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Kriminologe Christian Pfeiffer: "Al-Bakr war hochgradig selbstmordgefährdet

Sachsens Justiz in der Kritik  

Experte: Al-Bakr war hochgradig selbstmordgefährdet

14.10.2016, 09:31 Uhr | AFP

Kriminologe Christian Pfeiffer: "Al-Bakr war hochgradig selbstmordgefährdet. Die JVA in Leipzig, in der sich Dschaber al-Bakr erhängt hat. (Quelle: dpa)

Die JVA in Leipzig, in der sich Dschaber al-Bakr erhängt hat. (Quelle: dpa)

Für Kriminologe Christian Pfeiffer sei die Suizidgefahr des Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr eindeutig zu erkennen gewesen. Über die Zustände in Polizei und Justiz in Sachsen zeigte er sich entsetzt.

In der "Neuen Presse" aus Hannover vertrat Pfeiffer die Auffassung, die Selbstmordgefährdung des 22-jährigen Syrers sei klar zu erkennen gewesen.

"Eigentlich wollte er einen Heldentod sterben. So einer ist hochgradig selbstmordgefährdet", sagte der Kriminologe. Pfeiffer verwies auf den emotionalen Zustand des Syrers, der wegen der Vorbereitung eines Anschlags festgenommen worden war.

Pfeiffer sieht strukturelle Probleme bei Polizei und Justiz

Der 22-Jährige sei in seinem Vorhaben "erbärmlich gescheitert", sagte Pfeiffer, in seinen Augen ein Versager, der ohnehin zum Sterben entschlossen gewesen sei.

Der Terrorverdächtige hätte in einer Zweierzelle mit einem arabisch sprechenden Untersuchungshäftling untergebracht oder in der Zelle lückenlos überwacht werden müssen, betonte der Kriminologe, der Polizei und Justiz in Sachsen zudem strukturelle Probleme bescheinigte. "Das sieht man ja auch daran, dass in Sachsen fünfmal so viele rechtsextrem motivierte Taten passieren wie im Rest der Republik."

GdP-Chef fordert mehr Personal

Der Vize-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, forderte derweil eine permanente Überwachung mutmaßlicher Selbstmordattentäter durch Videokameras oder Sitzwachen in den Haftanstalten. "Wir brauchen eine permanente Überwachung von potenziellen Selbstmordattentätern in den Haftanstalten", sagte Radek der "Rheinischen Post".

Eine solche Dauer-Überwachung erfordere "mehr Personal für Sitzwachen vor der Zelle oder für die Videoüberwachung".

"Nicht nur die Polizei, alle Sicherheitsbehörden müssen sich stärker auf die Denkweise eines Selbstmordattentäters einstellen", sagte Radek. "Ein mutmaßlicher IS-Terrorist ist kein herkömmlicher Verdächtiger. Wir müssen verinnerlichen, dass dieser Tätertypus sich selbst aufgegeben hat."

In der Zelle erhängt

Al-Bakr hatte sich am Mittwoch in seiner Gefängniszelle in Leipzig erhängt. Er war nach einer bundesweiten Fahndung in der Nacht zum Montag wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen worden.

Nach Hinweisen des Verfassungsschutzes waren in seiner Chemnitzer Wohnung anderthalb Kilogramm hochexplosiven Sprengstoffs gefunden worden. Er soll Anschläge auf Züge beziehungsweise Flughäfen geplant haben.

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