Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland >

Conterganfilm darf ausgestrahlt werden

Urteil des Bundesverfassungsgerichts  

Conterganfilm darf ausgestrahlt werden

05.09.2007, 15:26 Uhr | dpa, AFP

Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg für die Ausstrahlung des umstrittenen TV-Zweiteilers "Eine einzige Tablette" über den Contergan-Skandal frei gemacht. In einer Eilentscheidung wiesen die Karlsruher Richter die Klagen des Contergan-Herstellers Grünenthal sowie eines Anwalts ab. Die vier Beschwerdeführer wollten verhindern, dass der Film im Herbst in der ARD ausgestrahlt wird. Das Drama thematisiert die Affäre um das Schlafmittel Contergan, nach dessen Einnahme tausende Frauen Ende der 50er Jahre missgebildete Kinder geboren hatten.


Keine Dokumentation, sondern Fiktion
Nach den Worten des Karlsruher Gerichts wäre ein Verbot ein "schwerwiegender Eingriff" in die Programmfreiheit des WDR, der den Film mit dem Titel "Eine einzige Tablette" für die ARD realisiert hatte. Er lehnt sich an das historische Geschehen an, die handelnden Personen sind aber frei erfunden. Der WDR will das Werk zum 50. Jahrestag der Markteinführung des Medikaments im Oktober 1957 senden, um so eine größere publizistische Wirkung zu erzielen. Die Ausstrahlung zum zeitgeschichtlich wichtigen Jahrestag könne Anstöße zur öffentlichen Meinungsbildung vermitteln - auch bei einem unterhaltend aufgemachten Film.

Ausstrahlung bereits einmal verboten
Der Streifen sollte ursprünglich schon im Herbst 2006 gezeigt werden. Doch dann hatte das Hamburger Landgericht die Ausstrahlung untersagt. Das dortige Oberlandesgericht hob die Verfügungen im April wieder auf. Dagegen zogen die Firma und der Anwalt vors Bundesverfassungsgericht, das nun deren Eilanträge abgelehnt, aber nicht nicht abschließend über die Verfassungsbeschwerden entschieden hat.

Persönlichkeitsrecht nicht in Gefahr
Aus Sicht der Karlsruher Richter ist eine schwerwiegende Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts der Kläger nicht zu befürchten. Nach ihrer Einschätzung knüpft der Film zwar an ein reales Geschehen an und macht es damit möglich, den Bezug zu der Aachener Pharmafirma sowie dem klagenden Anwalt herzustellen, der damals zu Gunsten der Contergan-Geschädigten gegen das Unternehmen juristisch vorgegangen war. Allerdings erwecke der Film nicht den Eindruck, nach Art eines Dokumentarspiels das historische Geschehen in sämtlichen Einzelheiten möglichst detailgetreu nachzubilden, zumal im Vor- und Abspann ausdrücklich auf den fiktionalen Charakter der Personen hingewiesen werde.

Millionen-Entschädigung gezahlt
Die Firma Chemie Grünenthal hatte das Medikament 1961 vom Markt genommen, weil es bei Schwangeren das Risiko embryonaler Missbildungen gesteigert hatte. Ein Strafverfahren gegen mehrere Mitarbeiter des Unternehmens wurde 1970 eingestellt, nachdem das Unternehmen 100 Millionen Mark zur Entschädigung der Opfer bereitgestellt hatte.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Der Sommer zieht ein: shoppe Outdoor-Möbel u.v.m.
jetzt auf otto.de
Anzeige
Jetzt bei der Telekom: Surfen mit bis zu 50 MBit/s!
z. B. mit MagentaZuhause M
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenamazon.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal