagen. Aber fast zwei von drei finden, die Verhältnisse bezüglich Verdienst und Besitz in Deutschland seien nicht gerecht.

Was ist aus Sicht der Menschen also zu tun? Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung durchzusetzen, fordern 72 Prozent. Steuerschlupflöcher abschaffen wollen 71 Prozent. Dass der Arbeitslohn spürbar über staatlicher Unterstützung  liegen soll, befürworten 70 Prozent. Höherer Mindestlohn oder eine Vermögensteuer findet dagegen nur etwas weniger als jeder Zweite gut.

Was macht der Generation Mitte Angst?

Wachsende Unterschiede zwischen Arm und Reich, steigende Fremdenfeindlichkeit, terroristische Anschläge, viele Flüchtlinge, steigender Rechtsextremismus, die Wirtschaftslage der Eurozone und die demografische Entwicklung mit immer mehr Älteren - das sind die Risiken, die von den Menschen mit Werten zwischen 68 und 56 Prozent als am brenzligsten für das Land angesehen werden. Gefolgt von islamischem Einfluss.

Doch die Erfahrung lehrt: Die Kurve der Hoffnungen und Ängste kann auch wieder auf einen neuen Kurs kommen. "Eine Bevölkerung bleibt nicht dauerhaft in so einem Stimmungstief", sagt Demoskopin Köcher. "Hoffentlich wird der Zukunftsoptimismus wieder ansteigen." Dies werde aber wohl nur passieren, wenn es keine Terroranschläge gebe und es bei der Integration der Flüchtlinge vorangehe.

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