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"Hart aber fair"-Kritik: Jahresrückblick mit Frank Plasberg misslingt

TV-Kritik zu "Hart aber fair"  

Plasbergs Jahresrückblick auf 2016 misslingt

13.12.2016, 13:47 Uhr | David Heisig, t-online.de

"Hart aber fair"-Kritik: Jahresrückblick mit Frank Plasberg misslingt. Die Runde bei Frank Plasberg diskutierte das Thema "Das Schockjahr 2016 - nur Schurken, kaum Helden?" (Quelle: imago images/WDR/Oliver Ziebe)

Die Runde bei Frank Plasberg diskutierte das Thema "Das Schockjahr 2016 - nur Schurken, kaum Helden?" (Quelle: WDR/Oliver Ziebe/imago images)

Die letzte "Hart aber fair"-Sendung 2016 sollte ein Jahresrückblick werden. Letztlich ging es bei Moderator Frank Plasberg aber doch wieder fast ausschließlich um die Flüchtlingsfrage.

Die Gäste

  • Edmund Stoiber, CSU-Ehrenvorsitzender
  • Serdar Somuncu, Kabarettist
  • Alice Schwarzer, Publizistin
  • Leni Breymaier, Landesvorsitzende der SPD in Baden-Württemberg
  • Rolf-Dieter Krause, Journalist

Das Thema

Trotz Weihnachtsvorfreude: Bei Plasbergs "Hart aber fair"-Jahresrückblick gab es harten Tobak zu konsumieren. Demnach war 2016 ein schreckliches Jahr, mit all den Rechtspopulisten, Terroranschlägen und Trump. Scheinbar nahe lag da die Suche nach Helden und Schurken. Immerhin sorge Reden für "ein wenig Orientierung". Also stieg man mit der Kölner Silvesternacht ein. Was da passiert sei, sie ein "Zeichen des Überfordertseins beiderseits" gewesen, urteilte Somuncu.

Bundeskanzlerin Merkel habe ihr "Wir schaffen das" nicht erklärt, ergänzte er. Stoiber urteilte, das Verschweigen der Probleme sei "schlimm" gewesen, unkontrollierbare Zuwanderung führe zu Integrationsproblemen. Perle für Perle wurde Altbekanntes auf die Talkschnur gefädelt.

Aufreger des Abends

Daher gab es auch kaum erquickende Momente. Für einen sorgte Somuncu, dem Stoibers Flüchtlings-Haltung sichtlich auf die Nerven ging. Der Bayer betonte, man habe sich "ein Problem an den Hals geschaffen", den Nährboden für die AfD bereitet. "Herr Stoiber begibt sich in einen Wettbewerb mit den Populisten", schoss der Kabarettist eine Spitze ab. Und legte nach: "Wir können es genauso gut wie die", sei eine Attitüde in der CSU. "Was heißt denn das?", stotterte Stoiber. "Latente Ausländerfeindlichkeit", konterte Somuncu.

Auch Schwarzer kam nicht gut weg. Sie verkörpere eine Bevölkerungsgruppe, die in einem Imagewandel zu Beginn der Flüchtlingskrise plötzlich für jene eingetreten sei, weil es der Stimmung in Land entsprach. Schwarzer musste sich verhört haben. Somuncu wollte eigentlich nur verdeutlichen, in der Diskussion um die Flüchtlingskrise gebe es nicht schwarz oder weiß, sondern Grautöne. Die Lunte für ein wenig produktiven Krawall indes war gelegt.

Plasberg-Momente

Jemand hätte sie nur am Leben halten müssen. Der Moderator? Fehlanzeige. Der hatte mehr damit zu tun, Breymaier ins Abseits zu stellen. SPD in Baden-Württemberg? Keine dankbare Aufgabe. Plasberg rieb ihr aktuelle Umfragewerte unter die Nase, fragte, warum sie von "Geflüchtenden" spreche, nicht von Flüchtlingen. Ob "Stoiber light" nicht ein Rezept fürs Ländle sei. Er solle nicht aus allem "gleich eine Ideologie machen", versuchte sie sich sichtlich aufgeregt zu wehren. Plasberg fing das nicht auf, Breymaiers Standing in der Runde war passé.

Da half es auch nichts, dass sie von Schwarzer dafür gelobt wurde, Gewalt gegen Frauen umfassender zu bewerten und nicht auf die Silvesternacht zu reduzieren. Auch Plasbergs Aufteilung in Schurke und Held wurde schnell nervig. "Im Leben gibt es ja nicht hier Helden, da Schurken", kam Schwarzer relativ schnell zum Schluss.

Höhepunkt des Abends

Das war Krause. Zum einen fing er Plasberg ein, wenn der eine Spur zu provokant die Diskussion in die andere oder andere Richtung lenken wollte. Etwa als er Stoiber fragt, ob "man heute weniger AfD hätte", wenn Angela Merkel vor einem Jahr in der Flüchtlingskrise auf ihn gehört hätte. Stoiber wich aus, Krause entfuhr nur ein "Hätte-hätte-Fahrradkette".

Musste man bei den Dampfkesseln Breymaier und Stoiber vermuten, sie explodieren gleich, wirkte Krause wie die Ruhe selbst. Und die Weihnachtsbotschaft des Abends kam von ihm: "Wenn ich auf Deutschland stolz sein soll, dann muss Deutschland Menschen helfen, die vor Krieg flüchten". Dafür gab es den längsten Publikumsapplaus des Abends. Auch wenn Somuncu einhakte, die Globalisierung sei der eigentliche Kriegstreiber. Und von der profitiere auch die deutsche Wirtschaft. Diese Haltung sei "naiv", so Schwarzers Retourekutsche.

Was schade war

Vieles was von Plasberg als Thema angekündigt wurde, wurde nur als Stichwortgeber verwendet: Für Umfragen auf der Straße nach "Held" oder "Schurke". "Trump?" "Naja", meinte Schwarzer und deutete an, dass man hier nicht schwarz-weiß malen könne. Jeder in der Runde durfte kurz die eigene Meinung zum designierten US-Präsidenten abgeben und weiter ging’s.

Die Bundeskanzlerin? Dasselbe Spiel. "Kein gutes Jahr für Merkel", urteilte Somuncu. Der Kabarettist war es auch, der Plasberg daran erinnerte, zu einem Jahresrückblick gehöre mehr als die Flüchtlingsfrage. Vielleicht Erdogan? "Den lassen wir aus", so Plasberg. Am Ende drückte die Zeit.

Der Moderator wollte den Bogen schließen und fragte jeden, mit wem aus der Runde sie, er den Jahreswechsel verbringen würde. Somuncu und Stoiber? Never ever. Gerade die beiden wählten sich jedoch gegenseitig. Feiern würden beide wohl nicht bei Somuncu zu Hause in Köln. Silvester: Da war doch was.

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