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Wie der Tafel-Chef den Aufnahmestopp f├╝r Ausl├Ąnder verteidigt

  • Lars Wienand
Ein Interview von Lars Wienand

Aktualisiert am 22.02.2018Lesedauer: 6 Min.
In der Diskussion: Die Essener Tafel nimmt derzeit keine Ausl├Ąnder mehr auf. Hier laden Helfer auf einem Archivfoto Lebensmittel aus.
In der Diskussion: Die Essener Tafel nimmt derzeit keine Ausl├Ąnder mehr auf. Hier laden Helfer auf einem Archivfoto Lebensmittel aus. (Quelle: Ralph Lueger/imago-images-bilder)
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Die Essener Tafel hat erkl├Ąrt, vorerst nur noch Deutsche neu anzunehmen. Andere Tafeln gehen ├Ąhnlich vor, machen es nur nicht so deutlich, behauptet der Essener Vorsitzende J├Ârg Sartor im Interview.

Die Essener Tafel hat erkl├Ąrt, dass auf unbestimmte Zeit nur Deutsche neue Berechtigungskarten f├╝r Lebensmittel bekommen. Von den 1.800 Berechtigungskarten seien zwischenzeitlich 61 Prozent an Ausl├Ąnder gegangen, sagt der Vorsitzende der Essener Tafel, J├Ârg Sartor. Durch die Beschr├Ąnkung solle verhindert werden, dass langj├Ąhrige ├Ąltere und alleinstehende Nutzer sich verdr├Ąngt f├╝hlen und wegbleiben. Seine Entscheidung h├Ąlt er nach wie vor f├╝r richtig ÔÇô das w├╝rde er auch der Kanzlerin erkl├Ąren, sagt er im Interview.

Herr Sartor, was ist aktuell bei Ihnen los?

J├Ârg Sartor: Die H├Âlle. Ich hatte schon drei Fernsehinterviews. Im Moment macht mir Berlin die H├Âlle hei├č, der Bundesverband. Ich soll das zur├╝cknehmen, wegen der Sponsoren und so. Die k├Ânnen mich mal gern haben. Das ist ein Vorstandsbeschluss aus dem Dezember, nachdem wir lange Monate dr├╝ber geredet haben. Wir praktizieren das seit dem 10. Januar, und es gab seither nicht eine negative Geschichte. Aber auf einmal spielt die ganze Welt verr├╝ckt. Ich bin stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands NRW, und da melden sich jetzt Vorstandskollegen, die seit Dezember davon wissen.

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Der Bundesverband hat mir erkl├Ąrt, dass es andere L├Âsungen gibt und Sie von mehr als 900 Tafeln die erste sind, die diesen Weg geht.

Das stimmt nicht. Ich behaupte, es gehen mehr so vor, nur sind wir die ersten, die das so auf ihre Internetseite gestellt haben. Wir h├Ątten das Ganze auch heimlich machen k├Ânnen.

Wollten Sie denn, dass dar├╝ber gesprochen wird?

Nein, Nein! Wir wollten damit nur nicht so agieren wie andere Gutmenschen, die nach au├čen hin das so verkaufen und in Wirklichkeit anders denken.

Sie sprechen von Gutmenschen. Sind Sie Schlechtmensch?

Ich bin Realist, das ist der Unterschied. Ich streichele die Sache nicht gesund. Wir hatten den ganzen Dezember einen generellen Aufnahmestopp, weil wir gar keine Pl├Ątze hatten und geben seit dem 10. Januar wieder Karten aus. Wir haben einmal die Woche Aufnahme mit circa 80 bis 120 Leuten, die dann vor der T├╝r stehen. Davon haben wir mehr als die H├Ąlfte jeden Mittwoch zur├╝ckgeschickt. Und auch danach gab es keinerlei Proteste, weil wir denen das ja vern├╝nftig erkl├Ąrt haben.

Kann man das vern├╝nftig erkl├Ąren?

Wir haben ja nicht gesagt "Ausl├Ąnder raus", sondern wir haben gesagt, wir haben keine weiteren Pl├Ątze im Moment f├╝r Ausl├Ąnder. Im Moment, nur im Moment. Wir haben das entschieden, und dann stehen wir auch dazu. Egal, was in Berlin passiert. Der Bundesvorsitzende ist Mitglied der Essener Tafel, der wohnt in Essen. Der spricht mit Sicherheit mit mir kein Wort mehr.

Aber wenn der aus Essen ist, hat der auch mitbekommen, wenn die Oma wegbleiben sollte, weil sie Angst ...

Moment! Angst ist der falsche Ausdruck. Wenn die Leute Angst h├Ątten, w├╝rden wir was falsch machen, dann w├╝rden wir unserer F├╝rsorgepflicht nicht nachkommen. In die Richtung gibt es auch keinen Anlass. Die haben Beklemmung, ein St├Ârgef├╝hl, aber nicht Angst.

Bei anderen Tafeln gibt es unterschiedliche Abholtage f├╝r unterschiedliche Gruppen, auch f├╝r verschiedene Sprachen, damit es auch da keine Probleme gibt. Das sagt jedenfalls der Bundesverband.

Was ist dann anders? Montags f├╝r Deutsche, Mittwochs f├╝r Ausl├Ąnder. Wo ist da der Unterschied? Die haben auch eine Quotenregelung. Nur wir gehen damit anders um. Die machen sich alle einen schlanken Fu├č, und sagen, wir gehen der Sache aus dem Weg, wir nehmen montags die Oma, dienstags die Alleinerziehenden und mittwochs den Ausl├Ąnder. Das wollen wir nicht, wir wollen ja eine Integration statt dieser Trennung, das ist doch was Vern├╝nftiges.

Aber die anderen haben doch keinen Aufnahmestopp f├╝r Ausl├Ąnder?

Doch, wenn die Mittwochspl├Ątze alle voll sind. Verstehen Sie, das ist doch das Gleiche in Gr├╝n. Ich habe am Montag zum Beispiel 100 Pl├Ątze f├╝r die Oma, am Mittwoch 100 f├╝r den Syrer und am Freitag 20 f├╝r den Afghanen. Da mache ich doch auch einen Aufnahmestopp. Wenn die 100 Pl├Ątze bei den Syrern voll sind, dann tue ich doch nicht den n├Ąchsten Syrer montags zu den Omas.

Wieso k├Ânnen Sie denn nicht einfach mehr als die 1.800 Pl├Ątze anbieten? Fehlt es an Lebensmitteln oder an Helfern?

Vor 13 Jahren habe ich die Tafel ├╝bernommen mit dreieinhalb gammeligen Autos und zwei Ausgabetagen. Und dann sind wir gewachsen und haben jetzt mittlerweile sieben neue Autos vor der T├╝r stehen und haben vier Ausgabetage und elf Ausgabestellen. Irgendwann vor f├╝nf, sechs Jahren haben wir gesagt: Schluss. Schluss! Die 1.800 haben wir uns gesetzt. Wir k├Ânnten sicherlich in Essen noch mehr machen, wir k├Ânnten noch f├╝nf Autos laufen haben, wir k├Ânnten noch mehr Lebensmittel ranschaffen. Aber wir arbeiten auch alle ehrenamtlich.

Also br├Ąuchten Sie mehr Helfer f├╝r mehr Hilfe?

Nein, das ist ja ein Riesenbetrieb. Wir wollen nicht das Rote Kreuz, die Caritas oder die Diakonie werden. Wer mehr machen will, soll mehr machen. In drei Wochen haben wir Vorstandswahlen, deswegen kommt mir das auch gelegen, dass dieser Shitstorm jetzt kommt. Da kann sich gerne jederzeit einer vorne hinstellen und sagen, ich mach das f├╝r den Sartor. K├Ąme mir nicht ungelegen. Aber sie werden keinen finden. Der Sartor mit seiner Mannschaft hat gesagt, die 1.800, dann ist Schluss.

Und der Sartor mit seiner Mannschaft sagt, es werden keine Ausl├Ąnder mehr aufgenommen. Was antworten Ihnen diese Menschen?

Wir erkl├Ąren das, und dann akzeptieren die Leute das. Es haben schon mal Hilfsstellen angerufen f├╝r Fl├╝chtlinge, die sagen, dass bei ihnen jemand sitzt, der das nicht verstanden hat. Da haben wir das erkl├Ąrt, prima, alles klar.

So einfach? Auch Beratungsstellen hatten dann Verst├Ąndnis?

Verstanden, oder hingenommen, wei├č ich nicht. Da will ich mich nicht festlegen. Vor allem haben es die Kunden alle akzeptiert. Da war nicht einer dabei, der sich benachteiligt f├╝hlte. Vern├╝nftig erkl├Ąren, und in sechs oder acht Wochen sieht die Welt wieder anders aus. Dann nehmen wir wieder welche.

Deutsche auf dem R├╝ckzug: Einige ├Ąltere und alleinstehende Deutsche nutzten die Tafel nicht mehr, weil sie sich bedr├Ąngt f├╝hlten, sagt der Vorsitzende.
Deutsche auf dem R├╝ckzug: Einige ├Ąltere und alleinstehende Deutsche nutzten die Tafel nicht mehr, weil sie sich abgedr├Ąngt f├╝hlten, sagt der Vorsitzende. (Quelle: Ralph Lueger/imago-images-bilder)

Was hat sich dann ge├Ąndert?

Der prozentuale Anteil. Es scheiden ja Leute aus, weil man ein Jahr kommen darf und dann ein Jahr Pause machen muss. Es werden dadurch st├Ąndig Pl├Ątze frei.

Das steht seit Dezember auf ihrer Internetseite, und bislang gab es keine Debatte. Hatten Sie keine Sorge, dass sich Leute darauf st├╝rzen, die begierig nach Beispielen suchen, dass es Deutschen durch Fl├╝chtlinge schlechter geht?

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Als wir es auf die Internetseite gestellt haben, haben wir ├╝berlegt, dass etwas kommen k├Ânnte.

Und wie wurde es jetzt bekannt?

Das ist einer Reporterin der "WAZ" aufgefallen, die wegen eines anderen Themas hier war. Wer dreimal bei der Lebensmittelausgabe der Tafel fehlt, verliert seine Karte f├╝r ein Jahr. Und bei uns werden Leute lebenslang gesperrt, wenn sie sich daneben benehmen.

Sie fahren generell einen harten Kurs.

So was passiert nicht oft, zwei-, dreimal im Jahr, aber die Leute wissen, wo bei uns die Glocken h├Ąngen. Wegen dieses Themas war sie da, da kamen wir auch auf den Aufnahmestopp.

Der Vorsitzende des Integrationsrats der Stadt Essen, der CDU-Politiker Miguel Martin Gonz├ílez Kliefken, hat der ÔÇ×BildÔÇť nun gesagt, Ihr Schritt sei in dieser Form nicht nachvollziehbar ÔÇô und auch nicht akzeptabel. Was sagen Sie dem?

Er kann es ja machen. Und von mir aus kann die Angela mich anrufen. Ich w├╝rde der das so sagen, wie es ist.

Und wenn die Kanzlerin anriefe, w├╝rden Sie der denn noch was anderes sagen wollen zum Thema Tafeln und Sozialpolitik?

Passen Sie mal auf: Wenn wir morgen die T├╝r abschlie├čen in Essen, dann geht es zwar vielen schlechter, aber es verhungert kein Mensch. Das h├Âren Sie vielleicht von mehr als der H├Ąlfte der Tafeln anders. Wir sind nicht f├╝r die Grundversorgung zust├Ąndig, das ist eine staatliche Aufgabe. Wir sind eine Zusatzversorgung. Wir verstehen uns so, dass wir Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren und damit bed├╝rftigen Menschen helfen.

Meinen Sie denn, dass Sie von manchen Menschen missbraucht werden?

Nein, die Menschen m├╝ssen ja die Bed├╝rftigkeit nachweisen mit Papieren. Ob man bed├╝rftig ist, wenn man auf staatliche Leistungen angewiesen ist, ist eine philosophische Frage. Ich pers├Ânlich sage: Mit Hartz IV kann man leben, es gibt Hunderttausende, die ohne Tafel von Hartz IV leben. Ich m├Âchte aber nicht davon leben m├╝ssen. Und jetzt muss ich leider aufh├Âren. Ich hab 17 entgangene Anrufe w├Ąhrend unseres Telefonats.

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  • Josephin Hartwig
Ein Kommentar von Josephin Hartwig
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