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Schock nach al-Bakr-Suizid: "Was ist denn wieder in Sachsen los?"

Schock nach Bakr-Selbstmord  

"Was ist denn schon wieder in Sachsen los?"

13.10.2016, 12:02 Uhr | Christian Kreutzer mit Material von dpa

Schock nach al-Bakr-Suizid: "Was ist denn wieder in Sachsen los?". JVA Leipzig: Wie konnte es zu dem Selbstmord von Dschabr al-Bakr kommen? (Quelle: dpa)

JVA Leipzig: Wie konnte es zu dem Selbstmord von Dschabr al-Bakr kommen? (Quelle: dpa)

Nach dem mutmaßlichen Selbstmord des unter Terrorverdacht stehenden Syrers Dschabr al-Bakr steht die sächsische Justiz am Pranger. Denn was auch passiert ist: Offenbar ist bei der Aufsicht des Untersuchungshäftlings mächtig geschlampt worden, so der Tenor.

Die nordrhein-westfälische CDU-Politikerin Cemile Giousouf sagte t-online.de: "Ich bin im ersten Moment - ohne weitere Hintergründe - schockiert und entsetzt, dass es dazu kommen konnte." Sie sorge sich angesichts dessen sehr darum, wie es mit dem Schutz der drei Männer aussehe, die Al-Bakr der Polizei ausgeliefert hätten.

Vorwürfe auch aus Sicherheitskreisen

Ein Experte aus deutschen Sicherheitskreisen - deren Angehörige dürfen in Presseberichten namentlich nicht genannt werden - sagte t-online.de, er schließe sich CDU-Politiker Wolfgang Bosbach an. Der hatte im Deutschlandfunk ironisch erklärt, am Ende werde man sich in Sachsen bescheinigen, "wie immer alles richtig gemacht" zu haben.

Auf die Frage, was seiner Meinung nach von der Anschuldigung Al-Bakrs gegen seine drei Auslieferer zu halten sei, diese seien Mitwisser gewesen, sagte der Experte: "Nichts. Und es wundert mich auch schon wieder, wie das, was einer in der Erstvernehmung sagt und was erst mal zwischen zwei Aktendeckel und sonst nirgendwohin gehört, an die Öffentlichkeit dringen konnte."

Der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour sagte t-online.de: "Wie kann man eine wichtige Quelle, von der man weiß, dass sie suizidal ist, so unbeaufsichtigt lassen?" Al-Bakrs Rechtsanwalt, Alexander Hübner, hatte die Justiz nach eigenen Angaben deutlich auf solche Tendenzen bei seinem Mandanten hingewiesen. "Natürlich passieren auch Fehler", sagte Nouripour. Die müssten aber irgendwann auch mal Konsequenzen haben.

Der SPD-Verteidigungsexperte Johannes Kahrs schrieb: "Was ist denn schon wieder in Sachsen los? Irre." Der SPD-Außenpolitiker Niels Annen kommentierte, er sei "sprachlos". "Was ist da los?!", fragte auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

"Ein offenes Geheimnis auch innerhalb der CDU"

Der Grünen-Haushaltspolitiker Tobias Lindner schrieb auf Twitter: "Wie kann jemand, der angeblich unter ständiger Beobachtung stehen soll, erhängt aufgefunden werden?" Er sei fassungslos.

Die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag, Steffi Lemke, pochte auf eine zügige Aufklärung durch die sächsische Justiz. "Ich erwarte, dass es morgen bessere Erklärungen zum Tod von Al-Bakr gibt als das Abtauchen aller Zuständigen heute", schrieb Lemke am späten Mittwochabend.

Der konservative Seeheimer Kreis der SPD twitterte noch in der Nacht vom "totalen Kontrollverlust der Behörden" in Sachsen.

Als Heimat von Pegida, Schauplatz zahlreicher ausländerfeindlicher Übergriffe - und zumindest gefühlter Untätigkeit der Behörden - erscheint das Bundesland Sachsen in einem immer kritischeren Licht. Das belegen auch die nachlassenden Zahlen beim Tourismus.

Ein CDU-Politiker, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte t-online.de: "In Sachsen  wird versucht, eine Tatsache, die offensichtlich ist (Anm.: Ausländerfeindlichkeit und rechtsradikale Tendenzen) klein zu  reden." Das sei ein offenes Geheimnis auch innerhalb der CDU. Es fehle dort an Sensibilität und Offenheit.

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