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Afghanistan: Verteidigungsminister Jung spricht mit Stammesältesten

Jung in Afghanistan  

Verteidigungsminister spricht mit Stammesältesten

11.03.2009, 12:23 Uhr | Von Kristina Dunz und Can Merey, dpa, dpa

Verteidigungsminister Jung spricht in Afghanistan mit einem Bundeswehrsoldaten und mit dem Gouverneur der Provinz Badakshan (Foto: ddp)

Der Verteidigungsminister ist gekommen, um zu lernen. Franz Josef Jung trifft sich am Mittwoch im Feldlager der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus mit Stammesältesten und Clan-Führern der Region. Erst Stunden zuvor waren hier in der Nähe drei Raketen eingeschlagen. Verletzte gab es nicht, nur ein Tor wurde beschädigt.

Schwer gesichert sitzen Jung und Bundestagsabgeordnete aller Parteien außer der Linken mit den Männern in traditioneller Kleidung in einem Zelt. Buntbestickte Teppiche zieren die Wände.

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"Die andere Seite muss auch mehr tun"

Jung möchte wissen, was die Bundeswehr tun kann, um die Sicherheit und das Leben für die Bevölkerung zu verbessern. Höflich antwortet einer der Männer: "Die Sicherheitslage war schlecht. Seit einigen Monaten sind wir Herr der Lage - mit großer Unterstützung unserer deutschen Freunde." Ein anderer mahnt, "die andere Seite" müsse auch mehr tun.

Deutschland soll für Wirtschaftswachstum sorgen

Mit der anderen Seite ist die internationale Gemeinschaft gemeint. Fast immer, wenn die deutschen Politiker genau nachfragen, wie man die Probleme lösen könnte, bleiben klare Antworten aus, aber der allgemeine Wunsch, dass Staaten wie Deutschland für neue Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum sorgen, wird deutlich geäußert. Der CDU-Politiker Ruprecht Polenz zeigt Verständnis, weist aber daraufhin, dass die Afghanen sich an ihre eigene Regierung wenden müssten. Sie sei zuständig.

Stammesführer: "Böse haben viel Macht gewonnen"

Ein Stammesführer beschimpft daraufhin die Regierung von Präsident Hamid Karsai: "Von unserer Regierung haben wir hier noch nichts gesehen." Karsai sage immer, die internationale Gemeinschaft sei zuständig. Und nach der Präsidentschaftswahl im August würden die neuen oder alten Machthaber "mit ihren Taschen und nicht mit den Menschen beschäftigt sein". Ein anderer sagt: "Die Bösen haben viel Macht gewonnen." Die Menschen beispielsweise in dem an Kundus-Stadt angrenzenden und als besonders unsicher geltenden Distrikt Char Dara seien maßlos enttäuscht. Von den Wiederaufbau-Projekten hätten sie wenig gehabt. Viele Jugendliche seien arbeitslos.

Mehr regionale Machthaber einbinden

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour sagt während der Reise: "Wir brauchen nicht mehr Soldaten in Afghanistan. Wir brauchen mehr Jobs." Der SPD-Abgeordnete Andreas Weigel wertet das Gespräch mit den Stammesältesten als Beweis dafür, dass sich Deutschland und die internationale Gemeinschaft mehr darauf konzentrieren müssten, die regionalen Machthaber und Gouverneure einzubinden.

"Kann nicht alles nach fünf Jahren blühen"

Ein konkreter Streitpunkt, den die Stammesältesten bei Jung ansprechen, ist der Bau einer Brücke, deren Fertigstellung sehnlichst erwartet wird. Aber es tut sich nichts. "Was müssen wir aus dieser Verzögerung lernen, was ist unser Fehler gewesen?", fragt der FDP-Politiker Werner Hoyer. "Im Namen Gottes", antwortet ein afghanischer Ingenieur, "wir hatten 30 Jahre Krieg. Da kann nicht alles nach fünf Jahren blühen." Er versucht, den spürbaren Zorn der Männer zu dämpfen. Hoyer hat die Hintergründe recherchiert: Afghanen wurden enteignet, damit die Brücke an dieser Stelle gebaut werden konnte. Ein wesentliches Problem ist seiner Ansicht nach, dass die Stammesältesten zu wenig einbezogen werden. "Wenn sie zurate gezogen werden, lassen sich Probleme schnell lösen."

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