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Erdogan fordert von Merkel türkische Schulen in Deutschland

Besuch im Kanzleramt  

Erdogan will türkische Lehrer schicken

08.02.2008, 16:33 Uhr | AFP , dpa

Besuch im Kanzleramt: Erdogan fordert türkische Schulen in Deutschland (Quelle: Reuters)Besuch im Kanzleramt: Erdogan fordert türkische Schulen in Deutschland (Quelle: Reuters) Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will, dass Deutschland Gymnasien und eine Universität einrichtet, an denen in türkischer Sprache unterrichtet wird. Für eine bessere Integration der Türken, die in Deutschland leben, sollen seiner Meinung nach verstärkt türkische Lehrer an deutschen Schulen eingesetzt werden. Um Deutsch sprechen zu können, müssten Migranten zuerst ihre eigene Sprache beherrschen, sagte der Regierungschef während des Besuchs bei Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

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Türkei will Lehrer schicken

Sein Land sei bereit, für Bildungseinrichtungen in Deutschland eigens geschultes türkisches Lehrpersonal zur Verfügung zu stellen. "Es wäre ein Fehler, dies zu verhindern", sagte der Regierungschef. Er verwies darauf, dass es in der Türkei mehrere deutsche Schulen gebe und derzeit eine Universität gebaut werde, in der in Deutsch unterrichtet werden soll. Erdogan kritisierte, in Deutschland sei in der vergangenen Zeit zum Teil eine Atmosphäre der Ausgrenzung entstanden.

Merkel ist zurückhaltend

Merkel reagierte skeptisch auf den Vorschlag: Die Arbeit türkischer Lehrer an deutschen Schulen stelle sie sich "schwierig vor". Etwas anderes sei der Einsatz von Sozialpädagogen, die sich speziell um Migrantenkinder kümmern könnten, so die CDU-Politikerin. Auch den verstärkten Einsatz von Lehrern mit türkischer Abstammung begrüßte Merkel.


"Nein zu Assimilation"

Merkel wie Erdogan betonten die Bedeutung guter Sprachkenntnisse für die Integration. Es komme darauf an, dass die Schüler ihre Lehrer verstünden. Ungeachtet der Diskussion über bessere Bildungschancen sagte Erdogan: "Ja zur Integration - Nein zur Assimilation."

"Deutsch ist Schlüssel zu Integration"

Politiker von CDU und SPD lehnten Erdogans Vorschlag in der Berliner Zeitung "BZ" mit deutlichen Worten ab. SPD-Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper sagte: "Wir brauchen den Lehrstuhl für Islamwissenschaften im Rahmen der deutschen Hochschulordnung. Aber wir brauchen keine Schulen und Hochschulen des türkischen Staates in Deutschland." Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach erklärte: "Die deutsche Sprache ist und bleibt der Schlüssel zur Integration."

"Hervorragende Hochschulen"

Auch der Leiter des Essener Zentrums für Türkeistudien, Faruk Sen, äußerte sich ablehnend: "Wer an einer türkischen Hochschule studieren will, kann dies in einer der 115 Universitäten in der Türkei tun." Deutschland besitze hervorragende Hochschulen, es sei höchste Zeit, dass mehr türkische Jugendliche hier ein Studium aufnehmen, sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung".

"Stellenwert wie Englisch oder Spanisch"

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde Deutschland, Kenan Kolat, sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Es ist sinnvoll, an deutschen Schulen mehr Angebote für Türkisch zu schaffen. Türkisch muss an deutschen Schulen den Stellenwert von Sprachen wie Englisch, Spanisch oder Französisch bekommen." Anders als Erdogan forderte er aber, die Lehrer nicht aus der Türkei zu holen, sondern in Deutschland auszubilden. "Türkische Lehrer sind für türkische Kinder in der Türkei ausgebildet. Sie kennen die Situation hier nicht. In Deutschland gibt es genügend Studienmöglichkeiten für Türkischlehrer."

550 Lehrer entsendet

Aus der Internetseite des Auswärtigen Amtes geht hervor, dass das Erziehungsministerium in Ankara türkische Lehrer bereits entsendet, die türkischen Kindern an Schulen in Deutschland muttersprachlichen Unterricht erteilen. Durchschnittlich halten sich dazu 550 Lehrer in Deutschland auf. Im September 2006 riefen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und sein damaliger türkischer Amtskollege Abdullah Gül in Istanbul die "Ernst Reuter Initiative" für den interkulturellen Dialog ins Leben. Wichtigstes Vorhaben ist die Gründung einer deutsch-türkischen Universität bei Istanbul.

EU-Beitritt wird weiter verhandelt

Beim Streitthema EU sicherte Merkel Erdogan die Fortsetzung des Verhandlungsprozesses über eine spätere Vollmitgliedschaft zu. Trotz der Vorbehalte von CDU und CSU werde an dem Grundsatz festgehalten, dass einmal eingegangene Verträge auch erfüllt würden. Sie bestätigte, dass es Überlegungen für ein Dreier-Treffen zwischen ihr, Erdogan und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gibt. Nach Merkels Worten hat die bevorstehende Lockerung des Kopftuch-Verbots in der Türkei keine Konsequenzen für die Beitrittsverhandlungen mit Ankara.

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Untersuchungen fortgesetzt

Unterdessen wurden die Ermittlungen nach der Ludwigshafener Brandkatastrophe fortgesetzt. Experten hätten erstmals den Keller des Hauses betreten können, sagte Oberstaatsanwalt Lothar Liebig von der zuständigen Staatsanwaltschaft Frankenthal. Merkel sicherte der Türkei zu, entschlossen nach den Ursachen des Brandes zu suchen. Es werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet. "Wir werden in Deutschland alles dafür tun, damit diese Brandkatastrophe so schnell wie möglich aufgeklärt wird", kündigte Merkel an.

Dank an die Polizei

Erdogan, der am Vortag die Brandruine in Ludwigshafen besucht hatte, ist davon überzeugt, dass der "tragische Vorfall" die engen deutsch-türkischen Beziehungen nicht beschädigen wird. Wenn die Ursache feststehe, werde dies "sowohl die Türken als auch die deutsche Gesellschaft aufatmen lassen", sagte der Ministerpräsident. Er dankte Polizei und Feuerwehr in Ludwigshafen erneut für ihren Einsatz. Bei dem Hausbrand in der rheinland-pfälzischen Stadt waren am Sonntagabend neun Türken ums Leben gekommen. Die Ursache des Brandes ist noch unklar.

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