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Wirtschaft fordert Rente mit 70

Wirtschaft fordert Rente mit 70

11.08.2010, 17:04 Uhr | dpa, dapd, AFP

Wirtschaft fordert Rente mit 70. Rente mit 70? Geht es nach dem Willen des Instituts der deutschen Wirtschaft, rückt der ruhige Lebensabend in immer weitere Ferne (Foto: imago)

Rente mit 70? Geht es nach dem Willen des Instituts der deutschen Wirtschaft, rückt der ruhige Lebensabend in immer weitere Ferne (Foto: imago)

Arbeiten bis zum 67. Lebensjahr ist der Wirtschaft noch zu kurz, sie fordert die Rente mit 70. "Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate in Deutschland anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen", sagte der Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, der "Rheinischen Post". Der Sozialverband VdK bezeichnete den Vorschlag als "ziemliche Utopie".

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Nach geltender Rechtslage wird das gesetzliche Renteneintrittsalter zwischen 2012 und 2029 in monatlichen Schritten von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben. Hüther fordert die Bundesregierung auf, diesen Prozess fortzusetzen. "Wir sollten 2029 nicht aufhören, das Rentenalter anzuheben, sondern auch danach damit fortfahren", empfahl der Ökonom.

Die Bundesregierung wird im November einen Bericht zur Einführung der Rente mit 67 vorlegen. Darin werde es Auskunft über die aktuelle Beschäftigungssituation Älterer geben und zugleich aufgezeigt, was noch zur Einführung getan werden muss, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. Dabei verwies er auch auf mögliche tarifvertragliche Regelungen. Die Rente mit 67 könne nur eingeführt werden, wenn die Bedingungen erfüllt seien. Allerdings gehe es bei dem Regierungsbericht nicht um die Frage "Daumen rauf oder runter" in der Rentenfrage. "Die politische Entscheidung über die Rente mit 67 ist gefallen."

SPD und Grüne wollen am Zieljahr 2009 festhalten

Die neu entflammte Debatte in der SPD über die Rente mit 67 nannte Hüther fatal: "Man muss schon blind sein, wenn man die Folgen der alternden Gesellschaft nicht sieht." Zuvor hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel eine Aussetzung ins Gespräch gebracht. Die SPD will die Rente mit 67 solange aussetzen, bis ein größerer Anteil älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch Beschäftigung findet.

Wolfgang Strengmann-Kuhn, rentenpolitischer Sprecher der Grünen, unterstützte diesen Vorschlag. Nach seiner Ansicht solle der Starttermin 2012 verschoben werden, sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Am Zieljahr 2029, in dem die Rente mit 67 laut Gesetz erstmals für alle gilt, solle dagegen festgehalten werden. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Forderung zurückgewiesen. Sie sieht zur Rente mit 67 angesichts des drohenden Fachkräftemangels keine Alternative.

VdK: erste Voraussetzungen schaffen

Der Rentenexperte der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Alexander Gunkel, warf der SPD vor, in ihrer Regierungszeit in der Großen Koalition Rentenkonten verhindert zu haben. Der Vorschlag von Ex-SPD-Chef Kurt Beck, Nachteile durch die Rente mit 67 nun aber über tarifvertraglich zu vereinbarende individuelle Rentenkonten auszugleichen, stoße daher auf Zustimmung. "Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident rennt mit diesem Vorschlag bei der Wirtschaft offene Türen ein", sagte Gunkel dem "Handelsblatt".

Die geforderte Rente mit 70 Jahren ist nach Einschätzung des Sozialverbands VdK eine "ziemliche Utopie". VdK-Präsidentin Ulrike Mascher sagte im Bayerischen Rundfunk, eine so lange Arbeitszeit komme nur bei wenige Berufe in Frage: "Wenn ich Bauarbeiter oder Erzieherin, Krankenpflegerin bin, dann bin ich körperlich einfach schon ziemlich aufgearbeitet und werde das wohl nicht schaffen." Erst müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Menschen bis 67 oder auch länger arbeiten können.

"Das ist eine faktische Rentenkürzung"

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte, die Gesetzesreform komplett einzustampfen und die bestehende Altersgrenze von 65 Jahren langfristig beizubehalten. Die Voraussetzungen für die Rente mit 67 seien einfach nicht gegeben, sagte Verbandspräsident Adolf Bauer der "Braunschweiger Zeitung". Schon gegenwärtig arbeite nur jeder 20. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte bis 65. "Deshalb bedeutet das höhere Renteneinstiegsalter eine faktische Rentenkürzung", beklagte er.

Solche "dramatischen Fehlentscheidungen" ziehen Bauer zufolge Altersarmut nach sich. Es werde deutlich, "dass Hartz-IV und Rente mit 67 in dieser Form nicht Bestand haben", sagte er. "Langzeitarbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung und Niedrigeinkommen sind eine wesentliche Ursache dafür, dass die Betroffenen niedrigere Rentenansprüche erwerben." Den Vorstoß von IW-Chef Michael Hüther für die Rente mit 70 wies er als "Sommerloch-Verrücktheit" zurück.

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