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Die Sekte, die keine ist

Scientology  

Die Sekte, die keine ist

12.02.2008, 11:33 Uhr

Die Anfang 2007 neu eröffnete Scientology-Zentrale in Berlin (Quelle: imago images)Die Anfang 2007 neu eröffnete Scientology-Zentrale in Berlin (Quelle: imago images) Dass Scientology eine Sekte oder gar eine Kirche ist, daran bestehen schon lange Zweifel. Glaubensinhalte sind bei der Organisation wahrlich schwer zu erkennen. "Mach Geld, mach mehr Geld, lass andere Geld für Dich machen", dieses Motto erfand der Science-Fiction-Autor und Scientology-Gründer L. Ron Hubbard im Jahr 1954. Mit spirituellen Lehren hat das eher wenig zu tun.

Psycho-Spiele sollen Seele befreien

Als religiöse Bewegung sehen sich die Scientologen aufgrund ihrer Methoden, mit denen sie ihre Mitglieder auf Kurs bringen. Immer wieder müssen sich die Anhänger Psycho-Tests und Gesprächen, so genannten "Auditings", unterziehen. In diesen Sitzungen versucht der Interviewer, alles über einen Menschen herauszufinden, um seinen "Thetan", in etwa die Seele des Menschen, zu "befreien".

"Erhellt" durch Scientology-Ideologie

Durch die Sitzungen soll der Mensch nach Scientology-Ideologie "clear" - also "frei" oder auch "erhellt" - werden. Die Aspiranten werden buchstäblich durchleuchtet, die Interviewer holen traumatische Erlebnisse aus dem Leben der Befragten hervor. Dabei kommt auch eine Art Lügendetektor, das sogenannte "E-Meter", zum Einsatz. "Clear" wird, wer sich von psychischen Lasten befreit und natürlich gleichzeitig die Lehren Scientologys verinnerlicht.

Das Geld fließt nach oben

Um diesen Status zu erreichen, müssen die Mitglieder immer mehr Psycho-Kurse besuchen - die mit der Zeit auch immer teurer werden. Nicht wenige Anhänger haben die sogenannten Seminare in den finanziellen Ruin getrieben und gleichzeitig psychisch von der Organisation vollkommen abhängig gemacht. So verdienen die höheren Stufen der Scientologen an den niedrigeren - ein klassisches Schneeballsystem.

Psychiater sind Feindbilder

Scientology hetzt gegen Psychiater, setzt sie mit Mördern und Vergewaltigern gleich. Hubbard lehnte die Lehren insbesondere Siegmund Freuds strikt ab. Die Methoden, die die Interviewer in den "Auditings" anwenden, sind gleichwohl denen der klassischen Psychoanalyse sehr ähnlich. Ebenso verteufeln die Scientologen Psychopharmaka. Berühmt wurde in diesem Zusammenhang ein Ausfall des Vorzeige-Scientologen Tom Cruise gegen seine Schauspieler-Kollegin Brooke Shields im Jahr 2006. Er beschimpfte sie öffentlich, weil sie zugegeben hatte, Medikamente gegen Wochenbettdepression genommen zu haben.

Nachhilfeprogramme und Drogenentzug

Um Mitglieder zu werben, spricht Scientology Menschen nicht nur auf der Straße an oder verteilt Postwurfsendungen, sondern bietet auch verschiedene Dienstleistungen an. Das beginnt von Schulungen zur Einschätzung von Menschen für Bankangestellte über Schülernachhilfe bis zu Drogenentzugsprogrammen. Oft wissen die Teilnehmer gar nicht, mit wem sie es zu tun haben - oder finden es erst heraus, wenn es zu spät ist.

100.000 Mitglieder weltweit geschätzt

Die Organisation behauptet, weltweit über zehn Millionen Mitglieder zu haben. Unabhängige Experten gehen eher von 100.000 Anhängern aus, mindestens die Hälfte davon sind wahrscheinlich US-Amerikaner. Der Verfassungsschutz schätzt die Zahl der Scientology-Anhänger in Deutschland auf bis zu 6000 - die Organisation selbst spricht von 30.000.

Wer aussteigt, wird terrorisiert

Aussteiger verfolgt die Organisation und schüchtert sie mit brutalen psychologischen Tricks ein. So lauern Fremde den Ex-Mitgliedern vor der Wohnungstür auf, fotografieren sie und verfolgen sie und ihre Angehörigen. Wer sich an die Öffentlichkeit wendet, wird zusätzlich mit gerichtlichen Verfügungen und Klagen überzogen, nicht selten aus den USA.

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