Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Gesellschaft >

Maybrit Illner: Smartphones und Twitter sind irgendwie böse

Jahresrückblick bei Illner  

Smartphones und Twitter sind irgendwie böse

16.12.2016, 09:32 Uhr | Nico Damm, t-online.de

Maybrit Illner: Smartphones und Twitter sind irgendwie böse. Die Autorin Sineb al Masrar und Thomas Gottschalk tauschten sich bei Maybrit Illner über die Qualität von Kommunikation aus. (Quelle: Screenshot ZDF)

Die Autorin Sineb al Masrar und Thomas Gottschalk tauschten sich bei Maybrit Illner über die Qualität von Kommunikation aus. (Quelle: Screenshot ZDF)

Trump, Syrien, Putin, Twitter, Neukölln - die Gäste bei Maybrit Illner im ZDF wollten das Jahr 2016 kritisch Revue passieren lassen. Das gelang nicht wirklich. Die Geschichte einer überforderten Talk-Runde.

Die Gäste

  • Thomas Gottschalk
  • Franziska Giffey (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Neukölln
  • Sineb al Masrar, Autorin
  • Sascha Lobo, Blogger und Autor
  • Sylke Tempel, Außenpolitik-Expertin

Das Thema

"Wut, Werte, Wahrheit - wie hat uns 2016 verändert?" - so lautete der offizielle Untertitel der Sendung. Hintergrund: Erfolge so genannter Populisten wie Donald Trump, Erdogan oder der Brexit-Befürworter. Hinzu kam die große Rolle von Social Media. Die Sendungs-Macher sehen eine "wachsende Furcht vor Veränderung" und fragten: "Welche Werte gibt es zu schützen?"

Letztendlich war das der verzweifelte Versuch, ein gesamtes Jahr in sechzig Minuten erhellend zu diskutieren. Eine thematische Überforderung.

Der Frontverlauf

Eine Debatte kam kaum zustande. Zu schnell war der Husarenritt durch komplizierteste globale Themen, zu ähnlich die Meinungen der Gäste.
Schnell war man sich einig: Die Populisten sind überall, die Leute glauben ihnen und Posts auf Twitter wohl mehr als etablierten Medien und Politikern. Einig war man sich auch: Wütende Menschen seien anfälliger für einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Leider ergab es trotz einer jungen Runde mit viel Netz-Expertise schnell den Tenor: Das Internet ist irgendwie böse. Die Leute glaubten eben irgendwelchen Blogs statt der Expertise von Politikern, bedauerte da Tempel sinngemäß, selbst Chefredakteurin eines traditionellen Mediums ("Internationale Politik").

Dabei lieferte sie selbst ein gutes Beispiel für die Glaubwürdigkeitskrise der etablierten Medien: Trump habe "Wahlhilfe von russischer Seite bekommen", zeterte sie. Reine Behauptungen, wie immerhin die Redaktion - wenn auch nicht Illner selbst - in einem Einspieler korrekt kenntlich machte: als "Gerüchte".

Sinnvollstes Talk-Thema

Die Runde versuchte, zu ergründen, woher die Ängste und die Wut vieler Bürger kommen. Giffey sah ein verlorenes Sicherheitsgefühl: "Die Leute
sagen: Mir geht’s ganz gut. Aber was kommt, da bin ich mir nicht sicher." Also etwa, ob man in einem Jahr seine Miete noch werde zahlen können. Es gibt viele Krisen und Herausforderungen, eine globale, komplexe Welt. Da könnten Politiker ruhig mal beichten, dass sie auch nicht alle Antworten kennen, merkte Tempel richtig an: "Manchmal wäre es vielleicht besser, das zuzugeben." Das mache sie menschlicher, glaubwürdiger.

Sascha Lobo sah ein Problem in der "enorm geringen" sozialen Durchlässigkeit in Deutschland: "In bestimmten sozialen Schichten hat man kaum eine Chance, seine Lage zu verändern." In den sozialen Medien verschafften sich jetzt viele Gehör, die sich vorher nicht an der gesellschaftlichen Debatte beteiligt hätten, und forderten etwas ein.

Absurdeste Meinung

Gottschalk mit seinem emotionalen Abgesang auf einen Austausch zwischen den Generationen. Früher, sei die Kommunikation ja fairer gewesen, führte er aus, früher sei ja viel mehr untereinander gesprochen worden. Zum Beispiel am Samstagabend bei "Wetten, dass..?".

Was all das mit Populismus oder überhaupt mit Politik im Jahr 2016 zu tun hat? Man weiß es nicht. Statt das Thema dezent unter den Tisch fallen zu lassen, schlug Giffey auch noch in dieselbe Kerbe: Die Art, wie man miteinander umgehe, habe sich geändert. "Wenn ich in Berlin U-Bahn fahre, schauen alle nur noch aufs Smartphone." Da schwang mit: Vielleicht war die Kommunikation früher irgendwie besser, weil persönlicher. Für eine junge Politikerin eine überraschend gestrige Ansicht. 

Lobo rückte alles immerhin etwas zurecht: "Im 20. Jahrhundert haben auch nicht immer alle über Hegel und Habermas geredet."

Und wieder mal die Political Correctness

Wieder einmal musste die so genannte politische Korrektheit herhalten. Illner zitierte Giovanni di Lorenzo, der die Etablierung einer solchen auch den Grünen anlastete. Das, so der Tenor, habe es den wütenden Vereinfachern leichter gemacht. Deshalb helfe nur eine offene, ehrliche Kommunikation, riet al Masrar: In Fällen etwa wie bei der Kölner Silvesternacht müsse man fehlende Kenntnisse der Täter über das Verhältnis von Mann und Frau ansprechen. Ebenso jedoch, dass viele Migranten einfach nur arbeiten und ein normales, ruhiges Leben führen wollten. 

Und es mache einen Unterschied, mit wem man noch kommuniziere: "In der Islam-Konferenz sprechen wir nur noch mit den Verbänden", sprich: ziemlich konservativen islamischen Strömungen. "Damit tun wir den Muslimen keinen Gefallen."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR;

shopping-portal