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Nora Illi erhitzt bei "Anne Will" mit Nikab die Gemüter

"Anne Will" zu Radikalisierung  

Talkshow-Gast mit Nikab erhitzt die Gemüter

07.11.2016, 13:48 Uhr | David Heisig, t-online.de

Nora Illi erhitzt bei "Anne Will" mit Nikab die Gemüter. Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz, in der Sendung "Anne Will".  (Quelle: Screenshot ARD)

Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz, in der Sendung "Anne Will". (Quelle: Screenshot ARD)

Mit dem "Tatort: Borowski und das verlorene Mädchen" hat die ARD sich eines düsteren Themas angenommen: der Radikalisierung Jugendlicher durch islamische Fundamentalisten. Das wollte Anne Will in ihrem Talk im Anschluss vertiefen und fragte, warum die das mit sich machen lassen. Neue Denkanstöße? Fehlanzeige.

Die Gäste

  • Sascha Mané, Kampfsport-Trainer
  • Nora Illi, Frauenbeauftragte des islamischen Zentralrats der Schweiz
  • Wolfgang Bosbach (CDU), Innenexperte
  • Ahmad Mansour, Islamismus-Experte und Psychologe
  • Mohamed Taha Sabri, Imam

Das Thema

Der Stoff berührte. Im "Tatort" wurde die Wandlung einer wohlbehüteten jungen Frau zu einer radikalisierten Kämpferin gezeigt. "Wie kann das sein?", mag sich der Zuschauer gefragt haben. Eine Realität, die Mané Tag für Tag erlebt. Seine Tochter radikalisierte sich und ist in Syrien verschwunden. "Erkennen Sie Ihre Tochter in dem Tatort wieder?", fragte Will. "Nein", war die Antwort.

So real war der Fernsehfilm dann auch wieder nicht. Einige Situationen seien aber ähnlich gewesen. Staatsorgane arbeiteten nicht zusammen, Betroffene stünden alleine da. Wichtiger war ihm, warum Jugendliche nach Syrien gingen. "Wir vermitteln ihnen keine Werte mehr", meinte Mané.

Die Fronten

"Was hat Ihre Tochter dann im Islam gesucht?", fragte Will. Sie wollte wohl die Welt verbessern, der Islam predige Frieden, antwortete der Vater. Kontakt hätten sie kaum mehr. Das schmerzte ihn sichtlich. Ihm gegenüber saß Illi, ein Nikab verschleierte ihr Gesicht. Sie schien genau Abbild dessen zu sein, was Manés Tochter im Glauben zu suchen scheint. Illi sprach von der Vielfältigkeit, der Liebe des Islam. Ihre Vollverschleierung wirkte da wie ein gegenteiliges Statement, provozierte.

Vor allem Mansour, der sich selbst aus den Fängen der Radikalen befreit hatte, schien bei ihrem Anblick schnell auf 180 zu kommen. Daneben saß Sabri, ein Islamgelehrter, Imam einer für Integration ausgezeichneten Moschee. Vier Muslime in der Runde, die schnell bewiesen, wie uneinig sich eine Religion sein kann.

Kern der Diskussion

Will versuchte, den Imam aus der Reserve zu locken. Was er täte, wenn eine Vierzehnjährige zu ihm käme, die nach Syrien wolle. Sabri wich aus, sprach über familiäre Probleme der Kinder als häufigste Ursache. Will bohrte nach. Sabri sagte daraufhin, Aufklärungsarbeit sei wichtig. Diese leiste man in seiner Moschee als Teil von Integrationsarbeit. Warum man dort dann Hasspredigern eine Plattform biete, so der Vorwurf an ihn. Der Imam wich wieder aus. Bei 150 Gastrednern im Jahr könne man nicht alle Reden überprüfen.

Moscheen könnten Lösungen bieten, seien aber Teil des Problems, so Mansour. Bosbach sah vor allem die Gefahr darin, dass "Seelenfänger unterwegs sind", die die Menschen für ihre Zwecke instrumentalisierten. Der Staat müsse den Opfern helfen, sagte der CDU-Mann, wohl auch im Hinblick auf Manés Vorwurf, man tue zu wenig, um Islamisierung zu verhindern.

Aufreger des Abends

Die hatten alle mit Illi und deren Ansicht zu tun, die Gründe für Radikalisierung lägen vor allem in der islamophoben Gesellschaft. Ihr Loblied auf die Frauenfreundlichkeit des Islam mochte im Hinblick auf ihre Vollverschleierung noch etwas verstörend Amüsierendes haben. Mansour musterte sie und betonte: "Sie schließen sich selbst aus." Der Nikab sei nicht Freiheit, sondern Unterdrückung. Der radikale Islam sei kein Teil der Gesellschaft. Mansour unterstellte ihr, missionieren zu wollen und die gepredigte Toleranz selbst gar nicht zu praktizieren.

Schnell kam das Gegenargument, ihr würden die Worte im Mund verdreht. 17,5 Prozent der Deutschen seien islamfeindlich. Woher sie diese Zahlen habe, fragte Will. Illis Antwort ähnelte einem "Aus-dem-Hut-gezaubert". Endgültig aus mit Mansours und Bosbachs Verständnis war es allerdings, als Will einen Post Illis im sozialen Netzwerk ihres Verbandes präsentierte. Darin zeigte sie Verständnis für jene, die nach Syrien in den Krieg zögen. Die Argumente wiederholten sich: Islamophobie, Repression. "Das ist Propaganda. Hören sie auf", forderte Mansour.

Illi sprach von einer "bitterharten Langzeitprüfung" für die Krieger in Syrien. Bosbach brachte das an die Decke. Will war nicht zu beneiden. Bosbach warf ein, der Staat tue sehr viel, um Radikalisierung zu verhindern und das öffentlich-rechtliche Fernsehen biete Leuten wie Illi eine Propagandaplattform. Man müsse die Positionen abstecken, konterte Will.

Was schade war

Es blieb nicht viel an Erkenntnissen über: Die Islamisten instrumentalisieren eine Religion für ihre Zwecke. Jugendliche sind affin für die Radikalen, weil die ihnen den Halt vorgaukeln, der ihnen fehlt. Es muss ein Islamverständnis geschaffen werden, das zwischen den Werten vermittelt. Ein bisschen weniger Lautstärke, Krakeel und Rechthaberei hätten der Runde gut getan. Warum sich Menschen radikalisieren lassen, konnte der "Tatort" auch nicht beantworten. Da wünschte sich die Hauptfigur, einen Gott zu finden, "der Wunden heilt".

Nach 90 Minuten beschränktem Einblick in eine verschlossene Welt, profane Eifersucht und ein wenig Staatsversagen war sie tot. Nicht wegen einer Religion, sondern weil sie sich selbst getötet hat. Sie konnte den Tod ihrer großen Liebe nicht verwinden. Auch Will schaffte es am Ende nur, Mané zu fragen, ob er hoffe, seine Tochter wiederzusehen. Der wusste nicht was er sagen sollte und Bosbach warf ein: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

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