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Bayern: Prozess im Gammelfleisch-Skandal beginnt

Ekelfleisch-Skandal in Bayern  

Ex-Geschäftsführer steht vor Gericht

26.09.2006, 12:06 Uhr | dpa

Vor dem Landgericht Memmingen hat am Dienstag die juristische Aufarbeitung der Fleischskandale in Bayern begonnen. In dem Strafprozess wird dem ehemaligen Geschäftsführer der inzwischen insolventen Deggendorfer Frost GmbH vorgeworfen, er habe Schlachtabfälle importiert und als Lebensmittel weiterverkauft. Unterdessen wird auch ein Wursthersteller aus dem Landkreis Vechta in Niedersachsen verdächtigt, mit Schlachtabfällen gehandelt zu haben. Nach dem jüngsten Skandal um Gammelfleisch in Bayern hat die Fleischzentrale im niederbayerischen Metten Insolvenzantrag gestellt.

Rückblick

Abfälle für 300.000 Euro verkauft
Insgesamt soll die Frost GmbH, Tochter eines Illertissener Fleisch- und Kühlhausbetriebes, rund 1000 Tonnen Fleischabfälle im Ausland gekauft und für mehr als 300.000 Euro weiterverkauft haben. Die Anklage legt dem Ex-Geschäftsführer rund 70 Verstöße gegen das Lebensmittelgesetz sowie das Fleisch- und das Geflügelfleisch-Hygienegesetz zur Last. In 50 Fällen wird ihm dabei auch Betrug vorgeworfen.

Schweineschwarten und Geflügelteile
Die Ware war als Kategorie III eingestuft und ist so - im Gegensatz zu den Kategorien I und II - nicht für den menschlichen Verzehr geeignet. "Den Abnehmern gegenüber wurde die vom Angeschuldigten veräußerte Ware bewusst wahrheitswidrig als zum menschlichen Verzehr bestimmt und geeignet bezeichnet", sagte Staatsanwalt Andreas Rossa. Der Angeklagte habe gewusst, dass die von ihm belieferten Firmen aus den Schweineschwarten und Geflügelteilen Nahrungsmittel produzieren wollten.

Herstellung von Gelatine möglich
Die Verteidigung argumentiert hingegen so: Die Schweineschwarten stammten von Tieren, die unter veterinärpolizeilicher Aufsicht geschlachtet worden seien oder deren Körper in zugelassenen Betrieben verarbeitet wurden. "Diese Schwarten sind nach der Gelatine-Verordnung für die Herstellung von Gelatine zugelassen", erklärten die Anwälte. Der Angeklagte war im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten bei Fleischimporten zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Vorsicht
Lebensmittelsicherheit

Vechta: Stichfleisch beigemischt
Das Unternehmen im Landkreis Vechta hat der Staatsanwaltschaft Oldenburg zufolge zwischen August 2004 und Juli 2005 Stichfleisch mit ordnungsgemäßem Fleisch vermischt. Es sei unverarbeitet nach Russland und Rumänien weiterverkauft oder zu Wurst verarbeitet worden und in den Handel gelangt. Als Stichfleisch wird Halsfleisch bezeichnet, in das der Schlachter den tödlichen Stich mit einem Messer setzt. Für den menschlichen Verzehr ist es nicht geeignet, deshalb wird die Stichstelle nach dem Schlachten großzügig entfernt.

130 Tonnen Fleisch
Die Staatsanwaltschaft will klären, "wie es in einem solchen überschaubaren Betrieb möglich war, über 130 Tonnen Stichfleisch zu verarbeiten und in den Lebensmittelhandel zu bringen, obwohl regelmäßige Überprüfungen durch Fleischkontrolleure stattfinden müssen". Die Behörde ermittelt gegen den Senior- und den Junior-Chef sowie zwei Angestellte des Unternehmens.

Gewebe mit starken Einblutungen
Nach Angaben der Anklagebehörde hat der Wursthersteller die Schlachtabfälle von einem Gelsenkirchener Fleischhändler gekauft, gegen den die Staatsanwaltschaft Essen Anklage erhoben hat. Auf einem der Lieferscheine befand sich der Hinweis "Stichfleisch". Es sei von fachkundigem Personal leicht zu erkennen, da es Gewebe mit starken Einblutungen sei, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Handel mit verdorbenem Fleisch
Der Mettener Fleischproduzent begründete seine Zahlungsunfähigkeit damit, dass die Staatsanwaltschaft 70 Tonnen Fleisch beschlagnahmt habe. Das Unternehmen könne deshalb über einen Warenbestand im Wert von mehr als 100.000 Euro nicht mehr verfügen. Derzeit lassen die Behörden mehr als 400 Proben des sichergestellten Fleisches untersuchen. Die Ermittler vermuten, dass der 53-Jährige seit Jahren mit verdorbenem Fleisch gehandelt hat.


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